The Trassels

Garage 13

Potsdam, Waldschloß, 12.05.2005


Konzertbericht

Reviewdatum: 12.05.2005

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Redakteur(e):

Ralf Stierlen

Peter Tenzler


Potsdam, Waldschloss, 12.05.2005

Irgendwie ist das Waldschloss in Potsdam (am Waldrand in der Nähe des bekannten Lindenparks gelegen) etwas ungünstig eingerichtet. Wenn man reinkommt landet man nämlich sofort in dem äußerst geräumigen Kneipenbereich, während die Konzertbühne von diesem Bereich uneinsehbar hinter zwei Türen (zudem ohne ausdrücklichen Hinweis) verborgen ist.
Gut, man kann sagen, speziell an einem Abend wie dem heutigen, mit zwei finnischen Rabaukencombos wie GARAGE 13 und THE TRASSELS: man muss sowieso nur dem Lärm nach. Aber in Konsequenz bleiben eben viele auch während dem Konzert in der Kneipe sitzen, man hört ja alles, wenn man auch nichts sieht und zu trinken gibt es im Bühnenumfeld auch nichts.

OFF-KEY Folglich kommen sich die zunächst auf der Bühne stehenden OFF-KEY vor wie bei einer öffentlichen Probe. Die wahrscheinlichen Lokalmatadoren (sie supporteten auch TODD im Waldschloss, wie man den noch hängenden Plakaten entnehmen kann), liefern dann auch einen entsprechenden Gig ab: Der Sänger liest die Songs vom Blatt ab und irgendwie bleibt das Gebräu aus Emocore, Crossover und ein bisschen Metal halbgar und unfertig. Nach zwanzig Minuten ist denn auch schon alles vorbei.

Garage 13 Nur äußerst wenige Leute schleppen sich vor die Bühne als dann die ersten Finnenrocker, sprich GARAGE 13, die Instrumente einstöpseln. Die Jungs um Sänger Marc Petrol legen gleich mächtig los mit Down und In The Streets von ihrem letzten Release "Ride Of The Rides".Tougher Kick-Ass-Rock im Stile der frühen HELLACOPTERS, GLUECIFER, CELLOPHANE SUCKERS oder PSYCHOPUNCH. Sehr bodenständig, mit einem gewissen Glam-Punkfeeling, aber auch immer wieder gezielten Gitarrenausflügen als zusätzlicher Kick.

Garage 13 Von der älteren Seven-Inch-Veröffentlichung "Tonight" gibt es dann Soon To Be Gone, kurzum, man hangelt sich durch das komplette Repertoire der noch kurzen Bandgeschichte (GARAGE 13 gibt es zwar bereits seit 1998, die Liste der Veröffentlichungen ist aber durchaus überschaubar). Höhepunkte sind für mich die knalligen Make It Right und Disco City, bei denen die Band richtig gut abledert.
Die vier Finnen haben ihre Qualitäten eindeutig im Livespielen und Ärschetreten und hätten ein zahlreicheres Publikum verdient gehabt. GARAGE 13 ist sicherlich ein guter Tipp als Anheizer für die bevorstehende Freiluftfestivalsaison.

The Trassels Und da, wie beschrieben, Getränke nur im hinter den beiden Türen liegenden Kneipenbereich erhältlich sind, leerte es sich nach dem Auftritt von GARAGE 13 so fix, dass wir schon darauf spekulierten, von den TRASSELS ein Privatkonzert geboten zu bekommen. Eine ziemliche Weil waren außer der den Sound checkenden Band samt Mann am Mischpult nur Peter und ich im Konzertsaal des Waldschlosses. Das stelle ich mir irgendwie nicht so sonderlich motivierend für eine Band vor.
Letztendlich nahm man es sportlich, so ganz allmählich tröpfelten noch ein paar wenige Leute rein (zum Glück gab es ja auch noch GARAGE 13, die natürlich auch zuhörten), so dass dann dem Auftritt von THE TRASSELS nichts mehr im Wege stand.

The Trassels Deren Rotzrock-Variante orientiert sich eher an den FLAMING SIDEBURNS oder SEWERGROOVES, also deutlich mehr Rock'n'Roll-Erdung durch die beiden Gitarristen Esse und Kapa, Drummer Korkke, Bassist Jaani und Leadsänger Sweet Jane. Da auch die TRASSELS einen Release zu feiern hatten, nämlich ihr Debütalbum "Catch'n'Release", wurde dies ausgiebig vorgestellt. Bei den Songs Shake It, Holy Heat, Dog Eat Dog World, Out Of My Mind oder Downtown kann man sich ja schon anhand der Titel vorstellen, wie das klingt: rhythmusbetonter, rifforientierter Abgehrollrock.

The Trassels Zum Abschluss gab es noch den Whangbang Jamboree von einer der zahlreichen Split-EPs.
Alles in allem war mir bei den TRASSELS aber zu viel Gepose, zu wenig Abwechslung, es klang doch alles ziemlich ähnlich und zu wenig Feuer aus der Gitarrenfraktion. Vielleicht war es auch die nicht mehr vorhandene Stimmung (woher auch?), jedenfalls hatten GARAGE 13 deutlich mehr Laune gemacht.
Hoffentlich können sich beim nächsten Mal mehr Leute entschliessen, nicht nur ins Waldschloss in Potsdam zu gehen, sondern dort auch den Musikern zuzuhören, sonst sehe ich für die Zukunft als Konzertlocation schwarz.

Ralf Stierlen, 25.05.2005

 

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