Rolling Stones

A Bigger Bang

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 18.09.2005
Jahr: 2005

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Rolling Stones
A Bigger Bang, EMI Music, 2005
Mick Jagger Vocals, Guitar, Bass, Slide Guitar, Harmonica, Percussion, Keyboards
Keith Richards Guitar, Vocals, Piano, Bass
Charlie Watts Drums
Ronnie Wood Guitar, Slide Guitar
Darryl Jones Bass
Chuck Leavell Piano, Organ
Matt Clifford Piano, Organ, Strings, Programming
Don Was Piano
Lenny Castro Percussion
Blondie Chaplin Background Vocals (She Saw Me Coming & Infamy)
Produziert von: Don Was & The Glimmer Twins Länge: 64 Min 22 Sek Medium: CD
1. Rough Justice 9. This Place Is Empty
2. Let Me Down Slow10. Oh No Not You Again
3. It Won't Take Long11. Dangerous Beauty
4. Rain Fall Down12. Laugh, I Nearly Died
5. Streets Of Love13. Sweet Neo Con
6. Back Off My Hand14. Look What The Cat Dragged In
7. She Saw Me Coming15. Driving Too Fast
8. Biggest Mistake16. Infamy

"Warum habe die Marlboro's in Amerika weiße und in Europa gelbe Filter?
Damit Keith Richards weiß wo er ist."
Hab ich gestern in der empfehlenswerten isländischen Komödie '101 Reykjavik' gehört.
"I prefer the stadium concerts. If you get too close to them, they're ugly and old!" (Zitat: Anita Pallenberg)

So, könnten wir jetzt mit Zitaten, Anekdoten, Witzen und Geschichten über die ROLLING STONES fortfahren bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag.
Aber was ist mit der neuen Stones-CD?
Tja, nun.... Genaugenommen braucht man wohl spätestens seit "Some Girls" keine Rolling Stones Scheibe mehr wirklich. Und ich bin ein großer Fan von "Emotional Rescue" und "Tattoo You"! Trotzdem bekommt man seine 'Satisfaction' wohl eher mit früheren Alben.

Mehr oder weniger bejubelt, wurden von den Kritikern alle Studio-CDs, die die Stones in den letzten anderthalb Jahrzehnten rausbrachten (schön, waren nur drei), und ach, was für Parallelen wurden gezogen: Nur weil auf "Steel Wheels" eine Fahrradfelge schnarrte und ein paar marokkanische Instrumente erschallten, wurde gleich die Brian Jones Ära heraufbeschworen und "Beggars Banquet" gedacht. Und so fanden auch die beiden Nachfolge-Alben genug Schlauberger, die hier "Sticky Fingers" oder dort "Let it Bleed" gehört haben wollten.
Beim neuen Album "A Bigger Bang" (Understatement war noch nie das Ding der Stones) wurde schon im Vorfeld von "den meisten Liedern seit "Exile On Main Street'" gesprochen.
Na klasse! Wen interessierts?
Als wenn die Anzahl der Lieder schon jemals einen Rückschluss auf deren Qualität zugelassen hätte.

Gehen wir also mal so objektiv an die neue Scheibe ran, wie es einem Stones-Maniac wir mir nun mal möglich ist. Optisch gibt's gleich ein paar Abstriche: Wir befinden uns (noch) im CD-Zeitalter, meine Herren! Das dunkle Bild vorne, auf dem die Stones ihren eigenen Urknall (Big Bang) zelebrieren, mag noch halbwegs witzig sein, aber ein Booklet aus schwarzen Seiten mit weißer Winzlings-Schrift drin? Da wird wohl verkannt, in welchem Alter sich der Großteil der Käufer dieser CD befindet! Früher, bei LPs, wäre das vielleicht noch angegangen, aber heute?
Nächster Punkt: Beteiligte.
Insofern ganz erfreulich, dass Mick Jagger erstmals seit Jahren ohne die gesangliche Hilfestellung von Bernard Fowler auskommt, aber schaut mal was Herr Jagger mittlerweile alles spielt! Wenn er auch noch das Schlagzeug auf seinem Konto hat, bringt er die nächste Stones-Scheibe allein raus!
Ronnie Wood durfte letztmalig bei Suck On The Jugular ("Voodoo Lounge, 1994) ein paar Background-Vocals beisteuern, was aber auch verständlich ist. Allerdings hat man auf dem neuen Album auch bei ein paar Songs auf seine Saiten-Arbeit verzichtet - der Mick macht das schon.
Am beunruhigendsten ist für mich des Erscheinen von Matt Clifford. Dessen Synthie-Geschmiere war man doch nach der "Steel Wheels"-Tour ganz gut losgeworden. Jetzt taucht der plötzlich wieder auf! Zum Glück nur bei einem Titel.
Na, Rough Justice legt jedenfalls gut los. Ein paar Richards-Rock'n'Roll-Riffs stolpern los und Charlie Watts steigt mit seinem typischen Wirbel in die Nummer ein. Klingt reichlich rau und Mick spart, aggressiv und gut bei Stimme, nicht mit Anzüglichkeiten. Dazwischen blitzt Ronnies Slide-Guitar, oftmals nahe am Disharmonischen, auf. Kennt man natürlich alles, aber so pur rocken hat man die Stones schon lange nicht mehr gehört und das macht schon an.
Da zieht man sich bei Let Me down Slow lieber etwas mehr in den Mid-Tempo Bereich zurück und bringt mehr Country-Flair mit ein. Schöne Überland-Auto-Nummer mit wenig Brimborium - allerdings auch nicht übermäßig gehaltvoll.
Erneut ein paar typische Keith-Intro-Riffs leiten It Won't Take Long ein. Von Chuck Leavell hört man bisher wenig, wie auch von Richards' Background-Gesang, aber alles klingt sehr gitarrenbetont und somit relativ roh. Der Song geht so in die Love Is Strong Richtung.

Bisschen was funkiges fand man auf den letzten Alben immer und das bleibt auch hier nicht aus. Rain Fall Down macht den Anfang und wie üblich darf Keith ein paar Mal dazwischen lärmen. Ansonsten groovt man vor sich hin, mit der "Programming"-Unterstützung von Matt Clifford, die sich aber angenehm im Rahmen hält. Nicht schlecht, aber Anybody Seen My Baby hatte den besseren Refrain.
Streets Of Love als erste Single war mir schon gleich ein Greuel. Ja, man weiß es ja, dass solche Balladen dem Mick Jagger gefallen und er macht es ja auch gut, aber wenn er sie auf seinen Soloscheiben lassen würde, wäre ihm auch niemand böse.
Oh ja, da bauschen sich die Synthie-Strings gewaltig auf und... brrr...
Ah ja, da kommt mir Back Off My Hand schon bedeutend mehr entgegen. Blues mit Jaggers Harmonica und, ja, sogar die Slide-Gitarre spielt er selbst. Solche Sachen hatten sie sonst immer nur für die Single B-Seiten ausgewählt. Da fühlt man sich ja fast an selige You Gotta Move Tage erinnert. Sir Jagger kann sich ein paar "Oh yeah's" im Stile eines Muddy Waters nicht verkneifen und ebensowenig denn Bass, den er hier auch noch übernommen hat. Keith, mit seinen typischen Licks, kann er ja noch nicht ganz ersetzen, aber wartet's ab: It's coming!

Zünftig schunkelt She Saw Me Coming nach rechts und links, als wenn man in einem englischen Pub beim Sing-a-long wäre. Da gibt's keinen richtigen Anfang und kein richtiges Ende - es wogt halt, wie bei einer Jam-Session, vor sich hin.
Ohne Micks Kopfstimmen-Geheule wäre Biggest Mistake gar keine schlechte Country-Rock Ballade. So im Stile von Sweethearts Together, aber sogar noch schöner und einfallsreicher gespielt.
Keith Richards ist ja längst nicht mehr für die 'Happy' Rock'n'Roll Nummern zuständig, sondern mehr für die whiskeydunstgeschwängerten Late-Night-Balladen. So auch bei This Place Is Empty, mit gewohnt brüchiger Stimme, irgendwo zwischen All About You und Thru And Thru und mit seinem ganz eigenen Charme, den man entweder mag, oder eben nicht. Ich mag's.
Schon bei der Ankündigung von Album und Tour wurde Oh No Not You Again angespielt und viele dachten genau das. Aber es rockt richtig geil und gehört zum Besten auf diesem Album. Ähnlich You Got Me Rocking nur mit erhöhtem Drive. Plattitüden wie "the moon is yellow, I'm like jello" und sexistische Zeilen wie "staring down your tits" sieht man Mick gerne nach. Zumal wenn's so gut ab geht.
Die Dangerous Beauty stolpert zwar langsamer aber nicht weniger engagiert, im I Go Wild-Stil hinterher und erneut lässt sich Keith zu einem Solo, fragmentarisch wie es nur er kann, herab. Auch der Song hat 'Balls'.
Wenn schon Jagger-Balladen, dann doch am liebsten so wie Laugh, I Nearly Died. Liegt irgendwo zwischen Out Of Tears und Already Over Me und in dem Genre macht ihm so leicht keiner was vor. So aufgesetzt überzeugend schauspielert sonst keiner. Schön, dass alles klar, sehr "offen" klingt, jedes Instrument gut zu hören ist, kein Zugekleistere stattfand und der Sound durchgehend recht puristisch ist.

Sweet Neo Con hat ja bereits für reichlich Zündstoff gesorgt. Ich nehm' das Mick Jagger ab, was er dem amerikanischen Präsidenten da an den Kopf wirft, meint er auch so. Ich darf noch mal dran erinnern, dass die Stones damals schon den ersten Golf-Krieg mit ihrem Song Highwire anprangerten (als eine der wenigen Bands) und damals auch in England und den USA aus dem Radio verbannt wurden. Es wird die Stones einen feuchten Dreck scheren. Sie strecken den Kritikern die rote Zunge raus und ziehen weiter ihre Kreise.
Musikalisch ist die Nummer nix besonders, entwickelt aber eine hypnotische Anziehungskraft.
Bei Look What The Cat Dragged In ist dann wieder Funky-Time angesagt. Das Riff hat ja bereits INXS gute Dienste getan und so frischen die Stones das einfach noch mal auf und mixen ihren eigenen scharfen Senf dazu, inklusive verschärften Gitarrensoli.
Genau dann, wenn man nach ein paar fetzigen Nummern eine Ballade erwartet, legt die Band mit Driving Too Fast einen weitern, dem Titel entsprechend gehetzten, Rocker hinterher. Erneut wird straight und ohne große Schnörkel der grobe Stones-Teppich gewebt.
Natürlich kommt noch der zweite von Keith Richards gesungene Titel. Infamy bewegt sich überraschenderweise in recht flottem Tempo und klingt, mit Ausnahme von Jaggers Mundharmonika, sehr stark nach dem ersten Solo-Album von Herrn Richards. Ein Überbleibsel?

Die großen, offensichtlichen Hits scheinen an diesem Album etwas vorbei gegangen zu sein, aber es weiß mit seinem drahtigen Sound und einigen guten Rockern doch zu gefallen. Es entgeht keinem, der beim oben genannten Album seine Sammlung beendet hat, was, aber wer sich auch für die Zeit nach 1980 interessiert, muss hier zugreifen. "A Bigger Bang" liegt, als Ganzes gesehen, von den letzten vier Scheiben der Band mindestens auf Platz 2.

Epi Schmidt, 18.09.2005

 

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