Phil Collins

Face Value (Deluxe Edition) - Both Sides (Deluxe Edition)

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 17.01.2016
Jahr: 2016
Stil: Pop

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Redakteur(e):

Marc Langels


Phil Collins
Face Value (Deluxe Edition) - Both Sides (Deluxe Edition), Warner Music, 2016
Phil Collins ("Face Value")Gesang, Drum Machine, Schlagzeug, Prophet-5, Rhodes E-Piano, Vocoder
Daryl Stuermer ("Face Value")Gitarre, Banjo
John Giblin ("Face Value")Bass
Eric Clapton ("Face Value")Gitarre
Don Myrick ("Face Value")Saxofon
Ronnie Scott ("Face Value")Saxofon
Joe Partridge ("Face Value")Gitarre
Louis Satterfield ("Face Value")Posaune
Alphonso Johnson ("Face Value")Bass
Rahmlee Michael Davis ("Face Value")Trompete, Flügelhorn
Michael Harris ("Face Value")Trompete
L. Shankar ("Face Value")Geige, Tambura, Stimm-Perkussion
Phil Collins ("Both Sides")Alle Instrumente (Studio)
Leland Sklar ("Both Sides")Bass (Live)
Daryl Stuermer ("Both Sides")Gitarre (Live)
Brad Cole ("Both Sides")Keyboards (Live)
Ricky Lawson ("Both Sides")Schlagzeug (Live)
Produziert von: Phil Collins & Hugh Padgham (Face Value), Phil Collins (Both Sides) Länge: 236 Min 47 Sek Medium: CD
Face Value (Disc 1)Face Value (Disc 2)
01. In The Air Tonight01. Misunderstanding (Live)
02. This Must Be Love02. If Leaving Me Is Easy (Live)
03. Behind The Lines03. In The Air Tonight (Live)
04. The Roof Is Leaking04. Behind The Lines (Live)
05. Droned05. The Roof Is Leaking (Demo)
06. Hand In Hand06. Hand In Hand (Live)
07. I Missed Again07. I Missed Again (Live)
08. You Know What I Mean08. ...And So To F (Live)
09. Thunder And Lightning09. This Must Be Love (Demo)
10. I'm Not Moving10. Please Don't Ask (Demo)
11. If Leaving Me Is Easy11. Misunderstanding (Demo)
12. Tomorrow Never Knows12. Agains All Odds (Demo)
Both Sides (Disc 1)Both Sides (Disc 2)
01. Both Sides Of The Story01. Take Me With You
02. Can't Turn Back The Years02. Both Sides Of The Story (Live)
03. Everyday03. Can't Turn Back The Years (Live)
04. I've Forgotten Everything04. Survivors (Live)
05. We're Sons Of Our Fathers05. Everyday (Live)
06. Can't Find My Way06. We Wait And We Wonder (Live)
07. Survivors07. Can't Find My Way (Demo)
08. We Fly So Close08. I've Been Trying
09. There's A Place For Us09. Both Sides Of The Story (Unplugged)
10. We Wait And We Wonder10. Hero (Demo)
11. Please Come Out Tonight

Der Engländer Phil Collins gehört zu den erfolgreichsten Künstlern der Pop-Geschichte. Insgesamt sage und schreibe 250 Millionen – nur um das noch einmal zu verdeutlichen: 250.000.000 – Alben hat der Mann im Laufe seiner mittlerweile 45 Jahre andauernden Karriere verkauft und dabei manchen Pop- und Rock-Klassiker geschaffen, der die Zeiten überdauern wird. Damit belegt er momentan Platz 22 der Billboard All-Time Top Artists. Natürlich ist er für viele Fans auch der Grund, warum sich GENESIS mit ihm als Sänger und Haupt-Songwriter vom Progressive Rock- zu einer Pop-Band entwickelten – was ihm nicht immer nur Gegenliebe einbrachte.

Aber bevor er dazu überging, seine eingängige Seite als Songwriter auch bei seiner Haupt-Band umzusetzen, nutzte er sie als Plattform, um darauf eine ganz eigenständige Karriere als Künstler unter seinem eigenen Namen aufzubauen. Aus Anlass des 35. Jubiläums als Solo-Künstler werden nun die Solo-Werke von Collins neu abgemischt und mit zahlreichen raren Songs aus der jeweiligen Entstehungs-Phase aufgewertet – wie etwa Demos und Live-Aufnahmen - und zudem mit neuem Cover-Artwork versehen wieder aufgelegt. In der ersten Runde dieser Neu-Auflage stehen die beiden Alben “Face Value“ und “Both Sides“.

Den Auftakt macht – irgendwie logisch – das Debüt, “Face Value“. Das Album wird in der Betrachtung natürlich zumeist dominiert von einem einzigen Song: In The Air Tonight, der Collins auch seinen ersten Solo-Hit mit weltweit hohen Chart-Positionen. Diesen Song dürfte nun wirklich fast jeder Musik-Interessierte bereits kennen. Die anderen Lieder sind hingegen eher unbekannt, obwohl I Missed Again und If Leaving Me Is Easy auch noch recht vorzeigbare Erfolge in einigen Ländern erzielen konnten. Die meisten Songs des Albums sind dabei stark vom Motown-Sound beeinflusst, was durch die immer wieder eingesetzte Bläser-Sektion noch zusätzlich unterstrichen wird. Dafür konnte Collins niemand geringeres als die Musiker von EARTH, WIND & FIRE und als Arrangeur „Tom Tom“ Washington gewinnen.

Zudem sind die Lieder weit von dem entfernt, wofür Collins später von vielen Musikfans gerne zum Lieblingsfeind erklärt wurde, eine gewisse Seichtheit und fast schon Beliebigkeit (mehr dazu später). “Face Value“ lässt sich da fast eher mit einem Album wie “Off The Wall“ von Michael Jackson vergleichen, das nur wenige Jahre zuvor – um präzise zu sein 1979 – veröffentlicht wurde. Eine gewisse Fragilität lässt sich manch einem Song nicht absprechen, aber das liegt auch daran, dass Collins erste Ehe zu der Zeit „in die Brüche ging“ und er diese Erfahrung in einigen der Lieder „aufarbeitete“.

Durch das Remastering dieser “Deluxe Edition“ gewinnen die Songs noch einmal an Strahlkraft. Aber was diese Version im Vergleich zu den Vorgängern insbesondere aufwertet, das sind die Bonus-Stücke. Bei “Face Value“ sind dies sieben Live-Versionen von Stücken des Albums, die aber insbesondere im Falle von If Leaving Me Is Easy auf der Bühne fast noch intimer und gefühlvoller wirken als in der Studio-Variante. Ebenfalls ein Genuss ist die Live-Variante von In The Air Tonight, die im berühmten Schlagzeug-Teil und mit der deutlicher hörbareren und dem etwas stärker verzerrten Gitarre-Sound geradezu zu explodieren scheint. Kein Wunder, dass die Publikumsreaktionen hier besonders stark ausfallen. Mein persönlicher Favorit ist aber …And So To F, bei dem die Band mal recht jazz-rockig zur Sache geht mit einem fast fiebringen Drive, der in einem sehr schönen Kontrast zu den anderen Kompositionen steht.

Des Weiteren enthält die zweite CD noch fünf Demo-Stücke aus dem Archiv von Collins, darunter auch das sensationelle The Roof Is Leaking, bei dem Collins von Eric Clapton begleitet wird. Mit Please Don’t Ask und Misunderstanding sind hier auch zwei Lieder enthalten, die als Solo-Kompositionen begannen, aber Mike Rutherford und Peter Banks so gut gefielen, dass sie für das nächste GENESIS-Album “Duke“ aufgenommen worden. Beendet wird die zweite CD mit einer instrumentalen Demo-Version von Against All Odds, das zwar zur gleichen Zeit wie die “Face Value“-Lieder entstand, aber das Collins für nicht gut genug befand, um es mit auf das Album zu nehmen. Nun, die Geschichte bewertete das offensichtlich ganz anders und der Song bescherte Collins als Soundtrack-Beitrag für den gleichnamigen Film nicht nur seinen ersten Nummer-Eins-Hit sondern auch gleich noch eine Oscar-Nominierung.

Der zweite Beitrag in dieser Wiederveröffentlichungs-Reihe bildet etwas überraschend nicht das zweite Solo-Werk, “Hello, I Must Be Going“, sondern vielmehr das 1993er Album “Both Sides“, das vielleicht persönlichste Album seiner Solo-Karriere (so dass denn überhaupt möglich ist, weil Collins immer seine privaten Gefühle und Probleme in den Texten seiner Alben thematisierte). Mit insgesamt mehr als zehn Millionen verkauften Einheiten ist es zudem eines seiner erfolgreichsten – und das ganz ohne einen überragenden Hit wie etwa In The Air Tonight, Sussudio, One More Night, Another Day In Paradise oderI Wish It Would Rain Down. Und dennoch bezeichnet Collins selbst das Werk in den Liner Notes als sein Lieblings-Album.

Die Gründe dafür dürften sicherlich zweierlei sein: zum einen hat Collins das komplette Album ganz alleine eingespielt – eine Leistung, auf die er zu Recht stolz sein kann. Auf der anderen Seite ist es ein sehr persönliches Album (und das wo doch auf fast allen seiner Solo-Werke sehr persönliche Texte enthalten sind), auf dem Collins wie gewohnt über persönliche Probleme und seine Gefühle singt. Die Musik ist dabei sehr ruhig ausgefallen, zum Beispiel fällt das Schlagzeug sowohl was das Spiel als auch den Sound sehr zurückhaltend aus. Eher ungewöhnlich für einen gelernten Drummer. Eigentlich legt der Mann auf dem Schalgzeug-Stuhl erst bei We Wait And We Wonder richtig los – dem vorletzten Song des regulären Albums. Für mich ist das ein wenig zu spät, um etwas Abwechslung und Leben in die Kompositionen zu bringen.

Die Bonus-CD startet mit dem Song Take Me With You, der nach Aussage von Collins eigentlich auf dem Original-Album hätte enthalten sein sollen. Ein weiteres wohltemperiertes Stück, wie es aber schon zahlreiche auf der CD gibt. Von daher kann ich mich dieser Meinung nicht wirklich anschließen, zumal der Meister selber dafür sogar am liebsten We Wait And We Wonder geopfert hätte, einen der wenigen Tracks, der etwas ausbricht. Nun ja, packen wir es unter Geschmackssache. Dafür bieten die fünf Live-Versionen der Tracks Both Sides Of The Story, Can’t Turn Back The Years, Survivors, Everyday und We Wait And We Wonder profitieren zumeist von der „richtigen“ Band-Besetzung, die da auf der Bühne steht und etwas mehr Zug in die Kompositionen bringt. Natürlich bleiben sie dem Grundgedanken und Grundgerüst des Songs treu, aber dieses kleine bisschen mehr an Drive und verschiedene Stimmfärbungen im Gesang, die tun den Liedern schon ganz gut.

Abgerundet wird das Bonus-Paket durch eine so genannte Unplugged-Version von Both Sides Of The Story, wobei mir die Orgel im Hintergrund doch ziemlich elektrifiziert klingt und der Applaus am Ende des Stücks zudem eine Live-Aufnahme nahelegt. Aber in dieser Variante und mit dem Piano als tragendem Instrument erinnert das Stück dann doch schon recht stark an Billy Joel. Des Weiteren gibt es zwei Demos, von Can’t Find My Way und dem Track Hero, für den Collins die Musik für den Text von David Crosby geschrieben hatte. Mit I’ve Been Trying nahm Collins zudem noch ein Stück eines seiner frühen musikalischen Helden, Curtis Mayfield, für ein Tribut-Album auf. Dabei handelt es sich um eine sanfte Soul-Nummer, die prima zu Collins Stimme passt und die aus meiner Sicht das Highlight der Bonus-CD ist.

Beide Deluxe-Editionen bieten dem Hörer wahrlich genügend Anreize für den Kauf (oder aber auch den erneuten Kauf) der Scheiben. Das Debüt stellt erneut unter Beweis, dass es viel mehr zu bieten hat, als nur den Über-Hit In The Air Tonight und zeigt einen Künstler, der musikalisch sehr offen aufgestellt ist und sich noch abseits seiner Haupt-Band nach Ausdrucksformen sucht. “Both Sides“ hingegen entsteht auf dem Höhepunkt seiner internationalen Popularität und unterstreicht sein Faible für ruhige Kompositionen, die viel von seinem Innenleben in den Texten transportieren. Die beiden Cover der Deluxe Editionen entbehren dabei nicht eines gewissen Humors, hat sich Collins doch genau in den Posen erneut ablichten lassen, die schon das Original-Artwork zierte, nur eben mit dem Abstand von knapp 35 beziehungsweise 23 Jahren. Eine schöne Idee, die diese beiden Päckchen optisch „veredelt“.

Marc Langels, 17.01.2016

 

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