Queensryche

Mindcrime At The Moore

( English translation by Google Translation by Google )

DVD-Review

Reviewdatum: 05.11.2011
Jahr: 2011
Stil: Progressive Metal

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Redakteur(e):

Marc Langels


Queensryche
Mindcrime At The Moore, Eagle Rock, 2011
Geoff TateGesang
Michael WiltonGitarre
Mike StoneGitarre
Eddie JacksonBass
Scott RockenfieldSchlagzeug
Gastmusiker
Pamela MooreGesang
Produziert von: Bruce Green & Ethan Mesmer Länge: 179 Min 00 Sek Medium: DVD
01. I Remember Now18. I'm American
02. Anarchy-X19. One Foot In Hell
03. Revolution Calling20. Hostage
04. Operation: Mindcrime21. The Hands
05. Speak22. Speed Of Light
06. Spreading The Disease23. Signs Say Go
07. The Mission24. Re-Arrange You
08. Suite Sister Mary25. The Chase
09. The Needle Lies26. Murderer?
10. Electric Requiem27. Circles
11. Breaking The Silence28. If I Could Change It All
12. I Don't Believe In Love29. An Intentional Confrontation
13. Waiting For 2230. A Junkie's Blues
14. My Empty Room31. Fear City Slide
15. Eyes Of A Stranger32. All The Promises
16. Freiheit Ouverture33. Walk In The Shadows
17. Convict34. Jet City Woman

Bei der bloßen Erwähnung der Worte “Operation Mindcrime“ läuft fast jedem Metal-Fan – und insbesondere jedem Prog-Metal-Anhänger – das Wasser der Begeisterung und Vorfreude im Munde zusammen steht die Bezeichnung doch für eines der besten Werke des Bereichs Progressive Metal, wenn nicht gar für eines der besten Alben im Bereich Heavy Metal überhaupt. Im Jahr 1988 veröffentlichten QUEENSRYCHE ihr Magnum Opus, das ihnen den Durchbruch und internationale Anerkennung bringen sollte. Die Geschichte um den desillusionierten und frustrierten Jugendlichen Nikki, der sich durch Drogen und hetzerische Reden zum Mörder machen lässt, dabei seine große Liebe Mary findet und wieder verliert, begeistert in ihrer musikalischen und lyrischen Umsetzung auch noch mehr als zwei Dekaden nach ihrer Entstehung. 2006 ließ die Band nach einigen durchschnittlichen Alben der Geschichte noch einen zweiten Teil folgen, der aber nicht an das geniale Meisterwerk heranreichen konnte, aber immerhin die Geschichte um Nikki und seinen Manipulator Dr. X zu einem inhaltlichen Ende brachte.

Im Oktober desselben Jahres gastierten QUEENSRYCHE auf ihrer Tournee für drei Abende im Moore-Theater in ihrer Heimatstadt Seattle und brachten die beiden Alben hintereinander auf die Bretter. Unterstützung bekamen sie dabei sowohl von Pamela Moore, die schon bei der Original-Aufnahme 1988 den Part der Sister Mary gesungen hatte, sowie einigen Schauspielern. Dabei lies die Band dankenswerter Weise die Kameras, Bänder und Mikrofone mitlaufen, um dieses Ereignis für all diejenigen zu konservieren, die damals nicht dabei sein konnten.

Nun erscheint dieses Konzert erstmals auf BluRay. Dabei ist es klar, dass das erschreckend-realistisch erzählte Geschehen auf der Bühne in fast schon erschreckend-scharfen Bildern und glasklarem und ultra-druckvollem Sound wiedergegeben wird. “Mindcrime At The Moore“ ist technisch perfekt umgesetzt. Dabei präsentiert sich der Sound sehr roh und live, eben nicht so hochglänzend-perfekt wie etwa bei “Operation Livecrime“, das doch sehr im Studio „nachbehandelt“ klang. Dass sich dann der ein oder andere „unperfekte“ Ton (insbesondere bei den Backing-Vocals) einschleicht erscheint da nicht weiter schlimm. Leider sind die Stimmen von Moore und später Ronnie James DIO (der den Part des Dr. X übernimmt, aber leider nur vom Band kommt) etwas zu weit in den Hintergrund gemischt, beziehungsweise zu leise ausgesteuert.

Aber Technik ist nicht alles, denn die QUEENSRYCHE von 2006 sind eben nicht die von 1988. Am schwerwiegendsten ist dabei natürlich der Verlust von Gitarrist Chris de Garmo, der nach dem “Hear In The Now Frontier“-Album (das er ja Songwriting-technisch überwiegend im Alleingang verbrochen hatte) und der anschließenden Tournee 1998 seinen Hut nahm und mittlerweile als Charter-Pilot sein Geld verdient. De Garmo war sowohl was seinen Gitarren-Stil als auch seine Backing-Vocals anbelangt von großer Bedeutung für den QUEENSRYCHE-Sound, der die Alben bis hin zu “Promised Land“ mitprägte. Die dadurch entstandene Lücke – gerade in kreativer Hinsicht als Gegenpol zu Sänger Geoff Tate – konnte die Band in der Zwischenzeit nie richtig füllen. Aber auch auf der Bühne wird seine Präsenz und sein Spiel nach wie vor vermisst, denn weder sein direkter Nachfolger Kelly Gray noch der später langjährige Gitarrist Mike Stone (der hier auch zu sehen ist) konnten dieses Vakuum füllen.

Die Abwesenheit macht sich natürlich vor allen Dingen während des ersten Teil des Sets bemerkbar. Denn viele Passagen auf “Operation Mindcrime“ lebten von dem zweistimmigen Gitarrenspiel von de Garmo und seinem Konterpart Michael Wilton. Und das ist eben doch nicht das Gleiche und klingt auch nicht so, wenn der eine Part von Mike Stone nachgespielt wird. Hinzu kommt sein etwas befremdliches Auftreten mit einer Art Gasmaske. Das passt irgendwie nicht so richtig zu einer so ernsthaften Band, wie es QUEENSRYCHE eben sind. Nach 18 Jahren “Operation Mindcrime“ haben sich Geoff Tate (Gesang), Michael Wilton & Mike Stone (Gitarre), Eddie Jackson (Bass) und Scott Rockenfield (Schlagzeug) die Freiheit herausgenommen, die Musik an mancher Stelle ein wenig abzuwandeln. Dabei handelt es sich zwar häufig nur um Live-übliche Nuancen (so etwa bei dem etwas längeren Intro zu Revolution Calling). Aber auch die Einspielungen zu der Geschichte sind länger und vermitteln ein besseres Gespür für die Geschichte und die Entwicklung, die Nikki im Verlauf der Alben nimmt (Anarchy-X oder vor Speak sowie am Ende von The Needle Lies, dabei wird unter anderem erklärt, wie Sister Mary zu Tode kam).

Auf der anderen Seite sind Stücke wie The Mission, Electric Requiem und Waiting For 22 zum Teil komplett umarrangiert: die Instrumentalisierung wurde umgestellt auf Akustik-Gitarren und Piano- oder aber Percussion-Elemente. Die erste wirklich faustdicke Überraschung erwartet die Fans aber spätestens dann, wenn Gast-Sängerin Pamela Moore bereits in Spreading The Disease, in den Zeilen, die sich um Sister Mary drehen, auftritt (auf dem Album war sie einzig und alleine in der Suite Sister Mary zu hören). Das Stück gewinnt dadurch noch mehr an Aussage und an Kraft. Die Musiker präsentieren das Material sehr tight, Geoff Tate singt wie immer phantastisch (alleine der lange gehaltene Ton nach rund einer Stunde beim dramatischen Höhepunkt von Eyes Of A Stranger lässt die Nackenhaare senkrecht stehen). Musikalische Defizite sind wie bereits erwähnt lediglich bei den Background-Vocals festzustellen. Hier macht sich der Abgang von Chris de Garmo am deutlichsten bemerkbar, der nicht nur ein hervorragender Gitarrist, sondern zudem noch ein durchaus begabter Sänger war.

Dabei ist fast schon beängstigend, wie wenig sich offensichtlich politisch gegenüber 1988 verändert hat. Die Geschichte von “Operation Mindcrime“ könnte genauso gut in der Gegenwart spielen. Die Politik orientiert sich lieber an den Interessen der Konzerne und Großbanken, anstatt sich um das Wohl der Bürger zu kümmern, denen sie eigentlich verpflichtet wäre. Dadurch werden junge Menschen anfällig für radikale Ideen (in diesem Fall eines Sektenführers, es könnte aber ebenso gut ein Hassprediger in Afghanistan, Iran oder Pakistan sein), oder aber sie hinterfragen das System, wie es gerade bei der „Occupy“-Bewegung passiert. Das macht die Geschichte um Nikki, der den Versprechungen eines skrupellosen Hass-Predigers mit Namen Dr. X verfällt umso aktueller und eindringlicher.

Aber dann folgt noch OPERATION MINDCRIME II, das sehr zwiespältige Reaktionen bei den Fans auslöste. Naturgemäß kann das Songmaterial nicht ganz mit dem des Original-Albums mithalten, aber es entwickelt doch seinen eigenen Reiz, zumal der Sound live wesentlich besser ist, als noch auf dem Studio-Album. Dort überlagerte die Musik teilweise den Gesang (zum Beispiel bei I'm American) anstatt im richtigen Verhältnis zu stehen. Zudem ist es schwer OM II mit OM zu vergleichen, einfach weil 18 Jahre zwischen den beiden Werken liegen, in denen sich musikalisch einiges verändert hat (beim Erscheinen von OM wusste niemand, was Grunge überhaupt ist). Und Klassiker wie Revolution Calling, Spreading The Disease, Suite Sister Mary, I Don’t Believe In Love, Breaking The Silence und Eyes Of A Stranger lassen sich nicht beliebig oft wiederholen (obwohl das Queensrÿche bei EMPIRE und PROMISED LAND zwei Mal sehr gut gelungen ist).

Aber wenn man über dieses Manko hinwegsieht, dann entfaltet das Songmaterial doch wieder seinen Zauber, der ihm einfach innewohnt. Außerdem hat die zweite CD auch ihre starken Stücke zu bieten wie I'm American, The Hands, Re-Arrange You oder aber The Chase. Bei diesem Titel hört man dann Ronnie James Dio, der den Gesangspart ja bereits bei der Studioaufnahme übernommen hatte. Auch ein Track wie Murderer? klingt live viel verstörender und bedrohlicher als auf der CD und gewinnt dadurch auch thematisch an zusätzlichem Gewicht.

Trotz dieser Positiva kann “Operation Mindcrime II“ höchstens vom textlichen Konzept her an das Original anschließen. Musikalisch offenbart sich gerade in diesem unmittelbaren Vergleich, dass “OMII“ eben kein adäquates Sequel zum großen Bruder ist. Vieles wirkt einfach zu sehr um Ähnlichkeit bemüht. Als Zugaben bekommen die Fans im Moore-Theater zwei sentimentale Favoriten zu hören: Walk In The Shadows (von “Rage For Order“) und Jet City Woman (von “Empire“) bilden den krönenden Abschluss und zeigen, dass QUEENSRYCHE noch einige echte Klassiker, von denen man gerne noch ein paar mehr gehört hätte. Zudem gibt es die fast schon übliche Tour-Dokumentation und dann ein möglicherweise historisches Dokument: eine Aufnahme von The Chase, bei der Ronnie James Dio tatsächlich zusammen mit QUEENSRYCHE auf der Bühne steht – zwei Gesangs-Götter auf einer Bühne, das hat schon was Magisches.

Trotz einiger Kritikpunkte ist es natürlich ein besonderes Erlebnis, die komplette Story von “Operation Mindcrime“ an einem Stück hören und sehen zu können. Die Umsetzung ist so gut, wie sie es nur sein kann. Einzig eine Kurzzeit-Reunion mit Chris de Garmo für den ersten Teil des Sets hätte den Abend verbessern können. Aber auch die Produktion von Ethan Mesmer, der bereits “Operation Mindcrime II“ produziert hatte, ist sehr gelungen und transparent (wenn auch die Gastsänger Pamela Moore und Ronnie James Dio als DR. X leider ein wenig zu sehr in den Hintergrund gemischt wurden für meinen Geschmack). Aber wie oben bereits erwähnt ich ziehe das Imperfekte - sprich die vereinzelten schiefen Töne und die nicht ganz ausgewogene Produktion – einer auf perfekt getrimmten, aber sehr offensichtlich nachbearbeiteten Variante vor.

Wo es aber keine Abstriche zu machen gibt ist die viuselle Umsetzung von Regisseur Bruce Green. Das Konzert wurde aus zahllosen Winkeln und mit zahlreichen hochauflösenden Kameras gefilmt. Das optische Erlebnis ist außergewöhnlich und die Band hat ganz offensichtlich auch nach all den Jahren und den unzähligen Auftritten noch einen riesigen Spaß daran, diese Songs auf die Bühne zu bringen. Und diese Freude überträgt sich sofort auf die Zuschauer und Zuhörer. Dabei hilft es natürlich, dass man durch die häufige Verwendung von Naheinstellungen sich direkt mitten in der Aktion fühlt. Diese kommt durch die BluRay-Technik noch einen Tick lebendiger rüber als bei der ebenfalls sehr gelungenen DVD-Variante. Aber es ist schön, dass dieses Konzert-Erlebnis nun auch hochauflösend den Weg in die heimischen Wohnzimmer findet.

Marc Langels, 03.11.2011

 

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