Paul Gilbert

"Gitarre über alles!"

( English translation by Google Translation by Google )

Interview

Reviewdatum: 01.03.2002

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Redakteur(e):

Martin Schneider


Paul Gilbert
"Gitarre ?ber alles!", Interview

PAUL GILBERT- ich wei? nicht, ob der Name jedem gel?ufig ist, aber eigentlich sollte er das sein. Immerhin sprechen wir von einem der herausragenden Gitarristen der letzten knapp zwanzig Jahre. Mit Bands wie BLACK SHEEP, RACER X, MR. BIG, aber auch als Solok?nstler und neuerdings in Zusammenarbeit mit seinem Onkel JIMI KIDD schenkte uns Paul eine gro?e Anzahl bemerkenswerter Songs unterschiedlichster musikalischer Couleur. Ja, Songs - und das unterscheidet Paul Gilbert von vielen Griffbrettakrobaten, die ihre unbestrittenen F?higkeiten dazu missbrauchten uns mit egomanischen Finger?bungen zu langweilen.
Momentan ist das neue RACER X-Album "Snowball of doom" bei mir im Dauereinsatz und so war ich sofort Feuer und Flamme als Yvo Tap von Mascot Records uns ein E-Mail-Interview mit Paul vorschlug.

Hooked on Music: Du hast ein neues Live-Album mit RACER X ver?ffentlicht, mit deinem Onkel JIMI KIDD ein Album aufgenommen und f?r dieses Jahr ist auch noch ein neues Soloalbum von dir angek?ndigt worden. Bist du ein 'Workaholic'? Findest du eigentlich jemals Zeit und Muse dich zur?ckzulehnen und zu entspannen?

Paul Gilbert: In letzter Zeit hab ich mich nicht viel ausgeruht. Von Zeit zu Zeit werde ich krank und muss ein, zwei Tag k?rzer treten. Ich denke, wenn mein K?rper es von mir verlangt, dann lege ich eine Pause ein. Ich liebe es wirklich Platten aufzunehmen. Das sind meine 'Kinder'.

HOM: Soweit ich informiert bin, habt ihr "Snowball of doom" beim ersten RACER X-Konzert seit 14 Jahren aufgenommen. Habt ihr davor wirklich keine einzige Aufw?rmshow gespielt?

Paul: Wir haben etwas geprobt, aber keine spezielle Aufw?rmkonzerte gespielt. Bei meinem "Beehive live" habe ich es damals genauso gemacht. Dadurch wird so etwas auf jeden Fall zu einem Abenteuer.
Bei dem RACER X-Konzert spielten wir mehrere Sets an einem Abend um sicher zu gehen, dass wir gro?artige Aufnahmen hatten. Wir spielten so um die drei Stunden.

HOM: Gibt es dann irgendwann ein "Snowball of doom Volume 2"?

Paul: Viele der zus?tzlichen Songs sind auf der DVD und dem Video. Ich hoffe, dass sie bald in Europa erscheinen.

HOM: Die Show stieg ja im legend?ren 'Whiskey'. Hat der Club heute noch die selbe Bedeutung wie in den Siebzigern und Achtzigern?

Paul: Das 'Whiskey' ist immer noch sehr cool. Ich hab vor einigen Jahren dort die MARVELOUS 3 gesehen und die waren gro?artig.

HOM: Eins der RACER X-Markenzeichen waren deine Gitarrenduelle mit BRUCE BOILLET. In der aktuellen Besetzung ist kein zweiter Gitarrist. Gab es ?berlegungen wieder einen zweiten Mann hinzuzuziehen und wenn du die freie Auswahl h?ttest: Wen w?rdest du am Liebsten nehmen?

Paul: Nur Bruce! Meine urspr?nglichen Pl?ne mit RACER X waren auf einen Gitarristen ausgerichtet. Als ich Bruce kennen lernte, stimmte die Chemie zwischen uns einfach, menschlich und k?nstlerisch, so dass ich ihn bat mitzumachen. Ich bin immer noch stolz auf das was wir gemeinsam gemacht haben und wir sind immer noch dicke Freunde. Bruce nahm "King of clubs" mit mir auf und spielte bemerkenswert Gitarre mit mir zusammen bei der 20-min?tigen Jam am Ende der CD. Er hat auch bei allen St?cken auf "Flying dog" mitgespielt und "Superheroes" abgemischt. Wir haben also immer noch viel gemeinsam gemacht. Er w?re mir bei RACER X jederzeit wieder willkommen, aber ich glaube er hat im Moment andere Pl?ne.

HOM: Verwendet ihr diese verr?ckten Plastikkrieger-Kost?me bei RACER X auch auf der B?hne?

Paul: F?r den Auftritt im 'Whiskey' waren sie nicht rechtzeitig fertig, aber wir trugen sie auf unserer letzten Tour in Japan und Taiwan. Es war gro?artig. Ich liebe es mich in 'The electric bat' zu verwandeln.

HOM: Welche Idee steht hinter diesen Kost?men?

Paul: Die erste Idee, die ich f?r die "Superheroes-CD" hatte war der Titel. Ich hatte dann zwar immer noch keine musikalischen Einf?lle, aber mir gefiel der Gedanke uns verr?ckt anzuziehen.

HOM: F?rchtest du nicht, dass einige Leute RACER X mit diesem lustigen Outfit nicht mehr als ernstzunehmende Rockband einstufen k?nnten?

Paul: Ich glaube, die Leute verstehen unseren Sinn f?r Humor. Ich liebe Heavy Metal, aber einiges davon ist spa?ig. Es ist sehr schwer das Image, die Texte und den Lebensstil des Heavy Metal vollkommen ernst zu nehmen, zumindest seit dem Film 'Spinal Tap'. Trotzdem, die Musik werde ich immer lieben.

HOM: Viele eingefleischte Bluesfans kennen dich nur als Heavy Metal Gitarristen und vertreten die Ansicht, dass 'einer wie Paul Gilbert weder den Blues spielen noch glaubw?rdig verk?rpern kann'. Glaubst Du kannst sie mit "Raw Blues power" eines Besseren belehren?

Paul: "Raw Blues power" ist kein traditioneller Blues. Es ist h?rter, rockt und meine Einfl?sse darauf sind Leute wie PAT TRAVERS, ROBIN TROWER, JOHNNY WINTER und FRANK MARINO.
(Anm. des Verfassers - also wenn unser Fredchen das liest und nicht sofort wegen eines Besprechungsexemplars beim Yvo auf der Matte steht, dann wei? ich auch nicht.)
(Anm. des Fredchens: ER steht schon!)

Ich glaube die Bluesfans werden m?gen, dass alles live aufgenommen wurde und Jimi und ich einige abenteuerliche Dinge anstellen und dabei die musikalische Sprache des Blues verwenden. Ich finde auch die Rhythmsection ist wirklich gut.
Blues ist mehr als nur Gitarre zu spielen und ich bin wirklich gl?cklich mit dem Sound der kompletten Band.

HOM: Kannst du uns noch etwas ?ber das geplante Soloalbum sagen?

Paul: Ich habe zu viele Ideen. Momentan schreibe ich an den Songs und versuche immer noch herauszubekommen welcher Stil f?r mich der Spannendste ist. Eins ist klar, es wird eine Menge abgefahrener Gitarrenpassagen enthalten. Die m?ssen auf jedem meiner Alben sein.

HOM: Du hast Heavy Metal gespielt, Rock und Blues... Hast du jemals mit dem Gedanken gespielt ein komplettes Album mit einem Orchester aufzunehmen und etwas klassisch inspiriertes wie beispielsweise MICHAEL SCHENKER oder YNGWIE J. MALMSTEEN zu machen?
Oder kannst du dir vorstellen wie CHRIS POLLAND auf seiner letzten CD in die Jazz-Richtung zu gehen?

Paul: Ich mag nicht mit einem Orchester zusammen spielen. Daf?r mag ich ein Schlagzeug viel zu sehr. Wenn ich so eine Orchester-Geschichte machen w?rde, dann w?rde ich sie mehr in der Art der BEATLES als Strukturierung in einem Song einsetzen, also nicht so eine virtuose Geschichte.
Genauso, ich bin wirklich nicht gut was Jazz angeht. Ich hab das zwar auch schon ein bisschen gespielt, aber es klang bei mir immer nach einem Rockgitarristen. Ich glaube, es gibt andere Stile, die ich noch erschlie?en werde, aber die muss ich erst noch erfinden.

HOM: Welches deiner Projekte genie?t bei dir h?chste Priorit?t?

Paul: Ich stecke immer meine gesamte Energie in alles was ich tue. Gerade beginne ich eine weitere Solo-CD aufzunehmen, also hat das Priorit?t. Danach mache ich vermutlich eine weitere RACER X-Scheibe und dann wird das wieder Vorrang haben.

HOM: Hast du Pl?ne in Europa aufzutreten?

Paul: Auf keinen Fall bevor diese Platte fertig und sichergestellt ist, dass sie wenigstens 11.000 Noten enth?lt.

HOM: 1985 hast du mit BLACK SHEEP deine erste Scheibe "Trouble in the streets" ver?ffentlicht. Was h?ltst du heute von der Scheibe?

Paul: Wow! An das Teil erinnerst du dich! Zu der Zeit war ich dabei RACER X aufzubauen und ich stieg bei BLACK SHEEP ein, weil ich ihren Drummer f?r RACER X wollte. Wir nahmen ein Demo auf und am Ende ver?ffentlichten sie es als Album.
Ich habe tats?chlich nur auf der H?lfte der Platte gespielt. Leider ist mein Gitarrensound darauf wirklich schlecht. Das war mein Fehler. Ich bestand darauf, dass sie keine Mikrophone verwendeten und direkt den Ausgang meines Verst?rkers anzapften. Meine Gitarre klingt deswegen wie ein kleines summendes Insekt.
Nochmal, es war eine saudumme Idee von mir und es tut mir leid. Mir gef?llt immer noch der Gedanke, dass "Street lethal" von RACER-X mein erstes richtiges Album war.

HOM: Die sp?ten Achtziger waren die gro?e Zeit der sogenannten Gitarrenhelden. Mike Varney pr?sentierte fast jede Woche einen Neuen. Was war der gravierende Unterschied zwischen diesen Typen und dir mit RACER-X? War es einfach die Tatsache, dass RACER-X eine echte Band waren und nicht nur ein Gitarrist mit ein paar Begleitmusikern?

Paul: RACER X sollten immer eine Band sein. Und wir waren eine! Es ist wirklich l?ssig, diese ganzen Erinnerungen wie wir uns mit der Band in der L.A.-Szene durchschlugen zu haben, und wir hatten eine verdammt gute Zeit.

HOM: Was lief damals schief mit RACER X? Die richtige Band zur falschen Zeit am falschen Ort? Warum habt ihr es nie aus dem Underground heraus geschafft?

Paul: Die Plattenfirmen haben uns nie richtig verstanden. Wir hatten keine Pophits. Wir waren durchgeknallte Metal-Kids.
Es war frustrierend, lokal so enormen Erfolg zu haben, aber wir sa?en in L.A. einfach fest. So war ich nat?rlich brennend interessiert als BILLY SHEEHAN mich wegen einer Bandgr?ndung kontaktete.

HOM: Womit wir ganz elegant den Schwenk zu MR. BIG geschafft haben.
Wer kam eigentlich auf die Idee mit den Bohrmaschinen bei Daddy, brother, lover, little boy?

Paul: Um genau zu sein hab ich schon bei RACER X eine Bohrmaschine benutzt, bevor wir es bei MR. BIG auch machten. Aber bei MR. BIG verwendeten Billy und ich gleichzeitig Bohrmaschinen. Das war Comedy pur!

HOM: To be with you war der gr??te Hit der Bandgeschichte, gab euch aber auch das Image einer Balladenband.
Man hatte den Eindruck, dass ihr mit der zugegebenerma?en gelungenen CAT STEVENS Coverversion Wild world zwanghaft einen Nachfolger pr?sentieren musstet.
W?re es grunds?tzlich nicht besser gewesen ein paar Alben weniger abzusetzen und sich daf?r die k?nstlerische Freiheit zu bewahren.

Paul: Ich mochte To be with you wirklich. Ich h?rte Erics Demoversion davon und bat ihn mir eine Kopie f?r mich privat zu machen, weil ich die Nummer einfach gerne h?rte. Ich machte einige Tapes von unseren Proberaumaufnahmen f?r alle m?glichen Leute und beschloss To be with you einfach am Ende mit dran zu h?ngen, um die Band zu ?berraschen. Am n?chsten Tag fragte jeder: Was war denn das f?r ein Song? Der ist gro?artig!

Wenn uns irgendetwas unserer k?nstlerischen Freiheit beraubte, dann war es nicht eine Hitballade, sondern die Bandsituation wurde etwas angespannt und die Kommunikation untereinander wurde immer problematischer.

HOM: Siehst du die M?glichkeit einer MR. BIG-Reunion?

Paul: Wenn es nach mir geht, dann eher 'nein'. Gl?cklicherweise gibt es ja Tonnen an Live-CDs und Videos von MR. BIG, so dass jeder der m?chte immer noch in der Lage ist die Band auf ihrem H?hepunkt zu erleben.

HOM: Vermisst du die gro?en Hallen und Stadien, die Massen von Fans, die ihr mit MR. BIG vor allem in Japan hattet?

Paul: Es war alles ein bisschen unwirklich. Nat?rlich, der Erfolg war enorm und er hielt die Band f?r eine l?ngere Zeit am Leben als wir es ohne ihn durchgezogen h?tten.
Das Wichtigste f?r mich ist aber, dass ich die Musik die ich liebe mit Leuten mit denen es leicht ist auszukommen spielen kann. Bei MR. BIG gab es einige starke Pers?nlichkeiten und es war nicht immer ganz einfach...

HOM: Themenwechsel. Ist der 'fliegende' Hund auf dem "Flying dog"-Cover eigentlich dein eigener?

Paul: Ja, das ist Vinnie. Leider ist er mittlerweile gestorben und ich vermisse ihn sehr. Er war ein bemerkenswerter Hund.

HOM: Welches der ganzen Gitarrensoli die du mittlerweile aufgenommen hast gef?llt dir am Besten?

Paul: Ich kann mich an gar nicht alle erinnern. Die ersten, die mir so spontan einfallen sind Nothing but love von MR. BIG, B.R.O. von RACER X und Kate is the star vom "Flying dog"-Album.
Into the night vom aller ersten RACER X-Album ist auch ziemlich cool.

HOM: Gibst Du immer noch Unterricht am G.I.T.?

Paul: Ich habe dort von 1986 bis 1989 an drei Tagen in der Woche unterrichtet. Dann hab ich mich MR. BIG angeschlossen und war zu besch?ftigt um all zu oft dort zu sein. Trotzdem schaue ich dort oft vorbei bevor ich ein neues Lehrvideo aufnehme. Ich mag es f?r einige Wochen zu unterrichten, einfach um wieder ein Gesp?r daf?r zu bekommen.

HOM: Wenn du freie Auswahl h?ttest und die absolute Rockband zusammenstellen k?nntest, wer w?re wohl im Line-Up?

Paul: Es ist schwer die BEATLES zu ?bertreffen, oder? Die sind immer noch meine absoluten Lieblinge.
VAN HALEN in Originalbesetzung waren auch erstaunlich. Was mir wirklich Spa? machen w?rde w?ren AC/DC mit BON SCOTT und mir am Schlagzeug. Ihr Schlagzeuger ist besser wie ich, aber ich h?tte sicher riesigen Spa?. Bis es dazu kommt spiele ich weiter Gitarre.

Besonderer Dank an Yvo Tap von MASCOT Records, der uns dieses Interview erm?glichte und nat?rlich Paul Gilbert f?r die ausf?hrliche Beantwortung der Fragen.

Martin Schneider, M?rz 2002

 

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