Rory Gallagher

Blues


CD-Review

Reviewdatum: 31.05.2019
Jahr: 2019
Stil: Blues
Spiellänge: 186:39
Produzent: Rory Gallagher

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Plattenfirma: Universal Music


Redakteur(e):

Epi Schmidt


s. weitere Künstler zum Review:

Muddy Waters

Jack Bruce

Titel
CD 1:
01. Don‘t Start Me Talkin‘
02. Nothin‘ But The Devil
03. Tore Down
04. Off The Handle
05. I Could‘ve Had Religion
06. As The Crow Flies
07. A Million Miles Away
08. Should‘ve Learnt My Lesson
09. Leaving Town Blues
10. Drop Down Baby
11. I‘m Ready
12. Bulfrog Blues
CD 2:
01. Who‘ That Coming
02. Should‘ve Learnt My Lesson
03. Prison Blues
04. Secret Agent
05. Blow Wind Blow
06. Banker‘s Blues
 
07. Whole Lot Of People
08. Loanshark Blues
09. Pistol Slapper Blues
10. Can‘t Be Satisfied
11. Want Ad Blues
12. Walkin‘ Blues
CD 3:
01. When My Baby She Left Me
02. Nothin‘ But The Devil
03. What In The World
04. I Wonder Who
05. Messin‘ With The Kid
06. Tore Down
07. Garbage Man Blues
08. All Around Man
09. Born Under A Bad Sign
10. You Upset Me Baby
11. Comin‘ Home Baby
12. Rory Talking Blues
Musiker Instrument
Rory Gallagher Guitar, Vocals, Harmonica, Mandolin
Gerry McAvoy Bass
Brendan O‘Neill, Rod de‘Ath Drums
Bob Andrews Piano
Lou Martin Piano, Guitar
Mark Feltham Harmonica
Jack Bruce Bass, Vocals on Born Under A Bad Sign
Albert King Guitar, Vocals on You Upset Me Baby
Geraint Watkins Piano on Born Under A Bad Sign
Chris Barber Trombone on Comin‘ Home Baby
Muddy Waters Vocals on I‘m Ready
Georgie Fame Piano on I‘m Ready
Carey Bell Harmoncia on I‘m Ready
Lonnie Donegan Vocals on Drop Down Boy
Zoot Money Piano on Born Drop Down Boy

Ein Rory Gallagher-Album schlicht “Blues“ zu betiteln, erweckt leicht den Eindruck der Einfallslosigkeit und kann durchaus als vermeintliche Billig-Produktion übersehen werden.

Auf den zweiten Blick, fällt aber zunächst das “Chess“-Qualitätslabel im rechten unteren Eck des Covers ins Auge und dann, wenn man darüber nachdenkt, realisiert man, dass der Albumtitel kaum passender sein könnte. “Blues“ - die große Konstante, die große Liebe des irischen Gitarristen. Wenn diese tollen “Bester Gitarrenspieler...“-Listen aufkommen, wurde Gallagher lange Zeit wenig erwähnt oder landete nicht auf den vorderen Plätzen.

In letzter Zeit habe ich den Eindruck, da hat sich ein bisschen was geändert. Vielleicht orientiert man sich wieder ein bisschen mehr zu den “Basics“? Oder ist es der immer öfter zitierte, angebliche, Hendrix-Spruch, der Gallagher als den besten Gitarristen der Welt ausweist? Sei es, wie es mag, so sehr durchgehend dem Blues verbunden, war und ist keiner seiner “Konkurrenten“.  Deswegen mach diese Veröffentlichung schon vom Namen her Sinn.

Und eine Million Meilen weg von einem lieblosen Billig-Sampler ist das Teil auch! Gleich drei Silberlinge mit 36 Songs  - 90% davon unveröffentlicht – beschert uns dieses Album. Ein Fest für Gallagher-Fans!

Ich hab schon eine Ewigkeit gebraucht, mir die erste CD anzuhören, allein, weil ich mir gleich den ersten Song, eine mitreißende Fassung des Blues-Boogies Don‘t Start Me Talkin‘, aufgenommen bei den Sessions zum 1982er “Jinx“-Album immer wieder von Vorne anhören musste. Gallagher ist, neben seiner tollen Slide-Gitarre, hier auch an der Harmonica zu hören und Bob Andrews spielt das Boogie-Piano. Geiler Einstieg!

Sprung zurück, ins Jahr 1975 (“Against The Grain“-Session) und der herrliche Nothin‘ But The Devil-Blues.  Natürlich mit Lou Martin am Piano und der legendäre Rod de‘Ath am Schlagzeug. Eine weitere, meisterliche Demonstration von Gallaghers Feeling und seinem absolut einzigartigen Gitarren-Ton.

Noch ein Schritt weiter zurück, zu Tore Down, bei den “Blueprint“-Sessions (1973) mitgeschnitten. Gleiche Besetzung, aber der Sound noch deutlich die “Frühzeit“ Gallaghers. Nicht so hart und ein jazzigeres Feeling.

So könnte man jeden Song herausgreifen, denn alle sind für mich Highlights. Ruhig mal lauter aufdrehen, damit man hier in den vollen Genuss kommt!  I Could‘ve Had Religion, 1972 bei einer Radio-Session aufgenommen (Lou Martin hier an der Rhythmus-Gitarre!) begeistert ebenso, wie einen A Million Miles schier zu Tränen rührt. Ist es nur mein Empfinden, oder spielt Gallagher (und seine einzigartige Band natürlich!) diesen Klassiker bei dieser BBC-Session aus dem Jahr 1973 besonders beseelt? Der Klang seiner Gitarre lässt mich ein ums andere Mal ungläubig den Kopf schütteln. Bei zwei Songs ist Gallagher als Gast-Gitarrist vertreten: Auf I‘m Ready (Muddy Waters‘ “London Sessions“, 1971) und Lonnie Donegans Drop Down Baby (Album “Puttin‘ On The Style“, 1978).

Eine Besonderheit von Rory war, dass er, lange vor dieser ganzen Unplugged-Welle, auch ein Akustikgitarrist war. Und das nicht nur im heimischen Wohnzimmer, sonder auch von Beginn an auch im Konzert. Und eine weiter Besonderheit war, dass er damit keine Spielzeit überbrückte, sondern damit genauso mitreißen konnte, wie mit seiner E-Gitarre. Zeugnis davon liefert die zweite CD ab, auf der er fast komplett Solo zu hören ist. Lou Martin am Piano ist auf Prison Blues und auf Banker‘s Blues vertreten, Mark Felthams Harmonika in Walkin‘ Blues zu hören.

Herausragend – sofern man einzelne Songs hervorheben kann – ist für mich das Trio aus Secret Agent (Irish TV, 1976) Muddy Waters‘ Blow Wind Blow (Cleveland, Radio Session, 1972) und Banker‘s Blues (Outtake aus den “Blueprint“-Sessions). Gerade letztgenannter Song gehört zu meinen Lieblings-Gallagher-Stücken – sofern man einzelne Songs hervorheben kann… - und erneut zaubert der Irish-Man ein Lächeln auf mein Gesicht. Ich behaupte, auf der elektrischen Seite können Hendrix, Clapton, etc. vielleicht mit  ihm konkurrieren, aber alleine auf dem Barhocker mit der Akustischen in der Hand, kann keiner so gut unterhalten, wie Rory.

Und wie live bei Rory Gallagher die Funken flogen, weiß jeder, der ihn einmal erlebt hat. Ein Audio-Mitschnitt ist da nur die halbe Miete, aber selbst da setzen er und seine Band Maßstäbe. Man braucht auf der dritten Scheibe nur mal bei When My Baby She Left Me die Gitarre aus seinem Kopf ausblenden (ich weiß, ist schwer) und sich dem Bass-Spiel von Gerry McAvoy und den Drums von Brendan O‘Neill zu widmen. Allein den Zweien könnte ich stundenlang zuhören.

Die ersten drei Nummern stammen vom 1982er Konzert im Glasgower Apollo (wir erinnern uns der Ausnahme-Atmosphäre auf QUOs “Live“-Doppelalbum) und besonders bei What In The World treiben die Schotten den Iren zu einem weiteren Glanzlicht.

Wer‘s richtig abgehmäßig braucht, dem sei Messin‘ With The Kid, vom 1977er Sheffield-Konzert empfohlen. Lou Martin hebt mit seiner Orgel den Boden an und Gallagher schießt durch die Decke. Tore Down, aus dem gleichen Jahr (scheint ein besonderes gewesen zu sein) steht dem kaum nach.

Auch auf der “Live-CD“ finden sich ein paar Kollaborationen. Bei Born Under A Sign ist Rory zusammen Jack Bruce beim 1991er Rockpalast-Konzert zu hören. Jacks typisches Bass-Spiel übertönt Rory zum Teil, aber das Zusammenspiel der beiden ist trotzdem genial.

1976 gastierte Gallagher bei Albert King. Die unveröffentlichte Fassung von You Upset Me Baby macht nicht nur den beiden Gitarristen Spaß, sondern auch dem Zuhörer. Chris Barber steuert zu Comin‘ Home Blues Old School-Brass-R&B bei. Auch das kommt richtig gut. Den passenden Schluss liefert Rory Talkin‘ Blues, wenn Rory Gallagher im Interview einfach nur über den Blues, seine Einflüsse, seine Vorbilder spricht. Seine Leidenschaft dafür, hört man aus jedem seiner Worte, wie aus jedem seiner gespielten und gesungenen Töne zuvor. Rory Gallagher - “Blues“. Eine Einheit. Ein Erlebnis.

 

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