Random Touch

duologue


CD-Review

Reviewdatum: 01.01.2000
Jahr: 2008

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Redakteur(e):

Michael Koenig


duologue, Token Boy Records/Roadnoise Productions, 2008
Christopher BrownVocals, Drums
Scott HamillGuitars
Produziert von: Christopher Brown Länge: 39 Min 52 Sek Medium: CD
01. Nestle06. Suitable Time
02. Some Where07. Swivelling Down
03. Chit Chat08. In Word In Tension
04. After09. A Favorable Direction
05. Rooted Tendril

Algonquin im US-amerikanischen Bundesstaat Illinois ist der Heimatort von RANDOM TOUCH. Bereits auf der High School (sie verfassen eine Rock Oper) und im College (die beiden kreieren unter anderem das Multi-Media-Kunstwerk Broken Glass, eine Auftragsarbeit) machen die Gründer der Band CHRISTOPHER BROWN und JAMES DAY in musikalischer Hinsicht gemeinsame Sache. Die Zusammenarbeit mit SCOTT HAMILL geht bereits auf das Jahr 1978 zurück.

Von RANDOM TOUCH existieren bereits zahlreiche Ton- und Bildträger. Dies sind 'unautomate' (CD von 1999), 'Places We Go' (Doppel-CD von 2001), 'Hammering On Moonlight' (CD von 2002), 'A Parade Of Dusty Hobos' (CD von 2003), 'The You Tomorrow' (CD/DVD von 2004), 'The Elegance Of Falling' (CD von 2005), 'Alchemy' (CD/DVD von 2007) und 'A True Conductor Wears A Man' (CD von 2007).

CHRISTOPHER BROWN beginnt 1963 mit einem offiziellen Perkussionsstudium. Dabei richtet er sein Hauptaugenmerk zunächst auf Orchester- und Bandperkussion. Ab 1965 studiert Mr. BROWN mit dem Jazzschlagzeuger und Schlagzeugpionier DICK DICKSON. Anno 1967 beginnt er neben seinem Jazz-Studium in verschiedenen Rock Bands zu spielen. Die nächsten sieben Jahre wird er unter anderem von Größen der Rockmusik wie THE JIMI HENDRIX EXPERIENCE und KING CRIMSON, Komponisten des 20ten Jahrhunderts wie ELLIOT CARTER und MORTON SUBOTNICK und Stars der Jazzszene wie MILES DAVIS und WEATHER REPORT beeinflusst. Durch das zunehmende Interesse an vielseitigen künstlerischen Medien bedingt, gründet CHRISTOPHER BROWN gemeinsam mit etlichen seiner musikalischen Weggefährten 1975 das TRUSTY WOURINS PERFORMANCE ENSEMBLE. Diese Gruppe setzt Filme und Diapositive, Schauspieler, improvisierte und strukturierte Musik, genauso wie traditionelle, selbst entwickelte und allgemein gebräuchliche Instrumente bei ihren Performances ein. Diese sind Reminiszenzen an die während der späten 1960er Jahre üblichen Happenings. Als nächstes wendet sich BROWN der Rock Band THE BENDERS und dem UNIVERSITY OF CHICAGO SYMPHONY ORCHESTER zu. 1980 erwirbt er den Bachelor im Studiengang Film am Columbia College.

SCOTT HAMILL bringt sich Mitte der 1970er Jahre selbst das Spielen, sowohl der akustischen, als auch der elektrischen Gitarre bei. 1978 steigt er als Gitarrist bei THE BENDERS ein. Bereits früh beeinflussen ihn BILL FRISELL, PHIL MANZANERA und CHARLES IVES. Nach THE BENDERS spielt er noch in einer ganzen Reihe von Gruppen, unter anderem THE BROWNS, mit.

'duologue' erscheint unter dem Banner von RANDOM TOUCH, obwohl das zweite Gründungsmitglied JAMES DAY an der Produktion überhaupt keinen Anteil hat. Die Amerikaner nehmen es mit der Bandzugehörigkeit offensichtlich nicht so ganz genau. Welche Besetzung wird wohl das nächste Album einspielen?

Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. 'duologue' ist alles andere als leicht zu verdauen. Leute ohne besondere Hörgewohnheiten könnten sich daran sogar ziemlich verschlucken. Geboten wird experimenteller Instrumental Prog Rock. CHRISTOPHER BROWN und SCOTT HAMILL toben sich nämlich im Bereich der improvisierten Tonkunst aus. Es wimmelt nur so von völlig abstrakten, und zu einem nicht geringen Teil, auch atonalen Klanglandschaften. Stellenweise nimmt das Werk regelrecht chaotische Züge an. Nichts scheint tatsächlich zusammen zu passen. Vieles wirkt wie zufällig in den Raum geworfen. Mal rockt es amtlich, dann biegt die Musik plötzlich in Richtung Free Jazz ab. Psychedelisch wird es dann auch noch. Vieles ist nicht vorhersehbar. Das macht 'duologue' aber eben gerade erst wirklich interessant. Die beiden Protagonisten, vor allem aber SCOTT HAMILL, entlocken ihren Instrumenten (ganz unterschwellig kommen auch noch Keyboards zum Einsatz) die abgedrehtesten und verrücktesten Töne. Da "Gesang" so gut wie überhaupt nicht stattfindet, darf diese Scheibe getrost als reines Instrumentalalbum klassifiziert werden. Das Tempo variiert sehr stark. In einem Moment ist es ganz langsam, steigert sich einige Zeit später, um dann auf dem Höhepunkt der Dramaturgie, schneller und wilder zu werden. Das geht aber auch in die entgegengesetzte Richtung. RANDOM TOUCH dürfen durchaus in die Nähe von CAN, SUN RA, KING CRIMSON und FRANK ZAPPA gerückt werden.

Die Produktion trägt all den wirren und irren Klangkollagen auf 'duologue' Rechnung. Sie ist transparent und beschert dem aufgeschlossenen Hörer auf diese Weise ein beeindruckendes und nicht ganz alltägliches Klangerlebnis.

Dieses Album ist definitiv nicht für das Massenpublikum des Mainstream gedacht. Es wird also auch kein Bestseller werden. RANDOM TOUCH lassen sich davon aber nicht beeinflussen und tun einfach das, was sie können und wollen. Improvisieren auf beachtlichem Niveau.

Michael Koenig, 26.07.2008

 

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