Rammstein

Reise, Reise

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 22.11.2004
Jahr: 2004

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Redakteur(e):

Jürgen Ruland


Rammstein
Reise, Reise, Universal Music, 2004
Till Lindemann Lead Vocals
Richard Kruspe Bernstein Guitars
Paul Landers Guitars
Christian 'Flake' Lorenz Keyboards
Oliver Riedel Bass
Christoph Doom Schneider Drums
Produziert von: Jacob Hellner & Rammstein Länge: 47 Min 52 Sek Medium: CD
1. Reise, Reise7. Moskau
2. Mein Teil8. Morgenstern
3. Dalei Lama9. Stein um Stein
4. Keine Lust10. Ohne Dich
5. Los11. Amour
6. Amerika

"Das bisschen Haushalt sagt mein Mann...". Wer unter den generationsmäßig etwas Fortgeschritteneren der HoM-Leserschaft kennt ihn nicht, diesen Gassenhauer der deutschen Schauspieler- & Sängerin Johanna von Koczian?
"Wie bitte, RAMMSTEIN? Muß das sein?" Wer kennt das denn? Ich, denn meinereiner hat eine Frau die so was sagt. Oder sagte ... weil nämlich jetzt nicht mehr. Jetzt sagt sie etwas von starker Musik und zumindest teilweise prima (was immer man jetzt auch darunter verstehen mag...) Texten. Sage ich auch.

Zugegeben, ich bin kein Käufer und Konzertgänger der ersten Stunde. Der berühmte Groschen fiel bei mir Pfingsten 1998 am Nürburgring. VAN HALEN hatten gerade fertig, der Himmel verdunkelte sich, RAMMSTEIN betraten die Bühne, es wurde noch dunkler, starker Regen setzte ein, Blitz und Donner legten los... und RAMMSTEIN brannten ein musikalisch- & pyrotechnisches Feuerwerk ab. Und danach war ich überzeugt (und bin es bis heute), einen absolut denkwürdigen Auftritt gesehen zu haben. Und kaufte mir ihre Alben, denen ich auch bis heute etwas abgewinnen kann. Obwohl, den letzten Longplayer "Mutter" habe ich anfangs bis zum Glühen gespielt, zuletzt war er jedoch mächtig erkaltet. Wurde im Laufe der Zeit doch ein wenig eintönig.

RAMMSTEIN veröffentlichen nicht gerade inflationär, und so hat es weit über drei Jahre bis zum Studioalbum Numero 4 gebraucht. Presseberichten und Interviews konnte man Dinge wie "neu zusammenraufen" entnehmen und ich muß sagen, es hat etwas gebracht. Ach was, viel hat es gebracht. "Reise, Reise" ist eine absolute Weiterentwicklung, ohne die typischen Merkmale vergessen zu haben. Ich glaube nicht zu übertreiben, wenn ich behaupte, dass es ihr bis dato reifstes Werk ist. Musikalisch abwechslungsreicher als bisher gekannt, sowie textlich enorm verbessert und tiefgreifender.

Ich weiß nicht, warum die Leute immer meinen RAMMSTEIN müssen "böse" sein oder sich über die Texte aufregen. Ist ihre Musik nicht auch eine Form der Kunst oder der Unterhaltung? Was ist denn ein Stephen King Horrorfilm? Regt sich vielleicht einer über den Psychopath in "Shining" auf? Oder haben wir nicht schon alle eine Katastrophenfilm gesehen? Textlich gesehen ist Dalai Lama dem sehr nahe, nur eben etwas "anders" formuliert. Oder kennen viele von uns nicht Edgar Allen Poe? Den nach seiner Romanvorlage gedrehten Film "Lebendig begraben"? Was bitte gibt es dann an Stein um Stein auszusetzen? Amerika ist ein absoluter Gassenhauer, na und? Wetten, das wird ein Evergreen? Lest den Text mal augenzwinkernd, sofern Ihr ihn nicht ohnehin schon aus dem Radio kennt oder "Reise, Reise" bereits in Eurem Besitz ist.

Musikalisch gibt es ebenfalls keinen Einheitsbrei. Wenn man Vergleiche ziehen kann/soll, dann lässt sich der phasenweise kernige Hardrock bei Keine Lust durchaus mit Ad Astra von den SPIRITUAL BEGGARS vergleichen oder Amour mit neuerem Material von DEPECHE MODE.
Die fetten Gitarrenwände wie man sie bei RAMMSTEIN gewohnt ist, braten natürlich auch wieder heftig, doch die Jungs playen auch den Blues. Ihr glaubt's nicht? Treibende akustische Gitarren durchziehen Los, mittendrin plärrt die Mundharmonika (?) und der Text passt zur Band wie der berühmte A... auf den Eimer. Und das ist alles andere als hirnlos.
Moskau, mit seinen russischen Passagen gehört in jede Zappelbude, einfach clever gemacht. Die Schwermut überwiegt jedoch, Ohne Dich könnte ich mir auch bei "Dr. Schiwago" vorstellen. Und natürlich sind da die "typischen" RAMMSTEIN Opusse wie Morgenstern, einem Song übers Aussehen (Rest selber nachlesen...).

Die Texte schwanken von schockierend (Mein Teil) bis sehr nachdenklich (Amour) und vocalistisch fährt man mit der bisher wohl besten und abwechslungsreichsten Leistung auf.
Das Album wird zum Ende hin immer stiller, depressiver und melancholischer. Gerade die Keyboards haben an dem Szenario einen großen Anteil. Aber nicht nur die. Man hat mit Chor (Kinderchor Canzonetta) und Orchester (Deutsches Filmorchester Babelsberg) kooperiert, es gibt Oboen (Bärbel Bühler), Akkordeon (Michael Kaden) und Mandolinen (Köpenicker Zupforchester). Und trotzdem, es bleibt unverkennbar RAMMSTEIN.
In seinem - zugegeben manchmal eng gestecktem - Rahmen hat man ein Album geschaffen, das für mich überraschend stark ausgefallen ist und ihre bis heute beste Veröffentlichung geworden ist.

Und was sagt meine Frau? Die sagt, dass wir uns das mal live anschauen sollten. Und da sind wir beide einer Meinung. Leider sind die Konzerte im hiesigen Sektor bereits ausverkauft (das ging ruckzuck), aber liebe Promoter, wie wäre es denn mal im nächsten Jahr mit einem Event in der Schalker Arena? Es geht auch zu vernünftigen Kursen, beachtet die Tarife auf der aktuellen Tour der TOTEN HOSEN...

Jürgen Ruland, 22.11.2004

 

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