Rob Tognoni

Capital Wah


CD-Review

Reviewdatum: 21.07.2007
Jahr: 2007

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Capital Wah, Eigenvertrieb, 2007
Rob Tognoni All Guitars & Vocals, Bass, Keyboards
Matthew Stuart Drums
Lukasz Gorczyca Bass on Redhouse & Product Of A Southern Land
Tomek Dominik Drums on Redhouse & Product Of A Southern Land
Mic Simms Bass on I Got You - You Got Me
Kieron O'Leary Drums on I Got You - You Got Me & Ballad Of Julie-Ann
Paul Sticca Guitar on The Good Die Young
Brendan Lodi Bass on The Good Die Young
Des Bradley Bass on God Bless America Ballad Of Julie-Ann
Steve Sampson Guitar on The Good Die Young & God Bless America
Paul McGregor Saxophone on Ballad Of Julie-Ann
Produziert von: Rob Tognoni Länge: 67 Min 12 Sek Medium: CD
1. The Rain9. Reboot
2. Isolate10. I Got You - You Got Me
3. Like A Rolling Stone11. The Good Die Young (Original)
4. Dogs With Fleas12. Product Of A Southern Land (Live)
5. Let Your Love Fly13. God Bless America
6. My Detonation14. Ballad Of Julie-Ann
7. Redhouse (Live)15. Stupify Me
6. Shoot To Kill

Den 'Boogieman From Hell', alias Michael Katon, kennen wir und wollen ihm die nördliche Halbkugel auch nur selten streitig machen, aber wenn es um Boogie von Down Under geht - da kann AC/DC-Plärre Brian Johnson noch so sehr den Boogie Man für sich reklamieren - heißt der Boogie-Mensch Rob Tognoni! Das hab ich schon öfter erzählt, aber trotzdem mach ich gleich noch ein Ausrufezeichen!
Das hab ich im Frühjahr live erleben dürfen und auf seiner aktuellen Scheibe "Capital Wah" beweist sich das erneut. Keine Sorge: Ein Steppdancer auf dem Wah-Wah Pedal ist der Rob nicht, auch wenn kapital und zentral auf dem Cover zu sehen ist. Das an den Namen angehängte 'Power Blues Rock' trifft schon eher ins Schwarze und ebenso ins Mark des Zuhörers. Der Mann ist einfach gut! Und wenn er seine Alben an verschiedenen Orten und mit unterschiedlichen Musikern einspielt, denn Bass oft selbst zupft, so gehen sie trotzdem geil ab und machen Lust und Laune. Der Texas-Boogie The Rain ist eine verspätete Aussie-Antwort auf La Grange und rockt schweinegeil, mit ausgiebigen Soli. Das fängt ja gut an.
Etwas langsamer, aber keineswegs gemächlicher, folgt Isolate als schwerer Power-Blues-Boogie. Hier machen sich auch die Heavy-Orgel-Akkorde sehr gut. Fast schon gewohnt, kommen Robs Songs "auf Platte" eine ganze Ecke heftiger, einfach weil hier die, live oft vermisste, Rhythmusgitarre den Drive während der Soli aufrecht erhält.

Wie die meisten Musiker, streut auch Mr. Tognoni gern mal eine Coverversion ein und einer der beliebtesten Vorlagengeber ist natürlich Bob Dylan. Dessen Like A Rolling Stone verpasst Rob, trotz Akustikgitarre, neuen Schub und mehr Rauheit, als etwa die ROLLING STONES.
Dann geht's aber auch schon wieder zurück zum Rob Tognoni Stil, der ja öfter so leicht funky und doch rockig treibend wie in Dogs With Fleas klingt und gleich darauf sind wir wieder beim bewährten Boogie-Stil. Let Your Love Fly haben wir natürlich in ähnlicher Form schon tausendfach gehört - etwa bei Comin' Home Tonight auf Robs "Retro Shakin'" - und lieben ihn trotzdem so heiß und innig, wie uns der Rhythmus vor und zurück schaukeln lässt. Ach, wehmütige Erinnerungen an DR. FEELGOOD kommen in mir auf.
Die Liveversion von My Detonation hat im Konzert nicht zuviel versprochen und rockt auf CD genauso gut (war der Pinball Wizard-Mittelteil live auch dabei?). Außerdem klingt die Aufnahme sogar sehr "live". Einer von zwei tatsächlich im Konzert aufgenommenen Titeln ist das Hendrix-Cover "Red House. Dieser Midtempo-Blues wurde ja schon hinreichend zu Tode gegniedelt und streckenweise ist mir auch hier zu viel Griffbrett-Raserei im Spiel, doch, zum Glück, ist Rob Tognoni auch ein klasse Sänger und hat man sich erst mal an die Live-Atmosphäre gewöhnt, übersteht man diese acht Minuten relativ unbeschadet.
Der rote Faden fehlt dem Album irgendwie. Dazu machen sich die verschiedenen Aufnahmeorte zu sehr bemerkbar. Dafür bleibt es spannend und unterhaltsam. So als würde man sich eine 'Best Of' von Tognoni anhören und die gibt es ja, meines Wissens, noch nicht. So passt auch ein rockiges Instrumental, wie Reboot, da gut dazwischen.

Mit I Got You - You Got Me ist ein Song vertreten, der bereits 1989 aufgenommen wurde und, lt. Booklet, bisher nur auf einer australischen Compilation-EP vertreten war. Zeit wurde es, dass uns dieser treibende Rocker kredenzt wurde. Und da fühle ich mich wieder an THE CULT erinnert (aufgemerkt, Herr Schmidtlein). Und noch was Altes: The Good Die Young. Nicht die Version vom "Stones & Colours" Album, sondern die Proberaumaufnahme die Dave Hole begeisterte und die jener mit nach Europa schleppte und die uns letztendlich Rob Tognoni hierzulande bescherte. Dank sei Dave, sowie den Guten und Jungen und jenen die nicht so früh sterben und uns solche knalligen Rock-Songs hoffentlich noch oft an die Birne donnern. Product Of A Southern Land wurde schon auf "Monkeygrinder" mit '1 More Hit' untertitelt und auch diese Live-Aufnahme geht einem sofort ins Ohr und man gar nicht anders, als mitgrooven, schmerzverzückt grinsen und sich an dieser tollen Gitarrenarbeit erfreuen. Klasse!
Derb ZZ Top-ig geht es in God Bless America zu (zu deren besseren Zeiten versteht sich) und das es im Text trotzdem eher kritisch zugeht, war zu erwarten. Schade, hätte Stupify Me, am Schluss, ein bisschen mehr ein Hau-Drauf-Schlagzeug verpasst bekommen, hätte es der Reißer des Albums werden können. So ist es immer noch ein guter Abschluss eines tollen Rob Tognoni Albums, auf dem sich der Australier musikalisch absolut treu bleibt und das somit zu seinen anderen Alben ins CD-Regal gehört. Ausrufezeichen!

Epi Schmidt, 21.07.2007

 

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