Rory Gallagher

Irish Tour '74


DVD-Review

Reviewdatum: 06.04.2011
Jahr: 2011
Stil: Blues Rock

Links:

Rory Gallagher Homepage

Rory Gallagher @ facebook



Redakteur(e):

Frank Ipach


Rory Gallagher
Irish Tour '74, Eagle Vision, 2011
Rory GallagherGuitar, Vocals, Harmonica
Gerry McAvoyBass
Rod De'AthDrums
Lou MartinPiano
Produziert von: Tony Palmer (Director) Länge: 123 Min 00 Sek Medium: DVD

Regisseur Tony Palmers "Irish Tour '74", die den unvergessenen irischen Bluesrock-Gitarristen Rory Gallagher auf dem Zenit seines Könnens zeigt, liegt nun endlich in einer restaurierten Fassung auf DVD und BluRay vor. Sowohl der Ton als auch das immerhin schon 36 Jahre alte Bildmaterial wurden vorsichtig bearbeitet, um diesen wahrhaft historischen Aufnahmen etwas mehr Glanz und Durchschlagskraft zu verleihen.

Tony Palmer (Jahrgang 1941), bis zum heutigen Tage als Filmemacher aktiv, hatte in den Jahren zuvor bereits einige Erfahrungen mit dem Sujet Musikfilm-/dokumentation sammeln können, zeichnete er doch u.a. verantwortlich für Streifen wie "Farewell Concert" (CREAM), "200 Motels" (Frank Zappa) oder "Ginger Baker in Africa".
1974 als Rory Gallagher schon stolz auf fünf Soloalben zurückblicken konnte und mit "Tattoo" grad eins seiner besten Lp's vorlegte, zudem vom britischen Melody Maker zum besten Gitarristen gekürt wurde, beobachtete Tony Palmer die junge Rory Gallagher Tour-Band in ihrer irischen Heimat. Irland, hier besonders Belfast, arg gebeutelt von politisch-religiösen Scharmützeln und Auseinandersetzungen empfing den Sohn des Volkes wie einen Helden. Die Publikumsreaktionen sind extrem emotional aufgeladen und ekstatisch. Gallagher, der es als einer der wenigen Musiker wagte, in dieses bürgerkriegsähnliche Szenario vorzudringen wurde seinerzeit tatsächlich angehimmelt und verehrt. 1974, als das Genre Bluesrock noch Hunderttausende von Platten verkaufte, und Gitarristen wie Robin Trower, Johnny Winter, Jimmy Page, Paul Kossoff und Alvin Lee fast schon zum Mainstream gehörten, galt eine derartige Starverehrung als nicht ungewöhnlich.

Tony Palmers Film, der Irlands Stimmungen und Strömungen dieser Epoche geschickt einfängt, wirkt hier tatsächlich mehr wie ein Zeitdokument als ein Musikfilm. Die Zerrissenheit, der harsche Kontrast zwischen Irlands landschaftlicher Schönheit und den verwirrenden Kämpfen zweier verfeindeter Ideologien wird mit Gallaghers Musik unterlegt. Die Konzerteindrücke mit Songs wie Tattoo'd Lady, Walk on hot coals, Cradle Rock, As the crow flies und Million miles away spiegeln eine immense Intensität wider, sowohl bei Gallagher, Gerry McAvoy, Rod de'Ath, Lou Martin und dem schier ausflippenden Publikum. Die Nahaufnahmen, die Rorys Mimik während einiger längerer Gitarrensoli hautnah einfangen, zeugen von Gallaghers absoluter Hingabe, Leidenschaft und Versunkenheit.

Der Film zeigt die Band neben allen Konzerteindrücken auch Backstage und fängt die Impressionen einer nicht gerade glamourös wirkenden Konzertreise authentisch ein. Gallagher selbst bestätigt während diverser Interviewpassagen, die jeweils Einblicke auf seinen musikalischen Background und seine frühe Karriere geben, die ihm zeitlebens bescheinigte sympathisch freundliche und eher zurückhaltende Art.
Man darf ihn u.a. auf einer After-Show-Party mit bierseligen Landsleuten beobachten, begleitet ihn beim Testen von diversen Saiteninstrumenten in einem Musikgeschäft oder schlendert gemeinsam mit ihm einfach nur durch die teils schroffe, teils liebliche irische Landschaft.

Im Bonusteil dieser DVD bzw. BluRay wird es für Rory-Fans noch einmal richtig interessant: Man hat ein altes TV-Feature aus dem Jahre 1972 ausgegraben und zeigt die Gallagher Band im Trio (mit Rod de'Ath als absoluten Neuling und frischen Ersatz für Wilgar Campbell) während sie das rasende Publikum des 'Savoy Cinema' in Limerick mit Songs wie Laundromat und Bullfrog Blues aufmischen.
Die zweite filmische Zugabe zeigt Reiseindrücke der 1974er Japan Tournee, die offenbar mit der bandeigenen Super-8 Kamera eingefangen wurden. Das angebotene, qualitativ doch recht bescheiden daherkommende Material, wirkt eher amateurhaft als professionell, besitzt jedoch aufgrund seiner historischen Relevanz einiges an Charme.

Frank Ipach, 03.04.2011

 

(C) 2008 - 2019 by Hooked on Music