Rossington Collins Band

Anytime, Anyplace, Anywhere - This Is The Way

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 20.10.2010
Jahr: 1999
Stil: Southern Rock

Links:

Rossington Collins Band Homepage



Redakteur(e):

Christian Gerecht


Rossington Collins Band
Anytime, Anyplace, Anywhere - This Is The Way, BGO Records, 1980/1981/1999
Dale KrantzLead Vocals
Gary RossingtonLead & Rhythm Guitars, Slide
Allen CollinsLead & Rhythm Guitars
Barry HarwoodLead & Rhythm Guitars, Slide, Vocals
Billy PowellPiano & Keyboards
Leon WilkesonBass
Derek HessDrums & Percussion
Produziert von: Gary Rossington, Allen Collins & Barry Harwood / Gary Rossington, Allen Collins & The Rossington Collins Band for Rosco Production Ltd Länge: 87 Min 50 Sek Medium: CD
Anytime, Anyplace, Anywhere:
01. Prime Time06. Getaway
02. Three Times As Bad07. Winners And Losers
03. Don't Misunderstand Me08. Misery Loves Company
04. One Good Man09. Sometimes You Can Put It Out
05. Opportunity
This Is The Way:
01. Gotta Get It Straight06. Don't Stop Me Now
02. Tashauna07. Seems Like Every Day
03. Gonna Miss It When It's Gone08. I'm Free Today
04. Pine Box09. Next Phone Call
05. Fancy Ideas10. Means Nothing To You

Nur die ihrer Band nahe stehenden LYNYRD SKYNYRD Freunde und Fans werden sich vielleicht noch an die Monate nach dem 20.10.1977 erinnern. Nach dem tief sitzenden Schock des damals unfassbaren Flugzeugabsturzes folgte eine graue, überaus schwermütige Zeit. Das Entsetzen über dieses schreckliche Unglück war jedoch nur eine Seite, die Zweite ging mit einer regelrechten Desillusion einher, denn die Südstaatler, die der ganzen Welt gezeigt hatten, wie genial Rockmusik in Dixieland interpretiert werden konnte, hatten in den Augen des damals 17-jährigen Schreibers zum zweiten Mal ihre Unabhängigkeit verloren. Erst die Lehrjahre des Lebens zeigten (übrigens sehr schnell und teils ziemlich hart), dass solche Unglücke nicht nur unter Rockmusikern grassierten, sondern auch abertausende an Familien auseinander rissen. Allein die Unfalltoten im Straßenverkehr der damaligen BRD beliefen sich über Jahre hinweg um die Zahl 10000 per Anno!
Trotzdem vergingen die Wochen und Monate nach dem Auseinanderbrechen einer der größten Rockbands aller Zeiten, mit einer entsetzlich, bleiernen Schwere. Laufbahnprüfungen, der Führerschein, dass Auseinanderbrechen der ersten großen Liebe und zuletzt auch der bevorstehende Wehrdienst fielen in jene Zeit, die großteils wie in Watte gepackt zu verlaufen schien. Eines war jedoch überdeutlich: MOLLY HATCHET und die OUTLAWS, CHARLIE DANIELS oder die Bärte waren kein wirklicher Ersatz für die verloren gegangenen LYNYRD SKYNYRD.
Doch dann, es muss gegen Ende 1979 gewesen sein, regte sich was. Tief im Herzen Florida's kam das Gerücht auf, die überlebenden LYN SKYN Mitglieder würden sich neu formieren. Richtig glauben mochte man das nach dem seinerzeit veröffentlichten Unfallbericht nicht. Ronnie Van Zant tot, Allen Collins und Gary Rossington schwerstverletzt, Leon Wilkeson und Leslie Hawkins schwerverletzt, Steve und Cassie Gaines tot; Billy Powell und Artimus Pyle schwerverletzt. Die Verletzungen der Überlebenden und Toten lesen sich heute wie damals wie ein Horrorszenario der Inquisition und sollen den Lesern weitestgehend erspart bleiben.
Dem Vernehmen nach hatte es Allen Collins am schwersten getroffen und nur seinem umsichtigen Vater hatte er es zu verdanken, dass ihm der zerfetzte rechte Arm nicht, wie von den Ärzten vorgeschlagen, amputiert wurde. Das gleiche Prozedere war für Leon Wilkesons linken Arm geplant. Auch dessen Vater wusste eine Amputation zu verhindern. An Rossington gab es keinen Knochen zwischen Kopf und Fuß, der nicht gebrochen war. Zudem erlitt er, wie auch Leslie Hawkins und Billy Powell, schwere Schnittverletzungen im Gesicht. Billy Powell war fast die ganze Nase abgetrennt worden. Er blieb aber weiters relativ unverletzt. Zusammen mit Artimus Pyle, der u.a. einen offenen Rippenbruch erlitten hatte, konnte er sich aus den Trümmern befreien und Hilfe in das sumpfige, abseits liegende Absturzgebiet bei Gillsburg/MS. holen. Da stellte sich also schon mal die Frage, wie dieser überlebende Haufen an Broken Bones je wieder an vormalige Erfolge anknüpfen sollte?
Es blieb, trotz dieser an sich freudigen (übrigens von Good Ol' Charlie Daniels in die Welt gesetzten) Gerüchte aus dem Herzen Florida's, ein großes Fragezeichen - und für den Schreiber begann kurz darauf ein langer Weg durch Wehrdienst und Bundeswehrzeit.

Ein gutes halbes Jahr später. Frühsommer 1980. Charlie Daniels Gerüchte bestätigten sich. Die alten LYN SKYN Recken hatten sich tatsächlich neu formiert. Dass dies nicht unter dem alten Bandnamen erfolgen konnte, war allerdings nicht der Tragik des Flugzeugabsturzes geschuldet, sondern lag allein an den Rechten der Familie Van Zant. Informationen darüber gab es damals nur sehr wenige bis gar keine, aber immerhin war in den führenden Plattenläden unter jener neu gegründeten ROSSINGTON COLLINS BAND ein Album Namens "Anytime, Anyplace, Anywhere" vorzubestellen. Was für eine Sensation! Und keine Frage, es wurde vorbestellt! Eine gefühlte Ewigkeit später lag die Scheibe in der Auslage des Kasernen nahen Plattenladens. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich, ziemlich aufgeregt, die nagelneu erworbene LP auf den Teller meines (bis heute) unkaputtbaren Dual P 80 "Koffers" zitterte und wie groß erstmal das Erstaunen war, dass eine Frau die Leadvocals übernommen hatte. Dann aber wurde die Scheibe rasend schnell ein Lichtblick in trüben Bundeswehrzeiten. Dale Krantz am Mikro überraschte wohl einige, denn es ging ein vernehmbares Raunen durch den Musik-Blätterwald. Aber mal ehrlich, was hätte die Band um die beiden Masterminds Collins und Rossington denn tun sollen? Einen Ersatz für Ronnie Van Zant zu finden war unmöglich. Den gibt es bis heute nicht! Das naheliegendste, nämlich auf den jüngsten Spross der Van Zants zurückzugreifen, war zu dieser Zeit irgendwie undenkbar. Zum Einen bastelte Johnny Van Zant schwer an seiner, von seinem großen Bruder Donnie unterstützten, Solokarriere, zum Anderen waren ihm die Schuhe, die Ronnie hinterließ, damals schlicht ein paar Nummern zu groß. Über die Sangesleistungen von Donnie Van Zant gibt es nicht viel zu berichten (wobei ich betone, rein überhaupt nichts gegen den Mann zu haben), seine Stimme war und ist aber nun mal die schwächste der Van Zant Brüder und zudem war Donnie schon damals als Frontmann von .38 SPECIAL unterwegs.
Nein, der Break, so war zu vermuten, musste für Rossington und Collins ein richtiger sein. Was lag da also näher, etwas ganz Neues auszuprobieren?! Die sehr junge und sehr schnuckelige Dale war Ende der 70er Backgroundsängerin bei .38 SPECIAL und Rossington hatte damals schon ein Auge auf die stimmgewaltige junge Dame geworfen (primär wohl aber wegen ihrer anderen Qualitäten - weshalb er sie dann später auch ehelichte). Jedenfalls konnte dieser, für eine Southern Rock Band durchaus gewagte Schritt, eine Frau ans Mikro zu stellen, nach kurzer Eingewöhnungszeit als gelungen betrachtet werden. Zudem konnte sich Dale Krantz ja auch als Texterin profilieren.

Aber lasst uns, nach all der Historie, endlich zur Musik kommen. "Anytime, Anyplace, Anywhere" ist derzeit nur im (überaus sinnvollen) Doppelpack zusammen mit dem zweiten Output der Band, "This Is The Way" erhältlich, weshalb beide Scheiben zugleich besprochen werden sollen. "Anytime, Anyplace, Anywhere" eröffnet mit dem fetzenden Prime Time, einem typischen, drauflos rockenden Rossington/Collins Take, das so ein klein wenig nach LYN SKYNs Gimme Three Steps schielt. Ihm folgt die herausragende Ballade Three Times As Bad aus der Feder von Allen Collins (Text Dale Krantz). Ein Song von ganz großer musikalischer Klasse, der nur in einigen Parts an Dale's zu aufgesetzt wirkender Stimme (imitiert sie womöglich Janis Joplin?!) zu leiden hat. Das soll aber beileibe keine böse Kritik sein, denn die Nummer ist wirklich hervorragend!
Don't Misunderstand Me ist ein knapp am Mainstream schrammendes Duett. Gesungen von Dale Krantz und Barry Harwood (dem damals dritten Gitarristen), lebt der Song in erster Linie durch die beiden höchst unterschiedlichen Stimmen, gefällt aber zudem durch schöne Tempiwechsel. Ganz anders die wunderschön treibende Mid-Tempo Nummer One Good Man (Rossington/Collins). Ein Song, der sich, einmal gehört, für immer im Gedächtnis festsetzt, der herrliche Gitarrenläufe und -soli parat hält und Billy Powell mit ungewohnt neuen Keyboardklängen zeigt. Auch Opportunity, mit dem Barry Harwood (plus Billy Powell als Co-Autor) seinen Einstand als Komponist feiert, ist ein sehr gut gelungener Song. Obwohl mehr im Classic Rock angesiedelt, ist er Dale Krantz dennoch wie auf den Leib geschneidert.
Das folgende Getaway könnte man fast schon als Longtrack bezeichnen. Eine überaus abwechslungsreiche Komposition (geschrieben von Billy Powell, mit Harwood als Co-Autor), die in ihrem Grundmuster tief in LYNYRD SKYNYRD wurzelt, feine Double Lead Läufe bereit hält und mit treibenden Groove und Billy Powells erstklassigen Pianospiel punktet. Eine ganz reizvolle Nummer! Viel kerniger und mächtig "Southern-like": Winners And Loosers! Ein Song den man am ehesten wieder der alten Männer-Riege aus Jacksonville's Westside zuordnen könnte, wenngleich er auch ein wenig dem 1980er Zeitgeist angepasst ist (will sagen, zu LYN SKYN Zeiten wäre der Song um einiges rauer gewesen)! Gleiches gilt für Misery Loves Company. Im Grunde eine wirklich prima Nummer; nur ein bisschen zu glatt eben.
Ganz großartig kommt dagegen Sometimes You Can Put It Out daher. Ein klassischer Rocker, der sich hintergründig ins Ohr shuffelt und ebenfalls für immer dort abgespeichert ist. Getragen von Allens und Barrys Gitarren, von Garys feiner Slide und Billys klasse Honky Tonk Piano, geerdet von Leons Bass und Derek Hess' Drums, treibt die Nummer dahin wie der Niagara River kurz vor dem Fall. Der fast schon laszive Gesang von Dale Krantz setzt dem Ganzen ein Krönchen auf. Ich liebe diesen Song ganz besonders, weil hier niemand unter dem Zwang zu stehen scheint, sich selbst oder den Anderen etwas beweisen zu müssen. Ein fantastischer Rausschmeißer; es rockt und rollt, dass es eine Freude ist!

Dass "Anytime, Anyplace, Anywhere" für Allen Collins den Anfang vom Ende darstellen sollte, war bei Erscheinen des Albums überhaupt nicht abzusehen. Seine (wirklich geliebte!) Frau Katy verstarb während der ersten Tour der ROSSINGTON COLLINS BAND an einem Blutsturz. Weshalb es dazu kam, ließ sich aus den Medien nie erfahren. Allerdings sind die Vorerkrankungen, die dazu führen können, bei einem so jungen Menschen nur in seltensten Fällen gegeben. Wenn dieser Blutsturz jedoch in Folge einer Schwangerschaft aufgetreten sein sollte (was jetzt aber wirklich nur eine reine Vermutung - aber so abwegig nicht ist), wäre das ein doppelt harter Schicksalsschlag für Allen Collins gewesen. Wie sehr er sein Mädchen liebte, kann seiner Widmung im Booklet der DoCD entnommen werden. Und umso greifbarer werden selbst heute noch der Schmerz und die Tragik, die Allen ereilten; die aus dem spindeldürren, durch seine sympathisch-zappelige Art, ungemein liebenswerten Bühnenderwisch von LYNYRD SKYNYRD ein depressives Häuflein Elend machten. Wie sehr hätte man ihm aus heutiger Sichtweise eine Psychotherapie zur Aufarbeitung dieser Schicksalsschläge gewünscht. Doch in den 1970er und 80er Jahren war dies, nicht nur in Kreisen von Rockmusikern, ein Ding der Unmöglichkeit.

Mit all dieser Tragik und Finsternis die Allen Collins heimsuchte, wenden wir uns dem zweiten Output der ROSSINGTON COLLINS BAND zu. "This Is The Way" erschien etwa zehn Monate nach dem Tode Katys und war, von der ganzen Band übrigens, allein Allens Frau gewidmet. Was wundert es da, dass "This Is The Way" insgesamt sehr düster ausfiel und von der Art-Work bis hin zu vielen Songthemen direkten Bezug auf die Schicksalsschläge von Allen Collins und LYNYRD SKYNYRD nahm? Dennoch gilt die Scheibe, nicht zu Unrecht, dem Debüt der RCB gleichsam das Wasser reichend.
Schwermut, Trauer, Dunkelheit; tiefe und tiefste Emotionen sind also die Synonyme, die "This Is The Way" zu großen Teilen bestimmten. Zugleich stellte sich mit dem ersten Hören der damaligen LP eine regelrechte Lähmung ein. Nicht der Musik wegen, nein, es war das manifeste Gefühl, davon ausgehen zu müssen, dass mit "This Is The Way" das frühe Ende der ROSSINGTON COLLINS BAND eingeläutet wurde...
Wer sich dann in Songs wie Tashauna, Seems Like Every Day, Next Phone Call oder Don't Stop Me Now hinein hörte und las, kann sicher auch heute noch nachvollziehen, wie es ist, wenn Gänsehaut nach innen wächst, dass Mund und Rachen trockener sein können als die Wüste Gobi, ein halbmeter dicker Kloß problemlos in den Hals passt und sich der Kopf ob all dieser Unfassbarkeiten immer und immer wieder von alleine schüttelt...
Tashauna, mehr als alle anderen Songs für Katy Collins geschrieben, lässt spüren, wie tief betroffen die Mitglieder der ROSSINGTON COLLINS BAND über deren frühen Tod und Allens Schicksal waren. Eine unendlich traurige Ballade über das einst immer fröhliche Mädchen an Allens Seite.
Ebenso tief berührend auch das gospelartige, von Barry Harwood geschriebene, Pine Box; ein Song, der mich auch heute noch zu Tränen rührt. Dagegen ist das folgende Fancy Ideas ein trotziger, von Harwood und der Groove-Abteilung Wilkeson und Hess in Szene gesetzter, Kracher, der sich zwar unbändig nach vorne bewegt, gegen die unendliche Trauer aber anschlägt, wie der Atlantik an Florida's Küste. Die verbleibenden Tracks sind (ich mache es kurz) allesamt glaubwürdig-bollernde Southern Rock Songs ohne Fehl und Tadel. Viele mit dem durchaus erwarteten, manchmal regelrecht hintergründigen "Biss" - alle aber eben auch wie der Atlantik und die Küste...

Ein Zeichen, wie sehr Allen Collins mitgenommen war, ist in der Zahl der aus seiner Feder stammenden Songs zu finden. Auf "Anytime, Anyplace, Anywhere" schrieb er fünf Nummern, auf "This Is The Way" war es nur noch eine...!
Der Mann, der als einer der herausragendsten Gitarristen seiner Zeit gefeiert wurde, war gebrochen. Der Tod seiner Frau und das Flugzeugunglück zogen ihn immer weiter nach unten. Alkohol in Massen und Drogen ohne Ende konnten seine Trauer zu keiner Zeit kompensieren. Die damit verbundene Unzuverlässigkeit führte, einhergehend mit ein paar dummen Reibereien zwischen ihm und Krantz, zu immer mehr Querelen und letztlich zu einer schleichenden Auflösung der Band. Rossington und Krantz nutzten im Juli 1982 die Gelegenheit, setzten sich ab und heirateten. Die ROSSINGTON COLLINS BAND war Geschichte.
Mit einem rast- und ruhelosen Allen Collins an der Spitze wurstelten die verbliebenen Musiker in dessen gleichnamigen Band noch eine ganze Weile weiter. Doch leider blieb Allen, mit seinem einzigen Album unter dem Namen ALLEN COLLINS BAND (1983; "Here, There And Back"), der so nötige Erfolg verwehrt. Das Album hatte zwar seine Highlights, doch an den Blitzerfolg der ersten ROSSINGTON COLLINS BAND Scheibe, geschweige denn an den LYNYRD SKYNYRD Output mit ihm als Leadgitarristen konnte sie nicht heran reichen. Aber über diese sehr rare LP/CD wird sicherlich einmal an einem anderen 20. Oktober zu philosophieren sein...

Für Collins kam es, wie es wohl gerade nicht kommen musste. Von außen lässt sich vieles leicht anmahnen, aber nur ein bisschen mehr Vernunft, etwas weniger Leichtsinn, ein wenig mehr Verantwortung und alles hätte sich für Allen wieder hinbiegen können. 1986, ein Jahr vor der Reformierung von LYNYRD SKYNYRD, verursachte Allen Collins unter Alkoholeinfluss einen schweren Autounfall, der seiner damaligen Lebensabschnittsgefährtin Debra das Leben kostete und ihn selbst, querschnittgelähmt, an den Rollstuhl fesselte. Der Anfang vom Ende war damit endgültig besiegelt! Allen verfiel vollends dem Alkohol. Sein, durch den erneuten Unfall, ohnehin schwer angeschlagener Gesundheitszustand litt darunter immer mehr. Dass ihn "seine Band", die 1987 noch einmal den Schritt auf die Bühne und ins Studio wagte, nicht vergaß und ihn kurzer Hand als Tourmanager engagierte, konnte Allen Collins Leben nicht mehr in geordnete Bahnen lenken. Ich bin heute noch davon überzeugt, dass er dies auch gar nicht mehr wollte. Wer Collins einmal als hüpfenden Derwisch auf der Bühne sah oder gar noch selbst erlebte, der kann sich vielleicht annähernd vorstellen, wie unlebenswert sein Leben allein dadurch wurde, nicht mehr Gitarre spielen zu können. Die Last der Schuld, die er auf sich nehmen musste, tat dann wohl noch ihr Übriges. Allen Collins war zweifelsohne ein Bühnenmensch, doch hinter diesem Saitenhexer steckte ein sensibler, oftmals auch in sich gekehrter Mensch. Es ist sicher, dass dieser leichtsinnig verursachte Autounfall genauso an ihm zehrte wie jener unsägliche 20.10.1977; vielleicht sogar noch mehr...
Mit nur 37 Jahren starb Allen Collins am 23.01.1990 an einer Lungenentzündung, die mit seiner, durch den Autounfall ohnehin eingeschränkt leistungsfähigen Lunge, leichtes Spiel hatte. Er ist neben seiner Katy (und wie nun auch Ronnie Van Zant) in seiner Heimatstadt Jacksonville beerdigt.

Kehren wir in einer kleinen Schlussbetrachtung nochmal zurück zur DoCD "Anytime, Anyplace, Anywhere" und "This Is The Way": Unter dem Strich waren beide Scheiben zwei sehr solide Alben, die in der hier besprochenen Ausführung zudem ein ordentlich gestaltetes Booklet mit allen Texten und schön zu lesenden Linernotes aufweisen. Dass die ROSSINGTON COLLINS BAND nur in einzelnen Songs tatsächlich an an den großartigen Output der LYN SKYN Mk I und Mk II Besetzung herankam, soll dabei nicht weiter stören. Alle Bandmitglieder, die den 20.10.1977 überlebten, waren danach andere Menschen, verdräng(t)en das Erlebte bis heute (siehe Rossington) mit Alkohol und Drogen. Wie sollten sie, auch unter der Reaktivierung LYNYRD SKYNYRDS in 1987, jemals nochmal solche Musik machen können, wie vor dem Unglück? Aus heutiger Sicht liegen die beiden Scheiben der ROSSINGTON COLLINS BAND qualitätsmäßig jedenfalls in den meisten Fällen VOR dem Output der reformierten LYNYRD SKYNYRD Group. Getoppt, wie ich (völlig wertfrei) meine, allenfalls von "Edge Of Forever" und "God & Guns"! Hört doch einfach mal rein in diese vergessenen Scheiben. Es muss ja nicht zwingend an einem 20. Oktober sein...!

-Weil ich mich aber gerade so schön in die Historie des 20. Oktober 1977, in LYNYRD SKYNYRD, die ROSSINGTON COLLINS BAND und speziell in Collins Schicksal hinein geschrieben habe, möchte ich es nicht versäumen all diese Gedanken ganz allein Allen Collins und seiner Kunst zu widmen. Er hat das mehr als nur verdient!
Fly on free bird...

Christian "Grisu" Gerecht, 19.10.2010

 

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