Random Touch

A Box And A Word,


CD-Review

Reviewdatum: 01.01.2000
Jahr: 2008

Links:

Random Touch Homepage



Redakteur(e):

Michael Koenig


A Box And A Word, Token Boy Records/Roadnoise Productions, 2008
Christopher BrownVocals, Drums
James DayKeyboards
Scott HamillGuitars
Produziert von: Christopher Brown Länge: 57 Min 08 Sek Medium: CD
01. Floating In A Spiral09. Resplendent
02. Tripping So Fancy10. Climbing The Tower
03. On The Wy11. Air Play
04. Dancing In Moonlight12. Oh How We Wonder Why
05. Changeable Weather13. Not On A Wednesday
06. Opera Of Vaudeville14. Velvety Wet
07. The Altar Boy And The Priest15. Grass Beneath Our Feet
08. Steady Flux (Dear X)16. Over And Under

Kaum ist der letzte Ton des letzten RANDOM TOUCH-Albums "duologue" verklungen, steht schon die nächste Liedersammlung unserer Freunde aus Algonquin, Illinois, USA, in den Startlöchern. Hier soll auch gleich die Frage aus der Rezension zum Vorgängerwerk nach dem Line-Up beantwortet werden. Auf 'A Box And A Word' darf JAMES DAY, das andere Gründungsmitglied neben CHRISTOPHER BROWN, wieder mitspielen und erhöht damit die Zahl der teilnehmenden Musiker auf drei. Außerdem bringt MATTHEW EBBIN erneut seine Videokamera in Anschlag und ergänzt so die Musik um den visuellen Aspekt, der schon seit Jahren eine tragende Rolle im Gesamtkonzept von RANDOM TOUCH spielt. Interessenten können sich auf der offiziellen Homepage der Band selbst ein Bild davon machen.

JAMES DAY fängt mit seiner offiziellen musikalischen Ausbildung 1962 an. 1970 beginnt er als Gitarrist in seiner ersten Rock Band zu spielen. Einen frühen und regelrecht dramatischen Einfluss übt auf ihn die, von dem Ungarn GYÖRGY LIGETI stammende, Musik zu dem Science-Fiction-Film "2001 - Odyssey im Weltraum" (1968) aus. Daneben zählen noch die Komponisten LUCIANO BERIO, IGOR STRAWINSKY und die Musiker der MWANDISHI GROUP von Jazz-Legende HERBIE HANCOCK zu seinen Favoriten. Ab 1972 bringt ihn sein Interesse an den Komponisten des 20ten Jahrhunderts dazu, Piano und Orgel zu studieren. Von 1975 bis 1978 tritt er mit dem TRUSTY WOURINS PERFORMANCE ENSEMBLE an Keyboards und Synthesizer auf. Dort bearbeitet er gemeinsam mit CHRISTOPHER BROWN die Filme und Fotografien der Gruppierung. 1976 beginnt DAY ein offizielles Kompositionsstudium bei PAUL COCHRAN vom Chicago Conservatory College, dem ein Studium mit ROBERT HANSON, dem Chefdirigenten des Elgin Symphony Orchestra, folgt. Die offiziellen Kompositions- und Piano-/Orgelstudiengänge dauern bis ins Jahr 1981 hinein an.1978 kehrt er mit der Band THE BENDERS zur Rock Musik zurück. Von 1982 bis 1983 ist er Mitglied der Rock Band SNIPER, SNIPER.

MATTHEW EBBIN beginnt 1998, die Konzerte von RANDOM TOUCH mit seiner Videokamera aufzuzeichnen. Kurz darauf fängt er an, die Gruppe bei improvisierten Videoprojekten, genauso wie bei offiziellen Aufnahmen, zu begleiten.

'A Box And A Word' schraubt die Zahl der RANDOM TOUCH-Veröffentlichungen in den letzten beiden Jahren auf die stolze Zahl von immerhin vier Longplayern. Insgesamt haben sie damit seit 1999 bereits zehn Alben im Kasten.

Was zu zweit funktioniert, geht auch in Triostärke und sogar noch um einige Minuten länger. RANDOM TOUCH treten mit 'A Box And A Word' nachhaltig den Beweis für diese These an. Wie schon auf dem Vorgänger "duologue", feiert hier die Improvisation fröhliche Urständ. Es geht atonal, chaotisch und völlig durchgeknallt ans Eingemachte. Ja, die Musik schaukelt sich stellenweise regelrecht zu einer Kakophonie hoch. Dann wieder fließt alles völlig ruhig und unaufgeregt vor sich hin, wird sogar ansatzweise eingängig. Dementsprechend unterschiedlich fallen die Geschwindigkeiten der einzelnen Stücke aus. Auch innerhalb der Nummern wechselt das Tempo immer wieder. Von langsam bis schnell ist alles vorhanden. Eine weitere Klangdimension fügen dem Material die Keyboards hinzu. Durch sie erhöhen sich die Möglichkeiten verrückter Töne noch um ein Vielfaches. Dieses Potential schöpfen die werten Herren natürlich genüsslich aus. Sehr häufig lässt der Dreier auch seinen Jazzhintergrund bzw. seine Einflüsse aus diesem Genre zur Geltung kommen. Hier hat es ihnen wohl speziell der Free Jazz angetan. Der Vokalteil besteht überwiegend aus Sprechgesang oder elektronisch leicht verfremdetem "echtem" Gesang. Hier sind echte Könner am Werk. Und dass CHRISTOPHER BROWN, JAMES DAY und SCOTT HAMILL erstklassige Musiker sind, versteht sich bei einem kurzen Blick in ihre Lebensläufe wohl von selbst.

'A Box And A Word' ist, wie "duologue" auch, so produziert, dass der spezielle experimentelle Prog Rock, den RANDOM TOUCH erschaffen, all seine Facetten und Details offenbart.

Zum Schluss sei die Frage erlaubt, wer diese Musik denn eigentlich kaufen soll. Fans des experimentellen Prog Rock werden hier bestens versorgt und können 'A Box And A Word' ruhig mal antesten. Auch Leute, die Free Jazz mögen, wären eine mögliche Zielgruppe.

Michael Koenig, 26.07.2008

 

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