Amorphis

Starkill

Saarbrücken, Garage, 21.11.2013


Konzertbericht

Reviewdatum: 04.12.2013

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Redakteur(e):

Marc Langels


Amorphis, Starkill,
Saarbrücken, Garage, 21.11.2013

Als die Finnen AMORPHIS gegen 22:30 Uhr an diesem Abend in der Saarbrücker Garage als eine der Zugaben Black Winter Night anstimmen, wirkt dies wie die perfekte Abrundung eines Tages, der dem Saarland den ersten Schnee dieses Winters gebracht hat. Und wahrlich schien es so, als wollte das kleinste Flächenland der Bundesrepublik sich herausputzen für die Finnen, um ihnen einen würdigen Empfang zu bereiten. Und zumindest temperaturmäßig durften sich die sechs Musiker aus dem hohen Norden an diesem Abend in Saarbrücken vertraut heimisch fühlen.

Vor den Haupt-Act des Abends haben die Götter aber wieder eine junge, aufstrebende Band als Support gesetzt. Das sind an diesem Abend STARKILL aus Chicago. Die vier jungen Männer machen denn auch eine knappe Dreiviertel-Stunde lang mit ihrer Mischung aus Old-School-Thrash und Melodic Death den zu diesem Zeitpunkt knapp 250 bis 300 Anwesenden eine Menge Dampf. Dabei hilft ihnen auch der ordentliche Sound, der nur in den Passagen, in denen verstärkt die Double-Bass-Drum eingesetzt wird etwas stark wummert. Aber insbesondere die beiden Gitarristen dürfen sich das ein oder andere Mal gekonnt in Szene setzen. Ihre technisch überaus sauber gespielten Gitarren-Harmonien erinnern dabei schon immer stark an klassischen Heavy Metal und wenn dann Sänger Parker Jameson ins Mikrofon röhrt, dann klingt das schon gar nicht so weit entfernt von den neueren Alben von AMON AMARTH. Einzig einen richtigen Killertrack mag man in dem knapp 45 Minuten langen Set nicht auszumachen. Zudem würde man sich wünschen, dass STARKILL noch etwas einprägsamere Riffs im Gepäck hätten, so wie es bei den Großen der Szene eben schon der Fall ist. Aber alles in allem betrachtet machen STARKILL ihre Sache ordentlich und heizen die Stimmung für den Headliner des Abends gut an. Dafür werden sie dann auch mit einem entsprechenden Applaus verabschiedet.

Gegen 21:10 Uhr erlischt dann zum zweiten Mal an diesem Abend das Licht in der Halle und das “Circle“-Intro kündigt AMORPHIS an. Die Finnen steigen denn auch direkt mit dem Opener des aktuellen Albums Shades Of Gray in ihren Set ein. Dies bildet den Auftakt in einen knapp 100-minütigen Gig, der sowohl die Fans der neueren AMORPHIS als auch die Anhänger der Anfänge zufriedenstellt. Denn die Setlist des Abends berücksichtigt nicht nur die jüngsten Alben, sondern auch wagt auch Ausflüge in die eigene musikalische Vergangenheit. Dabei wird vom ersten Moment an klar, dass die Bühne an diesem Abend vor allen Dingen einem Mann gehört: Sänger Tomi Joutsen steht nicht nur wegen seiner Erscheinung mit den fast knielangen Dreadlocks und seiner beeindruckenden Tattoo-Sammlung im Mittelpunkt. Er ist auch derjenige, der die Show der Band liefert. Während der Rest der Band sich darauf konzentriert, das Material sauber zu präsentieren und sich höchstens mal ein wenig in Pose wirft, ist es Joutsen zu verdanken, dass der Auftritt nicht zu statisch wirkt.

Denn er sucht immer wieder den Bühnenrand und damit die Nähe zu den Fans und die danken es ihm mit lautem Applaus. Dieser gilt natürlich nicht nur dem Sänger sondern auch der Band, die mit ihrer ureigenen Mischung aus doomigen Metal und Death Metal-Growls eine spannende Mischung parat hält, die sich eben offensichtlich immer größer werdender Beliebtheit erfreuen kann. Und so werden insbesondere die neueren Songs wie etwa Sampo, The Wanderer, Nightbirds’s Song, You I Need und Sky Is Mine sehr euphorisch aufgenommen.

Besondere Freude kommt dann vor allen Dingen bei den alten Fans der Band auf, als diese recht schnell vier alte Stücke einstreuen und mit den Songs Against Widows, My Kantele, dem Intro vom 1994er Album “Tales From The Thousand Lakes“ Thousand Lakes und dem folgenden Into Hiding so etwas wie Nostalgie bei ihren Anhängern auslösen. Generell bleibt festzuhalten, dass AMORPHIS sehr um Ausgeglichenheit bemüht sind. So gelingt es ihnen unter dem Strich auch wirklich sehr gut, die beiden teilweise doch sehr divergierenden Fanlager miteinander zu versöhnen und beiden zu gleichen Teilen zu gefallen.

Dennoch gelingt es der Band an diesem Abend nicht wirklich restlos zu begeistern. Sicher, die Zuschauer verlassen nach den knapp 100 Minuten und dem wirklich sehr gelungenen Zugaben-Block – bestehend aus Sky Is Mine, dem bereits erwähnten Black Winter Day sowie dem abschließenden House Of Sleep - absolut zufrieden die Halle. Aber man kann sich an mancher Stelle nicht des Eindrucks erwehren, dass AMORPHIS, einmal abgesehen von Frontmann Joutsen, hier ihren Stiefel zwar mit Spaß aber hauptsächlich eben nur sehr routiniert herunterspielen. Und so endet gegen 22:45 Uhr ein Gig der sehr soliden aber nicht spektakulären Art, der aber dennoch alle Fans der Band zufrieden nach Hause schickt.

An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Flo von Brainstorm Music Marketing für die freundliche Akkreditierung.

Marc Langels, 21.11.2013

 

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