Red Dragon Cartel

Red Dragon Cartel


CD-Review

Reviewdatum: 17.01.2014
Jahr: 2014
Stil: Hard Rock

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Redakteur(e):

Marc Langels


Red Dragon Cartel
Red Dragon Cartel, Frontiers Records, 2014
Jake E. LeeGitarre
Ronnie MancusoBass
D.J. SmithGesang
Jonas FairleySchlagzeug
Gastmusiker
Paul Di'AnnoGesang
Sass JordanGesang
Maria BrinkGesang
Produziert von: Ronnie Mancuso, Kevin Churko & Jake E. Lee Länge: 45 Min 10 Sek Medium: CD
01. Deceived06. Slave
02. Shout It Out07. Big Mouth (feat. Maria Brink)
03. Feeder (feat. Robin Zander)08. War Machine
04. Fall From The Sky (Seagull)09. Redeem Me (feat. Sass Jordan)
05. Wasted (feat. Paul Di'Anno)10. Exquisite Tenderness

Lange hatte er sich Zeit gelassen mit seiner Rückkehr in die Musik-Szene: Jake E. Lee, der Gitarrist, der nach dem tragischen Tod von Randy Rhoads dessen Job bei Ozzy Osbourne übernahm und die Alben “Bark At The Moon“ sowie “The Ultimate Sin“ mit seinen Licks und Soli veredelte. Danach legte er mit der Band BADLANDS zwischen 1988 und 1992 noch zwei wirklich exzeptionelle Alben in der Schnittmenge von Hard Rock und Blues vor, bevor es ziemlich still wurde. Abgesehen von ein paar Solo-Alben kam nicht mehr viel.

Um so erstaunlicher war es, als er im vergangenen Jahr ankündigte, wieder aktiv in die Szene einzusteigen. Nun liegt das erste Werk der Gruppe, namens RED DRAGONS CARTEL (allerdings mit dem Zusatz Jake E. Lee’s versehen – wohl aus Werbe-Zwecken), vor und es schließt musikalisch zumindest beim Opener Deceived erst einmal dort an, wo Lee in den 1990ern und sogar eher noch mit Ozzy in den 80ern aufhörte. Handfeste, ehrliche Rockmusik, die von den Riffs und Soli des Gitarren-Meistern lebt, die das Fundament für den Gesang des bislang unbekannten Briten Darren James Smith bilden.

Anschließend verharrt Lee aber musikalisch nicht einfach nur in seiner eigenen Vergangenheit. Stattdessen hört man dem Material an, dass der Gitarrist auch die vergangenen Jahre aufgesogen und verarbeitet hat. Immer wieder schillern Einflüsse von Bands wie zum Beispiel FILTER oder NINE INCH NAILS durch, so zum Beispiel bei Shout It Out oder Fall From The Sky. Und über einen Song wie Feeder hätten sich vermutlich auch JANE'S ADDICTION nicht beschwert.

Dabei zeigt sich aber schon eine kleine Schwäche des Werks: bei letztgenanntem Song übernimmt Robin Zander von CHEAP TRICK den Gesang. Im weiteren Verlauf des Albums treten zudem noch Paul Di’Anno (Ex-IRON MAIDEN), Sass Jordan und Maria Brink (IN THIS MOMENT) als Sänger auf, so dass der Gesang als identitätsstiftendes Merkmal für die Band wegfällt. Und da ja auch die Musik nicht stringent einem Sound folgt, wirkt das Album in seiner Gesamtheit ein wenig zerfahren.

Auf der anderen Seite bietet das Debüt der Band so aber auch immer wieder wirklich neue Eindrücke und bleibt somit länger spannend, als dies bei einem “regulären“ Album im Stile von BADLANDS oder den alten Ozzy Osbourne-Werken wohl der Fall gewesen wäre. Hier darf auf dem Track Wasted auch schon mal die recht moderne Metal-Axt geschwungen werden. Dazu übernimmt Di’Anno noch das Gesangs-Mikro – fertig ist ein fieser Rocker.

Dabei hält der Abwechslungsreichtum das Album spannend, weil man sich beim ersten Hören nie sicher sein kann, was sich Lee & Co. als Nächstes haben einfallen lassen. Und auch später entdeckt man immer wieder neue Elemente in den Songs. Auf der anderen Seite hat das Album dadurch keinen inneren Zusammenhalt, keinen roten Faden.

Der Einstand von Jake E. Lee's RED DRAGON CARTEL verläuft daher unter dem Strich etwas holprig. Man hätte sich gewünscht, dass er sich auf einen Stil festlegt, anstatt in allzu vielen Genres zu wildern. Zum anderen wäre es sicherlich positiv gewesen, beim Debüt nur auf einen Sänger zu setzen und dessen Stimme dadurch im musikalischen Kontext der Band zu etablieren, bevor man anfängt, Gastsänger – zudem in dieser Anzahl - einzuladen. Trotzdem steht am Ende ein interessantes, weil zeitgemäßes Rock-Album, dem man die Vergangenheit des Haupt-Protagonisten eher selten anhört.

Marc Langels, 14.01.2014

 

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