Rock am Limes

Good News
Saxon
Grave Digger
Eisbrecher
ELA
Axassin

Reinau-Buch, Am Schützenhaus, 05.06.2009

( English translation by Google Translation by Google )

Festivalbericht

Reviewdatum: 17.06.2009
Jahr: 2009
Stil: Heavy Metal, Neue Deutsche Härte, Rock, Thrash

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Redakteur(e):

Martin Schneider


Rock am Limes
Reinau-Buch, Am Schützenhaus, 05.06.2009

"Onkel Bolle" von GRAVE DIGGER bringt es während seines Auftritts treffend auf den Punkt: "Geil, dass es auch noch so kleine Festivals gibt!".

Die Gemeinden Reinau und Buch muss man normalerweise nicht kennen, aber als Gastgeber des 2. Rock am Limes-Festivals werden aus den beiden kleinen Flecken auf der rauen Ostalb zwischen Aalen und Ellwangen eine Markierung auf der Festivalkarte, der man durchaus Beachtung schenken sollte.
Ausreichende Parkplätze in unmittelbarer Nähe des kleinen, auf 3.000 Besucher ausgelegten Geländes, und eine gute Ausschilderung sorgen für einen ersten positiven Eindruck. Die Infrastruktur kann und darf man selbstverständlich nicht mit denen der Megafestivals vergleichen, entscheidend ist jedoch allein, ob sie der Veranstaltung genügt. Die sanitären Einrichtungen und den Getränkestände wurden gut positioniert und sind so reichlich vorhanden, dass es praktisch keinerlei Wartezeiten gibt. Preis-Leistungsverhältnis sind okay, lediglich das Essensangebot hätte etwas vielfältiger sein dürfen, aber insgesamt fühlt man sich als Besucher bei diesem Festival sehr wohl.


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GOOD NEWS im Hooked on Music

Überpünktlich, eine knappe halbe Stunde vor dem angekündigten Beginn, stehen GOOD NEWS bereits auf der Bühne und eröffnen das Festival mit Gary Moores Over the hills and far away.

Die Cover-Band wird ihrem Ruf als eine der stärkeren Party-Bands vollauf gerecht, wobei sie vor allem aus den drei unterschiedlichen Gesangsstimmen Kapital schlagen. Ein traditioneller Rocksänger, ein raukehliger Metal-Shouter, der auch moderne Gesangstechniken beherrscht und eine Sängerin, die zudem noch ganz nett anzuschauen ist. damit lässt sich schon was anfangen.

So spannen die GOOD NEWS den Bogen von METALLICA über MANOWAR zu RAGE AGAINST THE MACHINE und sorgen mit ihrer Version von Sweet dreams, bei der sie aus dem EURYTHMICS-Original und dem MARILYN MANSON-Remake eine eigene Version kreieren für einen ersten echten Höhepunkt. Die wenigen Besucher, die sich zu dieser Zeit schon vor der Bühne tummeln, über der der SAXON-Adler schon große Vorfreude schürt, werden jedenfalls gut unterhalten.


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AXASSIN im Hooked on Music

Zählt man Eins (Veranstalter) und eins (Billing am Samstag) zusammen, dann hätte ich auf STEVE GRANT'S BAROCKESTRA als 'Special guest' getippt. Statt dessen erhalten AXASSIN, die Gewinner eines Nachwuchswettbewerbes die Chance sich auf einer großen Bühne austoben zu dürfen.

Die Band wird von zahlreichen Fans unterstützt. Freunde, Familie und Bekannte wurden mobilisiert und so ernten die Jungs für ihren thrashigen Metal, der irgendwo zwischen METALLICA und NEVERMORE anzusiedeln ist, ansprechende Reaktionen.

Mit Fabian Witzany hat man einen durchaus bühnentauglichen Frontman, der allerdings optisch wohl besser bei MANDO DIAO aufgehoben wäre. Ansonsten brauchen AXASSIN sicher noch Zeit um zu reifen, und die sei ihnen auch zugestanden. Parished, mit seinen getragenen Passagen zeigt bereits deutlich auf, dass kompositorisches Potenzial vorhanden ist, dennoch ist derzeit sicher noch das Songwriting der Bereich, wo am dringendsten Steigerungsbedarf besteht, will man über das Aalener Umland hinaus für Furore sorgen.

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AXASSIN bei Hooked On Music


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ELA im Hooked on Music

ELA fegt wie ein Wirbelwind über die Bühne und hat mit ihren schnörkellosen Rocksongs leichtes Spiel das Publikum für sich einzunehmen. Nummern wie Make my day, Mad about your love oder Dynamite gehen sofort ins Ohr und scheinen geradezu für den Einsatz auf einer Festivalbühne geschaffen zu sein. Der Auftritt ist kurzweilig und unterhaltsam, wenngleich einige Arrangements dann doch etwas zu glatt poliert und weich gespült ausfallen. In diesen Momenten will man ELA die Rocklady genauso wenig abnehmen wie einer Jeanette Biedermann.

Vielleicht sollte man aber auch gar nicht mit diesem Anspruch an die hübsche Hamburgerin herantreten, sondern ihr einfach zugestehen, dass sie ihren Platz zwischen griffigem Melodic Rock und flockigem Pop einnimmt, zumal sie da derzeit ziemlich alleine auf weiter Flur steht.


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EISBRECHER im Hooked on Music

EISBRECHER sind nicht nur die musikalisch aufregendste Band des Billings, sondern haben auch einen ganzen Schwung aparte Gothic-Girlies auf das Festival gelockt, die sich wohltuend von den ganzen 'Männern mit Bärten' abheben. Fast könnte man meinen KNORKATOR hätten sich bei ihrem (Ich schäme mich) Für meine Fans von der typische SAXON-/GRAVE DIGGER-Klientel inspirieren lassen.

Wer nun allerdings glaubt, EISBRECHER würden sich mit ihrem Mix aus Electro und Neuer Deutscher Härte vor einem überwiegend traditionellen Metal-Publikum schwer tun, der erlebt eine faustdicke Überraschung. Die Münchner werden nach aller Regel der Kunst abgefeiert und etwaige Zweifler macht schon die energische Darbietung des Openers Kann den Liebe Sünde sein mundtot.

Natürlich profitieren EISBRECHER ungemein von ihrer harschen Gitarrenarbeit, die an Aggressivität und Präzision von keiner anderen Band an diesem Tag in den Schatten gestellt wird. Damit punkten sie auch bei eingefleischten Metalheads. Dazu ist Alexx ein ausdruckstarker Frontman, der mit seiner Performance und seinem Humor das Publikum schnell für sich einnimmt.

Auch die Songauswahl überzeugt auf ganzer Linie. Natürlich stehen die Stücke des aktuellen Albums "Sünder" im Mittelpunkt des Auftritts, aber EISBRECHER lassen es sich nicht nehmen, auch ihre erfolgreichen Club-Hits Schwarze Witwe, Vergissmeinnicht und This is Deutsch! zum Besten zu geben. Die Reaktionen des Publikums lassen dabei durchaus die Vermutung aufkommen, dass schon manch einer von EISBRECHER-Klängen auf die Tanzfläche gelockt wurde. Am Ende gibt es sogar noch Miststück von MEGAHERZ.

Böse Zungen mögen die Frage in den Raum werfen, wozu man EISBRECHER braucht, wenn es RAMMSTEIN, OOMPH und MEGAHERZ gibt. Ganz einfach, weil diese Band verdammt viel Spaß macht. Das war ein ganz starker Auftritt!


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GRAVE DIGGER im Hooked on Music

Ganz objektiv betrachtet ist es aber der Tag von GRAVE DIGGER! Das Rock am Limes-Publikum bereitet der Band einen grandiosen Empfang. Schon vor Showbeginn hallen ,Digger Digger'-Rufe über das Gelände und wieder einmal zeigt sich, dass wenn das richtige Publikum und die richtige Band zur gleichen Zeit am selben Ort sind und sich gegenseitig pushen, dann erwachsen daraus ganz besonders intensive Konzerterlebnisse.

Auch wenn ich GRAVE DIGGER nun schon ein paar Mal gesehen habe, so gut aufgelegt, so spielfreudig und so überzeugend durfte ich sie bislang noch nicht erleben.

Da passt einfach alles. Angefangen von der ansprechenden Lightshow, über ein begeistertes Publikum hin zu einer Band, die mit ihren Songs ins Schwarze trifft. Aktuelle Songs werden genau so begeistert aufgenommen wie Klassiker der Marke Excalibur, The clans are marching oder das unverwüstliche Heavy Metal breakdown. Wäre es nach dem Publikum gegangen hätten GRAVE DIGGER ruhig noch eine Stunde dran hängen dürfen, und in dieser bestechenden Form hätten sie die Stimmung auch mühelos weiter hochgehalten.


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SAXON im Hooked on Music

Nach GRAVE DIGGER ist dann auch ein bisschen die Luft raus. SAXON lassen zudem lange auf sich warten und betreten erst kurz nach Mitternacht die Bühne, was mit daran liegt, dass die Band direkt von einem Auftritt in Dänemark anreist.

SAXON sind auch eine dieser Bands, die man sich immer wieder gerne anschaut, weil man bei ihnen sicher sein kann, dass selbst wenn sie mal einen schwächeren Tag erwischen immer noch irgendwo eine halbwegs gute Show dabei herauskommt.

Was die Band optisch an diesem Abend mit dem Adler im Bühnenhintergrund bietet ist auch wirklich großes 'Heavy Metal-Theater'. Dagegen kann die Songauswahl nur bedingt überzeugen. Erinnert sich jemand, wann SAXON das letzte Mal fünf Songs aus dem aktuellen Album gespielt haben? Das müsste 1983 auf der "Crusader"-Tour gewesen sein. Der herausragende Song von "Into the labyrinth" Batallions of steel kommt als Opener schweinegeil. Im Laufe der Show werden noch Demon Sweeney Todd, Valley of the kings, Hellcat und Live to rock nachgereicht. Jeder für sich durchaus okay, aber keiner davon ein Meisterwerk, der lange Zeit im Liverepertoire überleben dürfte und in dieser massierten Ansammlung einfach zu viel des Guten.

Dazu noch der Langweiler The eagle has landed, der auch nicht besser wird, nur weil ihn die Band immer wieder spielt. Da fehlt dann natürlich die Zeit für viele Klassiker. Zwar tauchen die wichtigsten Songs wie Motorcycle man, Princess of the night, Wheels of steel oder Heavy Metal thunder im Programm, aber nach weniger als 90 Minuten Spielzeit verlassen SAXON ohne Crusader und 747 die Bühne.

Das Publikum nimmt es gelassen, nicht zuletzt weil viele sich schon bei GRAVE DIGGER so verausgabt haben, dass man SAXON halt einfach noch so im Vorbeigehen mitnimmt. Echte Begeisterung artikuliert sich aber anders und an dem Abend sind die Briten trotz bester Voraussetzungen hinsichtlich der Show doch deutlich unter ihren Möglichkeiten geblieben. Wie aber eingangs erwähnt, selbst an schwächeren Tagen sind SAXON immer noch okay.

Als Fazit bleibt, dass Rock am Limes sich als gut organisiertes, musikalisch abwechslungsreiches, unterhaltsames und entspanntes Festival darstellen konnte. Dazu kommt der nahezu unschlagbare Preis von unter 20 Euro für das Tagesticket. Von daher, wenn das Line up im nächsten Jahr ähnlich attraktiv ausfällt, sollte man sich dieses Open Air nicht entgehen lassen.

Martin Schneider, 13.06.2009

 

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