Rage Against The Machine

Live At Finsbury Park


DVD-Review

Reviewdatum: 14.10.2015
Jahr: 2015
Stil: Crossover

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Redakteur(e):

Marc Langels


Rage Against The Machine
Live At Finsbury Park, Eagle Rock, 2015
Zack De La RochaGesang
Tom MorelloGitarre
Tim CommerfordBass & Gesang
Brad WilkSchlagzeug & Gesang
Produziert von: V. James Spinella, Brian Conway, Will Gaddy & Rick Rubin Länge: 81 Min 00 Sek Medium: DVD
01. Testify07. Bullet In The Head
02. Bombtrack08. White Riot
03. People Of The Sun09. Guerilla Radio
04. Know Your Enemy10. Sleep Now In The Fire
05. Bulls On Parade11. Freedom
06. Township Rebellion12. Killing In The Name
Extras
Behind The ScenesInterview mit Tracy & Jon Morter

Als RAGE AGAINST THE MACHINE im Jahr 1992 auf der Szene erschienen, war das wie eine Bomben-Explosion. Der Beginn einer musikalischen Revolution unter dem Namen Crossover. Harte, stark rhythmusbetonte Musik mit gerappten Vocals war über Nacht massentauglich geworden. Und keiner spielte ihn besser als RAGE AGAINST THE MACHINE, mit einer Rhythmus-Sektion – bestehend aus Brad Wilk am Schlagzeug und Bassist Tim Commerford -, die groovt wie kaum eine zweite, einem phänomenalen Gitarristen in Tom Morello, der Sachen spielte, die viele andere Gitarristen nicht einmal zu träumen wagten und einen politischen Agitatoren in Zack De La Rocha am Mikrofon, der in seinen Texten die sozialen und politischen Missstände in allen Ecken der Welt anprangerte.

Dieses explosive musikalische Gemisch funktionierte insgesamt vier Studio-Scheiben (wovon die letzte eine reine Cover-CD war) exzellent, bevor De La Rocha aus den berühmten „künstlerischen Differenzen“ ausstieg und die Musiker zwischenzeitlich zusammen mit SOUNDGARDEN-Sänger Chris Cornell die Formation AUDIOSLAVE gründeten. Seit 2007 existieren RAGE AGAINST THE MACHINE inzwischen wieder und wurden immer noch für große Festivals gebucht. Wie groß ihre Beliebtheit heute aber noch ist, das zeigt eine Episode aus dem Jahr 2009.

Damals starteten die Briten Tracy und Jon Morter eine Kampagne und präsentierten eine Alternative zum Sieger der englischen Casting-Show „X-Factor“, der mehrere Jahre hintereinander zu Weihnachten Platz 1 der Single-Charts belegt hatte. Als alternativen Track nominierten sie den RAGE AGAINST THE MACHINE-Track Killing In The Name. Die Band unterstützte diese Kampagne, stellte die Einnahmen des Songs wohltätigen Zwecken zur Verfügung und kündigte ein Freikonzert in London an, um den Erfolg zu feiern. Dieser Auftritt fand am 6. Juni 2010 im Londoner Finsbury Park statt und wurde zunächst als Bonus-DVD für die Jubiläums-Edition des Debüt-Albums veröffentlicht. Nun erscheint diese „Feierstunde“ auch als BluRay und DVD.

Die „Sieges-Feier“ gerät denn auch zum absoluten Triumphmarsch. Die zehntausende Besucher feiern die Band und die elf Klassiker der Band sowie den THE CLASH-Gassenhauer White Riot in einem einzigen Meer aus Enthusiasmus. Und die Band gibt in diesen knapp 70 Minuten wirklich alles, scheint keinen Moment gealtert sondern fast noch wütender als bei ihrem Durchbruch. Stücke wie Testify, Bombtrack, Know Your Enemy, Bullet In The Head, Freedom und natürlich die „Krönung“ Killing In The Name werden mit einer Intensität präsentiert, dass man schon bei der Aufnahme eine Gänsehaut bekommt, wenn die Menge die letzten Zeilen von Know Your Enemy („All of wich are american dreams“) fasst lauter brüllt als De La Rocha.

Es ist fast schon erschütternd, dass die Texte und die Botschaft von RAGE AGAINST THE MACHINE auch 20 Jahre nachdem die Texte verfasst wurden nichts an Aktualität eingebüßt haben. Denn die Welt scheint sich in der Zeit kein Stück weit verbessert haben, all die Konflikte, die sozialen Missstände, die ungerechte Verteilung der Ressourcen, das Ungleichgewicht zwischen den Nationen und die wenigen Möglichkeiten, daran etwas wirksam zu ändern. Insofern ist es fast konsequent, dass RAGE AGAINST THE MACHINE nichts von ihrem Feuer verloren haben. Relevant waren die Musik und die Texte sowieso immer.

“Live At Finsbury Park“ ist ein musikalisches und soziales Statement und nicht ein Jota weniger, denn die Einnahmen aus der Aktion – immerhin mehr als 162.700 englische Pfund - gehen an die soziale Einrichtung SHELTER. Und dort ist das Geld auf jeden Fall besser aufgehoben als bei einem Casting-Show-Sieger. Das Bonusmaterial der BluRay gibt Einblicke hinter die Kulissen des Auftritts und präsentiert zudem ein Interview mit den Initiatoren der Aktion, Jon & Tracy Morter. Interessantes Detail – in England ist die BluRay erst ab 15 Jahren freigeben, in Deutschland darf man sie aber dank FSK 0 auch schon den Kleinsten zeigen. Da kann die frühkindliche musikalische Erziehung ja direkt mal gut beginnen.

Die BluRay, respektive die DVD, sind jeden Cent der Anschaffung wert. Das Bild ist exzellent und fängt die Dynamik und die Power des Auftritts sowie die Begeisterung aller Beteiligten hervorragend ein. Der Ton ist nicht immer perfekt aber immer druckvoll und live. RAGE AGAINST THE MACHINE haben zwar seit 2000 keine neue Musik mehr veröffentlicht, aber das, was sie zuvor auf vier Studio-Scheiben geschaffen haben, hat die Musikwelt verändert – und die Botschaften gelten immer noch. Schön, dass sie weiterhin gehört werden – nicht nur zur Weihnachtszeit.

Marc Langels, 12.10.2015

 

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