Ozzy Osbourne

Scream


CD-Review

Reviewdatum: 15.07.2010
Jahr: 2010
Stil: Metal

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Ozzy Osbourne
Scream, Sony Music, 2010
Ozzy OsbourneVocals
Gus G.Guitars
Tommy ClufetosDrums
BlaskoBass
Adam WakemanKeyboards
Produziert von: Ozzy Osbourne & Kevin Churko Länge: 49 Min 08 Sek Medium: CD
01. Let It Die07.Fearless
02. Let Me Hear You Scream08. Time
03. Soul Sucker09. I Want It More
04. Life Won't Wait10. Latimer's Mercy
05. Diggin' Me Down11. I Love You All
06.Crucify

Da ist er wieder, der "Madman" des Heavy Metal, der "Prinz der Dunkelheit" oder einfach der Kasper des Hardrock, als der er Vielen spätestens seit seiner Osbourne's TV-Soap scheint?
Tatsächlich hätte natürlich bereits vor Jahrzehnten kaum noch einer einen Pfifferling darauf gewettet, dass Ozzy Osbourne anno 2010 noch in der Lage ist ein Album veröffentlichen, geschweige denn einzuspielen. Oder ist es er es gar nicht mehr? Wird er, wie es Frank Schäfer in seinem, sehr zu empfehlenden Buch "Heavy Metal" (Reclam Verlag Leipzig 2001) an einer Stelle vermutet, "von seinem allzu geschäftstüchtigen Ehegespons immer wieder hinaus auf die Bühne gejagt ..., um sich dort selbst persiflieren zu müssen"?
Wer oder wie auch immer, "uns Ozzy" hat mit "Scream" ein neues Album draußen und wird auch recht bald den Erdball damit betouren. Personell sieht es so aus, dass - angeblich Zakk Wylde zu dominant geworden wäre, der Musik zu sehr seinen eigenen Stempel aufgedrückt hätte und schon wurde der langjährige Mitstreiter durch den Griechen Gus G. (bürgerlich Kostas Karamitroudis) ersetzt. Gut, frisches - und gar junges - Blut hat schon Manchem Flügeln verliehen. Die sind in dem Fall allerdings ganz schön "heavy". Gus G. bringt da schon eine deutlich schwergewichtiger Komponente ein, als sein Vorgänger und entsprechend modern-metallig klingt bereits Let It Die. "I'm a Rockstar" singt Ozzy gleich am Anfang und Recht hat er. Viele gibt es eh nicht mehr davon.
Instrumental gefällt mir das gar nicht mal schlecht. Hat Power, reichlich Düsternis, einen Rhythmus, der zum Headbangen einlädt und auch ein paar gute Ideen. Wenngleich das zwischenzeitlich "Geknüppel" für mich entbehrlich gewesen wäre. So toll artikuliert hat Ozzy ja eigentlich nie und beim Sprechen und auf der Bühne war das schon immer sehr "genuschelt". Jetzt tritt das auch bei den Studioaufnahmen deutlicher zutage. Trotzdem: Rockt doch ganz prächtig.
Let Me Hear You Scream beeindruckt in erster Linie durch sein halsbrecherisches Tempo. Da krabbelt Gus G. das Griffbrett rauf und runter, wie weiland Randy Rhodes bei den "Spiders". Mehr hat der Song allerdings nicht zu bieten - rauscht einfach viel zu gleichförmig vorbei.
Das Album sollte ursprünglich "Soul Sucker" heißen und nur die Bedenken, man könnte mit dem Titel Probleme bekommen - da hätte sich Ozzy früher einen Scheiß drum geschert! - sorgte für das familienfreundlich "Scream". Der Song Soul Sucker gefällt mir wieder recht gut, mit seinem schleppenden Groove und seiner schwermetalligen Atmosphäre. Selbst Ozzy versteht man ab und zu.

Mit akustischen Klängen wird Life Won't Wait eingeleitet und über weite Strecken transportiert. Soll mal keiner sagen, Ozzy Osbourne wäre nicht mehr in der Lage eingängige, balladeske Songs zu schreiben. Zwischendurch muss er natürlich immer wieder seinen wilden Jungspund von der Leine lassen, damit der sich äußerst derb austoben kann. Tja, schwer so einen jungen Kerl unter Kontrolle zu halten. Das wäre vielleicht sogar mit Zakk einfacher gewesen. Tja, der Song bleibt so ein bisschen ein Zwitter, der niemand richtig zufrieden stellen kann.
Wie zur Wiedergutmachung dient sich Gus bei Diggin' Me Down wieder Akustisch an, bevor er in einen absolut typischen Ozzy-Groove und -Sound übergeht, den er mit Sicherheit bei Herrn Wylde geklaut hat. Was ja in dem Fall nicht der schlechteste Schachzug ist. Gefällt mir mit am Besten auf diesem Album. Und die Zeile "how will I know you, Mr. Jesus Christ? Have been here once or twice?" ist natürlich ein "echter Ozzy".
Da passt natürlich Crucify dahinter, wie die Faust aufs Auge. Allerdings pendelt auch das zwischen etwas simpler Strophe und einem - allerdings sehr wuchtigen und beeindruckenden Instrumentalbreak. Kommt schon geil.
Ab und an beschleicht mich das Gefühl, ob diese Band nicht einen besseren Sänger verdient hätte....
Den Anfang von Fearless könnte genauso gut in einen BON JOVI-Song münden, wie in Crazy Train. Aber "keine Angst", der Song ist schon eigenständig, läuft allerdings auch nicht richtig rund und hat aus einer gesunden Härte nichts wirklich Besonderes zu bieten. "I'd rather die on my feet, than live on my knees" ist die Botschaft des Songs. Na, hoffentlich machen es die Knie noch 'ne Weile mit, Herr Osbourne.
Ja, ja, keine Sorge, auf die radiofreundliche Ballade muss nicht verzichtet werden. Mit Time liefert Ozzy auch die entsprechende Nummer. Kommt nicht schlecht, nur übertreibt es Gus G. wieder mit seiner Fingerfertigkeit und Ozzys Charisma war auch schon mal größer. Oder die Songs doch besser.

I Want It More bringt immerhin einen wieselflinken Speed-Rhytmus-Riff von Gus zum Vorschein, aber immer wenn man sich mal auf etwas eingestellt und darüber gefreut hat, schlagen die Herren einen unliebsamen Haken. Schade, denn die Nummer erinnert mich weitgehend an meine liebste SKID ROW-Scheibe "Slave To The Grind".
Latimers Mercy poldert mit wieder zu unspektakulär vorbei. Da fehlt's mir einfach an Dynamik.
Das letzte Stück - "Song" wäre übertrieben - plätschert BEATLEesque dahin und bringt es in wenigen Sekunden auf den Punkt:
"We all must stand together now / or one by one we fall / for all these years you've stood by me / god bless / I love you all"
Wenn das mal nicht ein paar passende Abschiedsworte sind. Mach's gut, Ozzy.

Epi Schmidt, 13.07.2010

 

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