Pretenders

Pretenders/Pretenders II


CD-Review

Reviewdatum: 01.01.2000
Jahr: 2006

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Pretenders
Pretenders & Pretenders II, Rhino Records, 2006 (1980 & 1981)
Besetzung (Auszug):
Chrissie Hynde Lead Vocals, Guitars
James Honeyman Scott Guitars
Pete Farndon Bass, Vocals
Martin Chambers Drums, Vocals
Produziert von: Chris Thomas Länge: ca. 224 Min Medium: CD
"Pretenders" (1980) - CD 1:
1. Precious7. Stop Your Sobbing
2. The Phone Call8. Kid
3. Up The Neck9. Private Life
4. Tattoed Love Boys10. Brass In Pocket
5. Space Invader11. Lovers Of Today
6. The Wait12. Mystery Achievement
CD 2:
1. Cuban Slide 9. Stop Your Sobbing
2. Porcelain10. Tequila
3. The Phone Call 11. Nervous But Shy
4. The Wait12. I Need Somebody
5. I Can't Control Myself13. Mystery Achievement
6. Swinging London14. Precious
7. Brass In Pocket15. Tattoed Love Boys
8. Kid16. Sabre Dance
"Pretenders II" (1981) - CD 1:
1. The Adultress7. Pack It Up
2. Bad Boys Get Spanked8. Waste Not Want Not
3. Message Of Love9. Day After Day
4. I Go To Sleep10. Jealous Dogs
5. Birds Of Paradise11. The English Roses
6. Talk Of The Town12. Louie Louie
CD 2:
1. The Wait10. Stop Your Sobbing
2. The Adultress11. Private Life
3. Message Of Love12. Kid
4. Louie Louie13. Day After Day
5. Talk Of The Town14. Brass In Pocket
6. Birds Of Paradise15. Higher And Higher
7. The English Roses16. Talk Of The Town
8. Up The Neck17. I Go To Sleep
9. Bad Boys Get Spanked18. Pack It Up

Ruhig ist es geworden um Chrissie Hynde und ihre PRETENDERS. Bei ihrem letzten Release, "Loose Screw", schienen die Herrschaften doch schon recht ausgeblutet zu sein, da scheint es nun umso verständlicher, dass die Verantwortlichen bei Rhino den Backkatalog erneut bemühen. Im Frühling erschien ja bereits die 4-CD-Box "Pirate Radio", nun folgen die beiden Glanzstücke der PRETENDERS-Karriere, das selbstbetitelte Debut von 1980 und dessen Nachfolger "Pretenders II", als remastered und expanded Versions.
Dass es sich hier noch um die Urbesetzung dieser Combo handelt, dürfte jedem klar sein, denn seit 1982 wurden die PRETENDERS zunächst durch den Rausschmiss des Bassmanns Pete Farndon (übermäßiger Drogenabusus) und kurz darauf durch das ebenfalls drogenbedingte Ableben des Gitarristen James Honeyman Scott unfreiwillig dezimiert.

Die Plattenindustrie, immer schon auf dem Kiewief, bringt jetzt die beiden formidablen Silberlinge, die jeder Fan natürlich eh im Regal stehen hat, in einer komplett überarbeiteten Version auf den Markt. Die beiden Schmuckstücke kommen jeweils als Doppel-CD, im fein anzusehenden, klappbaren Digi-Pack, mit netter kleiner Band-Historie im bebilderten Booklet und dem kaum zu widerstehenden Schmankerl, der den Fan hoffentlich die Geldbörse zücken lässt: die jeweils zusätzliche CD mit interessanten, rau-rotzigen Demoversionen des Debuts und einigen abgefahrenen Outtakes, wie z.B. das durchgeknallte Sabre Dance oder den damaligen Hit, Brass in pocket im Schneckentempo. Interessant auf jeden Fall, doch ich habe schon reizvollere Bonusteile erlebt. Das hört man sich ein- oder zwei Mal an, doch dann ist der Reiz verpufft.
Der soundtechnische Relaunch beider Doppel-CDs ist aber zweifelsfrei sein Geld wert, denn die Silberlinge klingen druckvoll wie nie und die insgesamt 24 Studio-Songs bleiben nach wie vor unerreicht. Zumindest das Debut der PRETENDERS war, ist und bleibt deren Highlight.

Etwas anders verhält es sich mit "Pretenders II", welches designtechnisch auf gleicher Ebene operiert, aber im Bonusteil auf CD 2 ein fulminantes Live-Konzert der Herrschaften um Chrissie Hynde präsentiert. Da zeigt sich das damals ziemlich hell lodernde Feuer einer noch ambitionierten Rock-Band, die im Überschwang der Gefühle einen bemerkenswerten Gig in den Saal donnert. Im Laufe dieses Auftritts spürt der Hörer sehr deutlich die im späten britischen Punk verwurzelte Grundidee der PRETENDERS. Die Songarrangements und der Sound, die auf den Studioversionen zeitweilig einem gewissen, produktionstechnischen Konformismus unterlagen, kochen hier glücklicherweise immer wieder über, die Band ist gut beieinander, blendend eingespielt und Gitarrist Honeyman Scott lässt die Zügel schön locker, entwickelt erfreulich viel Schubkraft. Ein tolles und lohnenswertes Konzert.
Okay, die Studioaufnahmen des "Pretenders II"-Albums machen natürlich auch noch einiges her, obwohl die Kompositionen schon nicht mehr ganz so packend waren, wie ein gutes Jahr zuvor auf dem glänzenden Debut.

Tja, was unternimmt der brave PRETENDERS-Fan nun? Er sollte sich beide Doppelalben zum Weihnachtsfest auf den Gabentisch legen lassen. Beide Re-issues haben letztlich ihre Reize, sowohl optisch als auch song- bzw. soundtechnisch. Der Bonusteil des Debuts bleibt allerdings Geschmackssache. Fest steht aber, dass Chrissie Hynde später nie mehr wieder solch feine Songs zu Papier gebracht hat und 1980/81 einen frühen Höhepunkt hatte. Diese Hochphase wird hier recht eindrucksvoll zur Schau gestellt.
Was macht die Dame in der Zwischenzeit? Bringt ihre Millionen durch, was? Da Frau Hynde (geb. 1951) schliesslich auch so ganz langsam auf die 60 zugeht, fragt man sich doch glatt, was wohl aus dem 1983 geborenen, gemeinsamen Kind von Chrissie und Ray Davies geworden ist?

Frank Ipach, 27.10.2006

 

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