Henrik Freischlader

Rheinberg, Schwarzer Adler, 07.05.2010

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Konzertbericht

Reviewdatum: 08.05.2010
Stil: Blues

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Henrik Freischlader,
Rheinberg, Schwarzer Adler, 07.05.2010

Eines sei vorweggenommen: Wer sich auch nur halbwegs für Blues-Rock oder Blues mit einer 'funky attitude' interessiert, zudem ein fleißiger Clubbesucher und Live-Musikfan ist, darf sich um Himmels willen ein Konzert der Henrik Freischlader Band nicht entgehen lassen. Am Freitagabend im altehrwürdigen 'Schwarzen Adler' in Rheinberg - am beschaulichen Niederrhein - gaben sich der neue Star am deutschen Blueshimmel, Henrik Freischlader und seine Gefährten Theofilos Fotiadis (Bass), Moritz Fuhrhop (Hammond B-3) und Hardy Fischötter (Drums) die Ehre und bestätigten den ihnen vorauseilenden Ruf, eine grandiose Live-Combo zu sein.

Man mag ja durchaus das Dreifach-Livealbum des Mützenträgers kennen und schätzen, doch eine Begegnung in persona schlägt diesen positiven Eindruck noch um Längen. Zumal sich Freischlader für diese großangelegte Tour, mit bis dato mehr als 40 Gigs, mit neuen Teamplayern umgibt. Schmellenkamp und Sengotta sind seit längerem schon Geschichte, nur den kauzigen, mit Achtziger Jahre Brille und Melone ausgestatteten Drummer Hardy Fischötter kennt man bereits aus alten Tagen. Die neue Band groovt tatsächlich anders, hat jedwede Frickeleien und Fusion-Ausflüge verbannt und spielt Dank Fotiadis und Fischötter bodenständiger, direkter und mit anderem Schwung, so dass der Groove eine gewisse Körperlichkeit, ja, eine gewisse knisternde Erotik verströmt. So hört sich seelenvolle Musik an.

Beseelt und getragen vom ausverkauften 'Schwarzen Adler' (ca. 200 Zuschauer) sprüht die Band auch am Ende einer kräftezehrenden Tour noch so vor Spiellaune und verbreitet mit ihrem offensichtlichen Spaß an der Sache direkt vom Opener I an die sogenannten 'good vibrations', die es braucht, ein Publikum für sich einzunehmen. Da ich die Freischlader Band bisher noch nicht live erleben durfte, kam es einer echten Überraschung gleich, Henriks scheinbares Naturtalent als Entertainer zu beobachten. Die launigen, bisweilen ziemlich amüsanten und offenbar auch recht spontanen (wenn auch manchmal etwas langatmigen) Ansprachen ans Publikum, bescheinigen Freischlader neben seinen unumstritten großartigen Leistungen an der Gitarre, ein gutes Gespür für kurzweilige Unterhaltung und machen ihn zu einem Sympathieträger erster Klasse. Die lässige und ungezwungene Art und Weise wie der Wuppertaler z.B. das Publikum bei der Edelballade In your arms zu einem dreistimmigen Chorgesang animiert, macht ihm so schnell wohl auch niemand nach. Die Interaktionen mit dem Publikum zeugen einfach von großem, aber völlig unaufdringlichem Selbstbewusstsein und rücken Freischlader in die Nähe eines echten Stars. Ein bodenständiger Star zum Anfassen allerdings.

Wie es sich für eine echte Live-Einheit gehört, wird den Mitspielern auch Raum für Soloausflüge gewährt, wobei sich der wuschelhaarige Hammondspieler Moritz Fuhrhop mit einigen exquisiten B-3 Soli hervortut und Drummer Hardy Fischötter ein extrem Groove betontes Schlagzeugsolo zum Besten gibt, dass man dergestalt auch nicht alle Tage hört. Der Mann mit der Melone brilliert nicht unbedingt mit waghalsigen Fills und Rolls über seine Toms, sondern legt den gerne genommenen Geschwindigkeitswahn anderer Drummer ganz cool ad acta und setzt auf Rhythmik und Tanzbarkeit pur. Es dominieren Bassdrum, Snare und Hi-Hat. Große Klasse.

Die Band spielt sich durch etliche Songs des neuen Albums, driftet gerne auch in ausufernde Jam-Sessions und zeigt hier mittels gut aufgebauter Spannungsbögen und großartiger Dynamik, wie man eine zehnminütige Song-Reise in ein prickelndes Abenteuer verwandeln kann. Nicht unerheblichen Anteil daran hat sicherlich auch Mischermann Martin Meinschäfer, der Namensgeber des aktuellen Studioalbums. Er bietet dem verwöhnten Rheinberger Publikum einen scharf konturierten, angenehm wuchtigen und mit wohltuender Transparenz ausgestatteten Sound an.

Am Ende des Gigs dreht die Band, die sich laut Henrik als inzwischen schon etwas meschugge gewordenen Freundeskreis sieht, noch einmal mächtig auf und bietet mit den beiden Jimi Hendrix-Coversongs Let me stand next to your fire und dem Klassiker Foxy Lady ein prächtig knallendes Schlussfeuerwerk. Rheinberg im seligen Taumel. Ein Live-Erlebnis erster Güte.

Frank Ipach, 07.05.2010

 

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