Tanzwut

Xandria

Reichenbach, H2O, 28.05.2003


Konzertbericht

Reviewdatum: 28.05.2003

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Redakteur(e):

Martin Schneider


Reichenbach, H2O, 28.05.2003

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Viele werden es sich mit XANDRIA einfach machen und der Band vorschnell unterstellen zu viel NIGHTWISH gehört und WITHIN TEMPTATION angeschaut haben. Einfach eine weitere Band mit Sängerin im Kleid. Doch damit tut man den Bielefeldern unrecht.

XANDRIA haben es sehr schwer an diesem Abend. Nur um die dreihundert Besucher haben sich ins H2O verirrt und die sind größtenteils stark auf TANZWUT fixiert. Das Publikum will aus sich herausgehen und abfeiern, und dafür ist der melancholische Gothic-Metal von XANDRIA nun wirklich nur bedingt geeignet.

Die Band kämpft und hat dabei den großen Vorteil auf gute Sound- und Lichtbedingungen zurückgreifen zu können. Zudem hat die Band aus ihrem Debütalbum "Kill the sun" eine ganze Reihe starker Songs am Start: Ginger, She's nirvana, Forever yours, Mermaids, Wisdom und nicht zu vergessen den Titelsong.

Mit zunehmender Konzertdauer gewinnen die positiven Resonanzen im Publikum die Überhand und am Ende gibt es sogar eine kleine Fraktion, die lautstark Zugabe fordert. Die gibt es in Form eines kurzen A capella-Stückes von der charismatischen Sängerin Lisa, die damit sicher nicht nur bei mir für eine Gänsehaut sorgt.

So erringen XANDRIA mit einer engagierten und starken Vorstellung schlussendlich einen Achtungserfolg im H2O. Mehr war leider für die Ostfahlen (??? - Die Red.) an diesem Abend nicht drin, doch den Namen XANDRIA sollte man sich merken. Da wächst eine Band heran, die das Potenzial hat über kurz oder lang in der ersten Gothic-Metal-Liga mitzuspielen und Bands wie LACUNA COIL nachzueifern. Wer auch immer die großartige Idee hatte XANDRIA mit TANZWUT gemeinsam auf Tour zu schicken: Herzlichen Dank dafür. XANDRIA haben Spaß gemacht.

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Setlist: Wieder da, Ihr wolltet Spaß, Labyrinth, Der Traum, Caupona, Meer, Zaubern, Für immer, Fatue, Die Balz, Die Drohne, Der Wächter, Was soll der Teufel im Paradies, Lügner, Bitte bitte, Erdbeerrot, Dämmerung, Ikarus, Nein nein, Der Fluch, Ekstase, Gigolo, Gnade, Götterfunken, ??? (neue Hymne für das Kaltenberger Ritterturnier), Das Schicksal

Auch TANZWUT lassen sich für den oberflächlichen Betrachter schnell durch ein paar Klischees abkanzeln: Noch eine Mittelalterband, die in durch die Hinzunahme von Elektronik und harter Gitarren in die Rockecke drängt, quasi RAMMSTEIN mit Sackpfeifen. Vergessen wir aber nicht, dass TANZWUT Pioniere auf diesem Gebiet waren und seit "Labyrinth der Sinne" mit zum Besten gehört, was die Szene zu bieten hat.

Live sind TANZWUT schlicht und ergreifend großartig. Die optische Präsentation verrät viel über das neue Selbstverständnis als Band. In vorderster Front Sänger Teufel, Gitarre und Bass, im Hintergrund rechts und links zwei Schlagzeug-/Percussionsbatterien und dazwischen erhöht die beiden Sackpfeifen. Das ist ein deutliches Statement: 'Wir sind eine Rockband, allerdings eine außergewöhnliche, weil wir mittelalterliche Instrumente unserem Sound hinzufügen.'

Sound ist ein gutes Stichwort: TANZWUT warten mit einem Mördersound auf! Die Bässe grollen tief, die Beats schlagen unbarmherzig in die Magengegend, die Gitarrenriffs schneiden mit der Präzision eines Skalpells und immer wieder krönen die Sackpfeifen mit erhabenen Melodiewogen die Kompositionen. All das wäre jedoch nichts wert, würden die Songs nicht an sich überzeugen.

TANZWUT präsentieren das aktuelle Album "Ihr wolltet Spaß" und den Vorgänger "Labyrinth der Sinne" nahezu komplett. In der Livesituation wird besonders deutlich, dass beide Alben kaum eine schwächere Komposition aufweisen. Das ist schon ein verdammt hochkarätiges 'Best of-Programm', dass TANZWUT da zelebrieren. Der programmatischen Opener Wieder da gibt die Marschrichtung vor:

Und nun, nun schließet die Augen,
Und lasset Euch fallen
Und dann wird die Nacht mit uns für Euch unendlich sein
Und jetzt tanzt - mit uns durch die Nacht
Und jetzt tanzt - lass die Leiber sich winden
Und jetzt tanzt - bis die Tanzwut erwacht

Dann jagt ein musikalischer Höhepunkt den anderen. Diese Band macht live einfach irre Spaß und bietet großartige Unterhaltung. Es ist wirklich schwierig, die Magie dieses Auftrittes jemandem der nicht dabei war mit Worten zu vermitteln, aber es kommt sehr selten vor, dass eine Band mir so oft ein Lächeln ins Gesicht zaubert, wie TANZWUT.

Leider hat die Nacht dann doch irgendwann ein Ende, aber schön war's.

Besonderer Dank an Marita von Rabazco für die Unterstützung.

Martin Schneider, 02.06.2003

 

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