Rob Tognoni

Gwyn Ashton

Roth (bei Nürnberg), Kulturfabrik, 04.04.2001


Konzertbericht

Reviewdatum: 04.04.2001

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Redakteur(e):

Werner Saumweber


Roth (bei Nürnberg), Kulturfabrik, 04.04.2001

Wir kommen in die Halle. Mein Blick schweift über die Bühne, die für den Auftritt der Gwyn Ashton Band bereit ist. Mein Auge wird von einem Gestell am linken Rand angezogen. Dort sehe ich, jeweils mit dem Rücken zum Publikum: Eine Stratocaster, zwei Telecaster, eine Dobro. Da ich mich auf Gwyns Homepage informiert habe, ist dies das erwartete Bild. Desweiteren sehe ich zwei Fender Combos (Gwyn) nebeneinander und einen Hiwatt Tower für den Bassisten. Für das Arbeitsmaterial des Drummers bin ich der falsche Mann, darum ...

Gwyn kommt rein und greift zur Strat: Ein ziemlich altes Teil, dem oberen Teil des Bodies bis zum Schlagbrett fehlt jeglicher Lack, erst ab dieser Linie scheint er noch so einigermaßen vorhanden zu sein. Er stimmt nach und erzählt von den neuen Saiten. Klar. Alte, gebrauchte, werden kaum die Ziehorgien überstehen. Die Pickups der Strat sind Standard, wie man sehen kann. Der Sound ist dann wie erwartet: Strat mit Fender Combos. Sehr knackig und hell. Unter seinem Mikro sind seine Pedale montiert. Unter anderem auch ein Stimmgerät. Vor den Hauptsoli steigt er auf den Verzerrer, der gerade so eingestellt ist, dass der Sound leicht verzerrt und lauter ist. Passt eigentlich alles recht gut. Ansonsten fällt mir kein Effekt auf.

Gwyns Gitarrenspiel ist klar auf die Drei-Mann-Band ausgerichtet. Die Begleitakkorde werden mit Soli bereichert, etwas, was er ohne Zweifel perfekt drauf hat. Beim Begleiten seines sehr guten Gesanges hält er sich mit vollen Akkorden zurück, nützt sie nur für die Höhepunkte. Somit fällt der Sound beim Solo nicht zu sehr ab. Er macht dies tadellos, man kann es kaum besser spielen. Die Endlos-Schrubber auf der E-Oktave setzt er nur selten ein. Beeindruckend! Und seine Mitspieler sorgen dafür, dass keine Löcher entstehen.

Ein Freund kommt vom Bierholen zurück und fragt, ob Gwyn gerade das Wahwah benützt habe. Mitnichten, er erzielt einen ähnlichen Effekt, indem er den Volume-Regler mit dem kleinen Finger auf- und zudreht, und den Pickupschalter ziemlich wild hin und herschaltet. Interessant.

Für seinen ersten Slide-Song kommt die Tele Nr. 1 zum Einsatz. Selbige ist mit Normalstimmung (e,a,d,g,h,e) und somit absolut Boogie-tauglich. Mein Fenderfass ist inzwischen schon ziemlich gefüllt. Der Sound ist sehr hell und die Hohen klirren für mein Gibsonohr schon beträchtlich. Sein Slidespiel ist ohne Fehl und Tadel - Hut ab.

Die Dobrophase erlebe ich im Forum, da mein Mund nach Flüssigkeit lechzt, und weil ich der Chauffeur bin, ist es eine Cola. (Die Preise sind mehr als akzeptabel - 4 Märker für 0,4.) Auch hier macht das Slidespiel einen Großteil der Gitarrenarbeit aus. Sehr gut, auch wenn mir das Sustain etwas schwach scheint.

Beim Wechsel zur zweiten Tele wird sofort klar: Stimmung in G-Dur, Kapodaster auf den Fis-Bund, also wird es A-Dur im G-Dur-Sound. Es ist der drittletzte Song und Gwyn spielt eine Solo-Begleitung, die ihresgleichen sucht. Den Slidering auf dem kleinen Finger spielt der Bursche mit den anderen dreien Solo, dass jedem Gitarristen das Herz stehen bleibt. Wie kann das Teil an Ort und Stelle bleiben? Der muss doch einen Krampf im Kleinen kriegen, das gibt es doch nicht. Sollte man meinen, denn Gwyn packt das locker. Ich bin mehr als beeindruckt. Und die Tele klingt, dem Kleinen Gitarrengott sei's gedankt, nicht ganz so fenderig, weil ein Humbucker nahe am Steg montiert ist. Leider habe ich den Songtitel nicht mitbekommen, aber wer eine Demonstration des Slidespiels erleben möchte, dem sei dieser Song ganz nahe ans Herz gelegt. Für mich ist dies die beste Nummer. Auch der seelige Rory hätte dies kaum besser spielen können.

Mein Kumpel bestreitet zwar, dass die Zugaben lauter sind, aber ich lasse mich nicht beirren. Gwyn hat immer wieder runter zu seinem Panel gegriffen, am Combo ist er auch dreimal gewesen und hat gedreht und mir ist es mit jedem Mal lauter vorgekommen. Ich bleibe dabei, dass er dem Verzerrer mehr Volume gegeben hat. Entsprechend schütze ich so einige Sekunden lang mein Gehör. Wir sind ja gerade erst in der Mitte.

Die Umbaupause ist sehr kurz. Da die Amps auf den Böden der Transportkästen stehen, können sie schnell raus und reingerollt werden. Während Gwyn im rechten Teil der Bühne tätig gewesen ist, zieht Signore Tognoni den linken vor. Ein Peavey-, ein Fender- und ein Marshall-Combo stehen nebeneinander, davor lehnen zwei Strats, eine blau-glitzernde und eine schwarze, die wohl nur als Reserve dient, da sie während des Sets nicht zu Einsatz kommt. Die Blaue hat einen Humbucker als dritten Pickup (später erzählt mir Rob, "um den Sound etwas zu entschärfen").

Robs Songs kenne ich inzwischen so einigermaßen, was dem Genuss nur zu Gute kommt. Dass er eigentlich eine zweite Gitarre dabei haben wollte, ist seinem Spiel nicht anzumerken. Es ist schon erstklassig, wie er in die Begleitakkorde die Soli einbaut. Umsomehr, als seine Songs mehr komponiert und ausgefeilter sind. Beim Jim Beam Blues bin ich nicht der Einzige der mitsingt. Auch Revenge of the Monkeygrinder ist so einigen bekannt. Überhaupt hat er eine tolle Bühnenpräsenz. Zwei, drei deutsche Wörter, ein sympathisches Lachen und schon sind die ersten Reihen voll dabei. Nach dem Rest schaue ich mich nicht um.

Rob spielt seine Songs ziemlich original. Das Wahwah-Pedal kommt zum Einsatz, wohl dosiert, wo es zu erwarten war. Mark Williams, sein Bassist, steht seinem Kollegen Ben Christie vom Können her in nichts nach. Er bewegt sich etwas mehr, wippt im Rhythmus Zehe - Ferse - Zehe usw. Und es herrscht fast ständiger Blickkontakt mit Rob und Rick Lloyd; ein sehr gut eingespieltes Trio. Rob wirft immer wieder mal ein deutsches Wort ins Publikum, was sehr gut ankommt. Die Pausen zwischen den Songs sind sehr kurz, es geht richtig Schlag auf Schlag und für Langeweile ist bei diesem Powerrock absolut keine Gelegenheit. Ein Gag von Rob ist eine Solopassage, die er mit der Strat hinter dem Nacken spielt. Perfekt. Und dies erklärt auch das Nichtvorhandensein einer Les Paul.

Die schon angesprochene Zugabe Baby please don't go (THEM, 1966) hat mir damals schlaflose Nächte bereitet. Ich war schon froh, jeden zweiten Ton zu erwischen. Aber was Rob da spielt, treibt mir die Tränen in die Augen, während er dazu grinst, Grimassen schneidet und sich sichtlich köstlich amüsiert. Und mit welcher Power dieser Oldie dahinrast - eine Ohren- und Augenweide, und ein würdiger Abschluss.

Wie angekündigt stößt Gwyn zu Robs Trio. Er nimmt die Tele Nr 2, die inzwischen doch sehr verstimmt ist. Ein paar Sekunden und witzige Dialoge zwischen den beiden später, ist nur noch das Hohe E etwas zu tief, was Gwyn aber überhaupt nicht stört, und ab geht die Session.

Der Höhepunkt des Zusammenspiels der beiden: Hintereinander stehend, spielen sie auf der Gitarre des anderen. Gwyn muss seine rechte Hand schon ziemlich verrenken, um die Saiten von Robs Strat richtig zu erwischen. Und dann spielen sie Solo, als wäre dies das Normalste der Welt. Super. Wer es nicht weiß, mag kaum glauben, dass die beiden noch nie gemeinsam auf der Bühne waren.

Die Zugabe der Session zeigt uns die beiden Gitarreros ohne Begleiter. Sie spielen sich die Läufe zu, dann kommen sie zweistimmig, allererste Klasse. Dann bemerke ich, dass das Fenderfass überläuft und ich verziehe mich ins Foyer, zu Lucky und Cola, und beobachte durch die offenen Türen die letzten Minuten.

Die Lautstärke ist bis auf wenige Ausnahmen gut erträglich gewesen. Die Halle muss nicht zittern, damit Rockmusik gut klingt. Nein, der Sound bei beiden hat fast immer erkennen lassen, was Sache gewesen ist.

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