Rory Gallagher

Big Guns


CD-Review

Reviewdatum: 26.06.2005
Jahr: 2005

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Big Guns - The Very Best Of, Sony BMG, 2005
Rory Gallagher Vocals, Guitar, Harmonica, Brass
Gary McAvoy Bass
Richard McCrackin Bass (CD 1: Tracks 1 & 8 / CD 2: Track 2)
Brendan O'Neill Drums (CD 1: Tracks 1,6 & 7 / CD 2: Tracks 1 & 11)
John Wilson Drums (CD 1: Tracks 2 & 8 / CD 2: Track 2)
Rod de'Ath Drums (CD 1: Tracks 3,9,11 & 12 / CD 2: Tracks 3,4,5,6,9,10 & 12)
Ted McKenna Drums (CD 1: 4,5 & 10)
Wilgar Campbell Drums (CD 2: Tracks 7 & 8)
Lou Martin Keyboards
John Cooke Keyboards
Mark Feltham Harmonica
Geraint Watkins Piano Accordion
John Earle, Ray Bevis, Dick Parry Brass
Länge: 111 Min 59 Sek Medium: Do-CD
CD 1:
1. Big Guns7. Bourbon
2. What's Going On8. Sinnerboy
3. Tattoo'd Lady 9. Used To Be
4. Bad Penny10. Going To My Hometown
5. Shadow Play11. Bullfrog Blues
6. Kickback City12. Messin' With The Kid
CD 2:
1. The Loop7. Just The Smile
2. Born On The Wrong Side Of Time8. I'm Not Awake
3. A Million Miles Away9. Daughter Of The Everglades
4. Calling Card10. I'll Admit You're Gone
5. Out On The Western Plain11. The King Of Zydeco
6. Lonesome Highway12. They Don't Make Them Like You Anymore

Zehn Jahre sind bereits vergangen, seit der irische Ausnahmegitarrist Rory Gallagher verstarb (13.06.1995). Aus diesem Anlass wurde jetzt die Doppel-CD Box "Big Guns - The Very Best Of" veröffentlicht.
Nicht dass es seit Rory's Tod an CDs gemangelt hätte. Remasters, BBC-Sessions und Akustikwerke, um nur einige zu nennen, und von den DVDs gar nicht zu reden. Zum 10-jährigen Todestag ist allerdings schon eine Veröffentlichung angebracht.
Immerhin hat man bei der Covergestaltung dieser Best Of mehr Geschmack bewiesen, als bei der Akustikscheibe "Wheel Within Wheels". Ganz lassen konnten sie's aber doch nicht und so wurde auf Rory's Trademark-Stratocaster noch ein Bild des Gitarristen projiziert. Geschmackssache.
Insgesamt ist die Aufmachung gelungen. Feines Digipack im Pappschuber, 48-Seiten Booklet mit vielen Bildern, wenig Lobhudelei und viel Information über Rory's Einflüsse, Equipment Spieltechnik etc. Übernommen wurden diese Infos aus dem "Guitar Player Magazin".
Außerdem kommen die CDs als Super Audio CDs, mit neuem Mix, die sowohl in normalen wie in SA-CD Playern laufen.
Erhältlich ist aber auch eine Version im Jewel-Case, mit 32-seitigem Booklet. Wenn schon, sollte man sich die aufwendigere Version zulegen.

Erstmals karriereüberspannend, wird diese Werkschau beworben. Was ja auch stimmt. So etwas ist halt immer ein Kompromiss, der nie komplett befriedigen kann. Big Guns ist nicht gerade der typischste Gallagher Song, aber ist ob seiner Power natürlich ein guter Start in dieses Album.
Gleich What's Going On aus TASTE-Zeiten hinterher kommt auch gut. Das wird bei der immer noch zahlreichen Verehrern dieses Talents schon besser ankommen. Bei mir auch. Mit Sinnerboy (vom Live-Album "Live At The Isle Of Wight") und Born On The Wrong Side Of Time finden sich noch zwei weitere TASTE-Songs auf diesen Scheiben.
Zu den Highlights gehören die beiden 1974 im Brighton Dome live aufgenommenen Songs: Bullfrog Blues wie gewohnt mit ungeheurer Power und einer Band die richtig abgeht. Bei den Soli müssen Funken gesprüht haben! Und auch Messin' With The Kid reißt einen richtig mit. Es war wohl doch die beste Zeit Rory's. Nicht umsonst stammt das hochgeschätzte "Irish Tour '74" Album aus dem gleichen Jahr.

Mit der neuen Abmischung bin ich nur bedingt zufrieden. Lou Martins Solo in Tattoo'd Lady ist kaum noch zu hören. Bei Bad Penny hat man irgendwelche zusätzlichen Gitarrenspuren ausgegraben, die den Sound bloß indifferent machen und den ganzen Druck klauen. Bei Shadow Play ist die Stimme fast unangenehm weit in den Vordergrund getreten und bei Kickback City schneidet die akustische Gitarre wie ein Eierschneider durch den etwas mulmigen Sound. Continental OP wäre für mich sowieso die bessere Wahl vom Album "Defender" gewesen.
Used To Be stammt hier nicht vom Album "Deuce", sondern von den "BBC Sessions", was dem Song natürlich in keinster Weise schadet. Wie gesagt, die Songauswahl liefert Diskussionsstoff genug. Warum kein Laundromat? Wo ist das Moonchild? Wo Follow Me oder Wayward Child? Auch von seinen Rags ist nix zu hören. Etwa der Barley And Grape Rag oder der Pistol Slapper Blues.
Zugegeben, richtig kann man es da praktisch gar nicht machen. Wenn aber eine Doppel-CD eine Spielzeit von 112 Minuten hat, wäre schon noch Platz für ein paar Songs gewesen.

Richtig Spaß macht es wirklich, hier ein paar Titel von TASTE dazwischen zu haben und selbstverständlich solche Klassiker wie das unnachahmliche A Million Miles Away und den Publikumsfavoriten Out On The Western Plain. Außerdem das bluesig-jazzige Calling Card, das eine weitere Facette des Künstlers präsentiert.
Passenderweise endet das Album mit They Don't Make Them Like You Anymore in dem nochmals das Genie Gallaghers deutlich wird. Es scheint wirklich, dass solche Talente heutzutage nicht mehr "hergestellt" werden.
Der Sound ist natürlich Geschmacksache, aber die Fans kommen wohl an dieser Compilation nicht vorbei, nicht zuletzt wegen der schönen Aufmachung, und wer immer noch nichts, oder wenig, von Rory Gallagher im Regal hat, verschafft sich hiermit einen Überblick. Der Erwerb der Alben wird folgen.
Nicht vergessen darf man seine Mitstreiter, die großen Anteil an diesen Songs haben. Allen voran der Keyboarder Lou Martin und Haus- und Hofbassist Gary McAvoy (mittlerweile bei NINE BELOW ZERO), von dem übrigens in Kürze eine Biographie erscheint, in der er sich auch ausgiebig mit der Zeit mit Rory beschäftigt.

Epi Schmidt, 26.06.2005

 

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