Richie Kotzen

The Essential


CD-Review

Reviewdatum: 17.08.2014
Jahr: 2014
Stil: Hard Rock

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Redakteur(e):

Marc Langels


Richie Kotzen
The Essential, Ear Music, 2014
Richie KotzenGesang & alle Instrumente
Produziert von: Richie Kotzen Länge: 94 Min 47 Sek Medium: CD
CD 01:CD 02:
01. War Paint01. Remember (Reprise)
02. Walk With Me02. What Is (2014)
03. Love Is Blind03. High (2014)
04. Go Faster04. Change (2014)
05. Fooled Again05. Special (2014)
06. OMG (What's Your Name?)06. Paint It On (Acoustic Version)
07. Help Me07. Holding On (Acoustic Version)
08. Bad Situation08. Until You Suffer Some (Fire And Ice) (Acoustic Version)
09. Fear09. The Road (Acoustic Version)
10. You Can't Save Me10. Regret (Original Demo Version)
11. Doing What The Devil Says To Do11. Damaged (Original Demo Version)

Momentan ist der amerikanische Gitarrist Richie Kotzen als Teil der Supergroup THE WINERY DOGS durchaus gut im Geschäft. Zuvor kannten ihn die meisten Rockfans lediglich von seinen beiden Abstechern zu etablierten Bands POISON, bei denen er CC DeVille ersetzte und das Album "Native Tongue" einspielte, sowie von MR. BIG, mit denen er es immerhin zwei Studiowerke, “Get Over It“ und "Actual Size", brachte. Beide Male war nach kurzer Zeit wieder Schluss und Kotzen widmete sich wieder seiner Solo-Karriere.

Diese war von durchaus sehr unterschiedlichen musikalischen Perioden geprägt. Am Anfang als einer der talentiertesten Gitarren-Helden aus dem Stall von Mike Varney – zwischendurch auch im Doppel mit einem weiteren Varney-Schüler Greg Howe, dann mal mit kurzen Ausflügen in den Bereich Fusion (“Bi-Polar Blues“) und auch mal mit richtiger Backing-Band (“Return Of The Mother Head’s Family Reunion“), aber zumeist war er als musikalischer Allein-Unterhalter unterwegs und spielte eben neben dem Gesang und der Gitarre auch noch häufig den Bass, das Schlagzeug und bei Bedarf die Tasten-Instrumente selbst ein.

Dabei ist der Titel etwas irreführend, denn "The Essential" konzentriert sich nur auf die jüngste Phase von Kotzens Schaffen, in der er sich der Soul-orientierten Rock-Musik widmete. Die Gitarrenheld- und kurze Fusion-Phase werden hier ebenso wenig abgebildet wie seine kurzlebigen Rollen bei POISON und MR. BIG. Insofern ist der Titel nicht so sehr als die Essenz dessen zu verstehen, was Kotzen schon alles geschaffen hat, sondern vielmehr das Essentielle seiner jüngsten Solo-Schaffensphase.

Die hat es nun wahrlich in sich und rechtfertigt die Entscheidung allemal, hier zwei CDs zur Verfügung zu stellen. Denn neben kleinen Klassikern wie Go Faster, OMG (What's Your Name?), Help Me, Bad Situation, Fear oder You Can't Save Me hat sich Kotzen nicht lumpen lassen und gleich eine ganze Reihe neuer Songs und neu eingespielter Versionen für diese Zusammenstellung aufgenommen. Dabei ragen zum einen die akustischen Versionen von What Is und dem POISON-Stück Until You Suffer Some (Fire And Ice) heraus.

Aber auch die neuen Stücke, die hier zu Beginn der ersten CD stehen, werden dem Freund gutgemachter Rockmusik schnell ins Ohr gehen. Dabei stellt Kotzen wieder sein Talent als Songschreiber in den Focus und vor allen Dingen über seine Qualität als Instrumentalist. Denn im Gegensatz zu zahlreichen anderen Gitarristen, hält Kotzen seine individuellen Fähigkeiten eher an der kurzen Leine und lässt sie nur in kurzen Schüben los. Schließlich muss er seine unbestreitbaren Fähigkeiten an den sechs Saiten niemandem mehr ernsthaft beweisen, das hat er in der Vergangenheit bereits zur Genüge getan. Und dennoch legt er auch hier wieder einige Solo-Passagen hin, die talentierte Gitarristen in den Wahnsinn treiben werden.

Allerdings stellt Kotzen hier eine weitere seiner Qualitäten eindrucksvoll unter Beweis - und zwar die als wandelbarer Sänger. Bei You Can't Save Me stößt er sogar in Bereiche eines Chris Cornell (SOUNDGARDEN/AUDIOSLAVE) vor. Und auch das bereits erwähnte POISON-Stück Until You Suffer Some (Fire And Ice) klingt weitaus authentischer und gefühlvoller als die von Brett Michaels gesungene Ur-Version. Insofern kann er wohl endgültig für sich reklamieren, nicht mehr nur als Gitarrist sondern eben sowohl als Songwriter als auch als Sänger seine Meriten erworben zu haben. Kein Wunder also, dass Billy Sheehan und Mike Portnoy ihn – Kotzen – als Dritten im Bunde für THE WINERY DOGS wollten und auswählten.

"The Essential" ist sowohl für Neulinge ein guter Einstieg als auch für Kotzen-Anhänger ein spannendes Werk, das über genügend frische Songs, Neuaufnahmen sowie sogar zwei Demo-Versionen verfügt, die die verschiedenen Seiten seines aktuellen Solo-Schaffens exemplarisch darstellen. Insofern ist der Titel "The Essential" also tatsächlich dann doch wieder gerechtfertigt. Aber beim Hören ist Vorsicht geboten, die Suchtgefahr ist anschließend sehr hoch.

Marc Langels, 15.08.2014

 

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