Rush

R40 Live

( English translation by Google Translation by Google )

CD & DVD-Review

Reviewdatum: 06.12.2015
Jahr: 2015
Stil: Progressive Rock

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Redakteur(e):

Marc Langels


Rush
R40 Live, Universal Music, 2015
Geddy LeeGesang, Bass & Keyboards
Alex LifesonGitarre & Gesang
Neil PeartSchlagzeug
Gastmusiker
Ben MinkVioline
Peter DinklageVioline
Produziert von: Dale Heslip & Allan Weinrib Länge: ca. 200 Min 00 Sek Medium: CD & DVD
CD-TracklistDVD-Tracklist
01. The World Is.. The World Is.. (Intro) (Disc 1)01. The World Is.. The World Is.. (Intro)
02. The Anarchist (Disc 1)02. The Anarchist
03. Headlong Flight (Disc 1)03. Headlong Flight
04. Far Cry (Disc 1)04. Far Cry
05. The Main Monkey Business (Disc 1)05. The Main Monkey Business
06. How It Is (Disc 1)06. How It Is
07. Animate (Disc 1)07. Animate
08. Roll The Bones (Disc 1)08. Roll The Bones
09. Between The Wheels (Disc 1)09. Between The Wheels
10. Losing It (With Ben Mink) (Disc 1)10. Losing It (With Ben Mink)
11. Subdivisions (Disc 1)11. Subdivisions
12. Tom Sayer (Disc 2)12. No Country For Old Hens (Einspieler)
13. YYZ (Disc 2)13. Tom Sayer
14. The Spirit Of Radio (Disc 2)14. YYZ
15. Natural Science (Disc 2)15. The Spirit Of Radio
16. Jacob's Ladder (Disc 2)16. Natural Science
17. Hemispheres: Prelude (Disc 2)17. Jacob's Ladder
18. Cygnus X-1/The Story So Far (Drum Solo) (Disc 2)18. Hemispheres: Prelude
19. Closer To The Heart (Disc 2)19. Cygnus X-1/The Story So Far (Drum Solo)
20. Xanadu (Disc 2)20. Closer To The Heart
21. 2112 (Disc 2)21. Xanadu
22. Mel's Rockpile (With Eugene Levy) (Disc 3)22. 2112
23. Lakeside Park/Anthem (Disc 3)23. Mel's Rockpile (With Eugene Levy) (Einspieler)
24. What You're Doing/Working Man (Disc 3)24. Lakeside Park/Anthem
25. One Little Victory (Bonus) (Disc 3)25. What You're Doing/Working Man
26. Distant Early Warning (Bonus) (Disc 3)26. Exit Stage Left (Einspieler)
27. Red Barchetta (Bonus) (Disc 3)27. One Little Victory (Bonus)
28. Clockwork Angels (Bonus) (Disc 3)28. Distant Early Warning (Bonus)
29. The Wreckers (Bonus) (Disc 3)29. Red Barchetta (Bonus)
30. The Camera Eye (Bonus) (Disc 3)
31. Losing With (With Jonathan Dinklage) (Disc 3)

Seit mittlerweile mehr als 40 Jahren ist das kanadische Trio RUSH eine feste Institution in Olymp des Progressive Rock. In den vier Dekaden haben Geddy Lee, Alex Lifeson und Neil Peart sich und ihre Musik so vielen Transformationen unterzogen und dabei so viele Generationen an Fans gewonnen, dass sie zu so etwas wie einer Institution geworden sind. Dummerweise tendiert der Mensch manchmal dazu, solche Bands etwas zu selbstverständlich zu nehmen und die Leistungen nicht entsprechend zu würdigen. Zum Glück ist dies bei RUSH nicht der Fall – vielmehr scheint es mir so, als ob die Musik-Fans in diesem Fall ganz genau wissen, was sie an der Band haben. Schließlich füllt das Trio nicht mehr nur in seiner nordamerikanischen Heimat die großen Hallen, auch die vergangenen Tourneen in Europa (um das die Band eine ganze Zeit lang einen Bogen gemacht hatte) waren in der Regel brechend voll.

Der Grund dafür ist recht simpel: RUSH-Shows sind immer ein Spektakel. Großartige Musiker spielen großartige Kompositionen, kombiniert mit einer beeindruckenden Show, die vom Licht über die spärliche Bühnen-Dekoration bis hin zu den liebevoll gemachten Intros, Einspielern und Pausenfüllern perfekt harmoniert, aber nie die Aufmerksamkeit vom wichtigsten ablenkt: der Musik und den exzellenten Texten, die mal metaphorisch oder mal sehr direkt und akzentuiert den Finger in die Wunden moderner Gesellschaften legen. Von daher kann man RUSH wahrlich als „thinking man’s rock band“ bezeichnen.

Und dass sie überall auf der Welt verstanden werden zeigen die Mitschnitte der letzten Tourneen, als da wären “Rush In Rio“ (aufgenommen im legendären Maracana-Stadion), “R30 – 30th Anniversary World Tour“ (bei der man sich für die Frankfurter Festhalle entschied, eine Show, deren erhabene Schönheit ich selber vor Ort genießen durfte), “Snakes And Arrows Live“ (entstanden in Rotterdam) und nun drei Mitschnitte hintereinander aus Nordamerika: zunächst“Time Machine 2011: Live In Cleveland“, anschließend die “Clockwork Angels Tour“ (Dallas) und das nun vorliegende Sahnehäubchen, “R40 Live“, das die Band in ihrer kanadischen Heimatstadt Toronto aufzeichnen ließ.

Eine weise Entscheidung, wie der Genuss dieser fast 160 Minuten Rock-Show unter Beweis stellt. Denn nicht nur die Band in absoluter Hochform und Spiellaune, sondern auch die Fans sind nur mit einem Wort angemessen zu umschreiben - und das lautet: euphorisch. Jeder einzelne Song wird abgefeiert wie der größte Hit aller Zeiten, selbst die obskurste Nummern aus den Zeiten vor dem Durchbruch, wie etwa vom Debüt oder von “Caress Of Steel“. Und beim Blick in die Gesichter dieser Menschen kann man erkennen, was ihnen diese Band aus ihrer Heimat bedeutet. Das ist Musik, die manch einen der Anwesenden schon seit gesamtes Leben begleitet und mit der man besondere Momente und Emotionen verbindet – der Zauber unvergänglicher Musik eben. Und die Setlist lässt ja auch wahrlich kaum bis wenige Beschwerden zu: die Hits sind dabei, die Klassiker überwiegend auch und sogar die eine oder andere faustdicke Überraschung. So ist für jeden etwas dabei.

Die beiden Abende zum Abschluss der “R40“-Tournee wurden von Regisseur Dale Heslip und seiner Crew wunderbar eingefangen. Die Perspektiven der insgesamt 14 eingesetzten Kameras wechseln angenehm unaufgeregt. Der Zuschauer zu Hause auf der Wohnzimmer-Couch bekommt einen Eindruck von fast jeder erdenklichen Perspektive in der Halle, selbst unter dem Hallen-Dach war offenbar eine Kamera, die nur selten zum Zuge kommt, dann aber einen Eindruck von der Größe und der Licht-Show bietet. Sehr angenehm ist auch, dass die kleinen Einspieler, die Intros und der kurze Pausenfüller-Film zwischen den beiden Haupt-Sets hier zu ihrem Recht kommen. Denn sie zeigen die humorvolle Seite der drei Musiker, die manches Mal ein wenig stoisch (insbesondere Peart) erscheinen können, aber in diesen Szenen ihre anderen Talente enthüllen. Und auch für den Rap-Part in Roll The Bones hat man sich wieder etwas einfallen lassen. Dieser wurde für die Video-Leinwand von zahlreichen Prominenten synchron gesprochen, darunter auch die Schauspieler Jason Segel (Marshall Eriksen aus „How I Met Your Mother“), Paul Rudd (der Hauptdarsteller aus „Ant Man“) und Peter Dinklage (Tyrion Lannister in „Game Of Thrones“) sowie die Musiker Chad Smith (RED HOT CHILI PEPPERS, CHICKENFOOT), Tom Morello (AUDIOSLAVE, RAGE AGAINST THE MACHINE) und Les Claypool (PRIMUS). Das zeigt einmal mehr, welche Popularität RUSH auch in Prominenten- Kreisen und natürlich auch in der Musik-Szene besitzen.

“R40 Live“ ist erneut ein Fest für Fans der Band und natürlich wieder einmal ein absoluter Pflicht-Kauf. Schließlich bekommt man hier auch wieder einen entsprechenden Gegenwert für sein Geld. Denn die Box umfasst neben der Show auf DVD noch drei Bonus-Stücke, die nicht an beiden Abenden auf der Setlist standen. Da wäre zum einen mit One Little Victory eine Nummer aus dem häufig sträflich übersehenen (und im Original viel zu laut abgemischten) “Vapor Trails“-Album. Zudem kommen mit Distant Early Warning (von “Grace Under Pressure“) und Red Barchetta (aus “Moving Pictures“) hier auch zwei echte Klassiker der Band zu Gehör, die den Genuss der DVD auf fast 200 Minuten strecken und jeden Fan wahrscheinlich in einem Zustand höchster Glückseligkeit zurücklassen werden. Das meinen die Buddhisten wahrscheinlich mit dem Nirwana.

Sicherlich mag mancher kritisieren, dass dies nun bereits die sechste Live-Box der Band innerhalb von zwölf Jahren (wenn man “Replay x3“ mit in die Rechnung einbezieht), aber an der absoluten Wertigkeit jeder einzelnen der Veröffentlichungen kann es keinen Zweifel geben. Jeder merkte man das Herzblut an, das die Band und die Macher in jedes einzelne Produkt gesteckt haben. Keine einzige hatte den Anruch von Geldschneiderei sondern es handelte sich immer um Angebote, an denen eben kein Fan der Band wirklich vorbei konnte. Aber dafür hat er ja auch wirklich etwas bekommen – und zwar sehr viel, denn die Setlisten der jeweiligen Mitschnitte unterscheiden sich schon deutlich voneinander. Zudem hat man ja auch immer die Wahl es sein zu lassen. Aber angesichts dessen, was hier geboten wird stellt sich die Frage: hat man wirklich eine Wahl? Denn dieses Werk muss man wieder besitzen und zwar zusammen mit der Dreifach-CD, schließlich sind hier noch einmal vier zusätzliche Songs enthalten. Fazit: RUSH – auch nach 40 Jahren immer noch eine Klasse für sich.

Marc Langels, 04.12.2015

 

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