Walter Trout

Steve Fister

Rheinberg, Schwarzer Adler, 25.04.2004


Konzertbericht

Reviewdatum: 25.04.2004

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Rheinberg-Vierbaum, Schwarzer Adler, 25.04.2003

Als ein Musikfreak, der in jungen Teenagerjahren schon mit Gitarristengrößen wie Jimi Hendrix, Duane Allman, Johnny Winter, Pat Travers, Robin Trower und allen voran Rory Gallagher aufgewachsen ist, kann mich so leicht nichts beeindrucken. So geschehen auch am gestrigen Sonntag im "Schwarzen Adler" in Rheinberg, d e r einschlägigen Blues-Kneipe hier im Umkreis, knapp 25 km von meiner Heimat Duisburg entfernt.
All zu viel von Walter Trouts Material war mir bis gestern nicht bekannt, so dass ich recht unvoreingenommen diesen Gig, der im übrigen vor ausverkauftem Haus (ca. 180 Leute) stattfand, besuchen konnte. Der ursprünglich angekündigte Support, Newcomer Ian Parker plus Band, dessen CD ich Anfang des Jahres kommentiert habe, war leider noch in England mit Tourstress beschäftigt, so dass ein sicherlich interessanter Aspekt unter den Tisch fiel.

Als Ersatz wurde dem bluesverliebten Publikum, das zumeist aus 35-50 jährigen Männern bestand, die amerikanische Steve Fister Band vorgesetzt. Dieses abgebrüht wirkende Trio aus Kalifornien legte gleich mit unbändiger Power los und mischte den Blues mit ihrer eigenen heftigen Variante gehörig auf. Alle drei Musiker wirkten sehr souverän und bedienten ihre Instrumente locker und spielfreudig. Insbesondere Steve Fister, der wieselflink das Griffbrett seiner Gibson Halbresonanz polierte, entpuppte sich als unterhaltsamer und animierender Impressario, dem es zuweilen wichtiger erschien, das Publikum aus der Reserve zu locken, als mit guten Songs zu überzeugen. Das Verrückte bei diesen jungen Gitarristen ist ja, dass sie mit einer unverschämten Geschwindigkeit ihre Saiten quälen und auch damit den Großteil des Publikums zu beeindrucken wissen (das hat man dem beifälligen Raunen der Anwesenden entnehmen können), aber einen vernünftigen Song schreiben, ich meine einen späteren Klassiker, na ja...
So zitierte Mr. Fister auch eine ganze Reihe ihm wohlvertrauter Virtuosen, aber eine klare eigene Linie, ein unverwechselbarer Stil ging ihm leider ab. Dennoch vergingen die fünfundvierzig Minuten wie im Flug, denn der Unterhaltungsfaktor pendelte sich, gespickt mit Bass- und Drum-Solo, auf hohem Niveau ein. Ebenso der Applaus, der die Combo immerhin zu einer Zugabe veranlasste.

Walter Trout

The man himself, Walter Trout, enterte gegen 21:45 Uhr die Bühne, um das Publikum zunächst recht verwirrt und teilweise erbost zu erleben. Der Saalsound, der während des Fister-Gigs noch recht angenehm war, schlug nun um in ein breiiges Gewaber aus undifferenziertem Gemulme. Ein mieser Mix, der die Lead-Vocals und Walters Gitarre nur erahnen ließ, brachte so einige der Herrschaften auf die Palme. Diese unnötige Fehlleistung verflüchtigte sich glücklicherweise im Verlauf der nächsten zwei, drei Songs, so dass der wuchtige Vier-Mann-Sound besser zur Geltung kam.

Walter hatte natürlich seinen alten Freund Jimmy Trapp am Bass mit dabei, den offenbar überhaupt nichts erschüttern kann. Stoisch, auffällig unauffällig, aber extrem banddienlich dieser Herr.
Sammy Avila hatte seine Korg Orgel pfiffigerweise mit einem Leslie bestückt, um so einen fast authentischen B-3 Sound zu kreieren und glänzte mit dem einen oder anderen ausgefuchsten Solo.
Die Augenweide schlechthin aber war der Monster-Drummer Joey Pafumi, der absolut showman-like sein Schlagzeug bearbeitete und einen tierischen Drive erzeugte. Pafumis Mimik und Gestik regten einerseits zum Schmunzeln, andererseits zu staunendem Kopfschütteln an. Wenn er, wer weiß wie häufig, seine Drumsticks in die Höhe warf, um sie beim nächsten Snare-Schlag passgenau wieder einzufangen und im nächsten Moment seine hochgehängten Crash-Becken mit überkreuzten Armen traktierte und wild entschlossen in die Menge blickte, war dies nur ein kurzer Einblick in das Repertoire seines Könnens. Beindruckend.

Walter Trout

Und Walter Trout? Ja, was soll ich sagen? Sehr guter Gitarrist, geiler Stratocaster-Ton, mittelmäßiger Sänger. Aber das weiß man schon länger... Die RADICALS zelebrierten fortan einen ausgewogenen Mix aus feistem Blues-Rock, recht seelenvollem Slow-Blues, Boogie und Rock'n'Roll-Anleihen, so dass sich selten einmal Langeweile beim Publikum einstellte. Mir waren die ausufernden Gitarrensoli, wie auch schon bei Steve Fister zuvor, manchmal etwas zu wenig abwechslungsreich bzw. zu sehr auf den "Boah, ist der Kerl schnell"-Effekt beim Publikum abgestellt. Der Umgang der gesamten Band mit einer gewissen spannungsgeladenen Dynamik war mir dann doch zu eindimensional gestrickt, so dass ich zwar nicht enttäuscht nach Hause fuhr, aber letztlich doch mit der Erkenntnis, dass ich zu Rory Gallaghers Glanzzeiten in den Siebzigern einfach noch zu jung war, um ihn mehr als zweimal erlebt zu haben. So ordentlich Walter Trouts Gig auch gewesen sein mag... die Energie, das Feuer eines Gallagher-Konzerts war schon einmalig damals. Verzeiht mir meine Verblendung, seht mir diese Spinnerei nach, Walter sei nicht böse... ich bin einfach nur sentimental.
Rock on, man!

Frank Ipach, 26.04.2004

 

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