Primal Fear

Brainstorm
Striker

Saarbrücken, Garage, 17.02.2016


Konzertbericht

Reviewdatum: 23.02.2016
Stil: Heavy Metal

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Redakteur(e):

Marc Langels


Primal Fear, Brainstorm, Striker,
Saarbrücken, Garage, 17.02.2016

Dieser Mittwoch-Abend stand in Saarbrücken ganz im Zeichen des Metal. Momentan dürfte es wohl kaum ein besseres Package auf Tour geben: PRIMAL FEAR kommen auf ihrer “Rulebreaker“-Konzertreise in die Garage und haben dabei auch noch exzellenten Support mit an Bord. Zum einen die Schwaben BRAINSTORM aber auch die aufstrebende kanadische Metal-Hoffnung STRIKER mit dabei. Noch 50 Minuten vor dem offiziellen Beginn kann man draußen vor der Halle den Headliner des Abends beim Soundcheck hören – und schon das steigert die Vorfreude auf den Abend gehörig.

Den Auftakt dazu bilden STRIKER. Bei den kühlen Temperaturen, die an diesem Abend in Saarbrücken herrschen, haben die Kanadier aber keine Probleme auf Betriebstemperatur zu kommen. Die Band kann es offenbar kaum erwarten und stürmt um eine Minute vor 19 Uhr auf die Bretter. Die vier jungen Musiker, die auf der Tournee um einen Gast-Gitarristen ergänzt werden, konnten mit ihrem jüngsten Album, “Stand In The Fire“, schon mächtig Eindruck hinterlassen und den bestätigen sie an diesem Abend dann auch nachdrücklich. Vor einer leider noch recht leeren Halle geben sie mächtig Gas, angeführt werden sie von Sänger Dan Cleary und Gitarrist Tim Brown, die auf der Bühne für die Action zuständig sind.

Musikalisch wird hier purer und traditioneller Heavy Metal geboten, wie er auch auf einem Festival wie dem Keep It True sicherlich für eine Menge begeisterter Reaktionen sorgen würde. STRIKER bieten einen prima Überblick über ihre bisher erschienen Platten, wobei natürlich das aktuelle Werk bei der Songauswahl dominiert. Vier der neun Stücke stammen von "Stand In The Fire" und die Band präsentiert das Material mit dem nötigen Punch. Denn obwohl sie als erste Band des Abends natürlich nicht über besonders viel Licht oder den besten Klang verfügen, so klingt die Band doch erstaunlich ausgewogen und druckvoll.

Auch was die Spielzeit betrifft zeigt sich der Headliner großzügig: etwas weniger als 40 Minuten bekommen STRIKER zugestanden, die neun Songs darin unterbringen (wobei Escape From Shred City lediglich ein kurzes Instrumental ist). Den Opener ihres Debüt-Albums, “Eyes In The Night“ , Full Speed Or No Speed widmet Cleary den kanadischen Metal-Brüdern CAULDRON, die einige Tage zuvor einen schweren Auto-Unfall auf Tour in Nordamerika hatten, bei dem Gitarrist Ian Chains schwer verletzt wurde. Zwar sind nur geschätzte 300 Zuschauer zu diesem frühen Zeitpunkt in der Halle, aber auch diese tauen spätestens ab dem vierten oder fünften Stück auf, so dass sich die Band über sehr wohlwollende Reaktionen freuen darf, was die Musiker wiederum weiter motiviert. Am Ende ernten sie dann den verdienten Applaus für einen rundum gelungenen Auftritt und dürfen sich bestimmt über einige neue Anhänger freuen.

Nach einer erfreulich kurzen Umbauphase, geht dann um zwei Minute vor… – nein nicht Mitternacht – sondern 20 Uhr das Licht schon wieder aus und BRAINSTORM betreten die Bühne. Die Band hat erst vor kurzem ihr neues Werk, “Scary Creatures“, aus dem Presswerk geholt, legen aber gleich mal mit dem Opener des Albums, The World To See, los. Man merkt der Band gleich an, wie wohl sie sich auf dieser Tournee fühlt, souverän präsentieren sie ihre Musik und können sich eigentlich der begeisterten Reaktionen schon fast sicher sein. Und auch an diesem Abend springt das – mittlerweile ja gut aufgewärmte – Publikum auf die Songs direkt an und feiert die Gruppe von der ersten Sekunde an.

Dazu trägt natürlich auch Sänger Andy B. Franck maßgeblich bei, der einfach der perfekte Frontmann ist: stimmlich ohnehin über alle Zweifel erhaben, ist er ausgestattet mit einer Präsenz und einem einnehmenden Charisma. Damit wickelt er die Zuschauer binnen kürzester Zeit um den kleinen Finger. Die dürfen sich neben den humorvollen und gerne mal auch etwas ausschweifenden Ansagen des Sängers aber auch an einer schon Headliner-würdigen Setlist erfreuen: 13 Lieder dürfen die Schwaben an diesem Abend präsentieren und so kommen neben den gerade Mal drei neuen Stücken zahlreiche Band-Klassiker zum Einsatz, die eindrucksvoll belegen, auf welch hohem Niveau die bisherigen Veröffentlichungen von BRAINSTORM schon immer lagen.

Dass es der Band bislang nicht gelungen ist, deutlich mehr Erfolg zu haben, bleibt eines der großen Rätsel und eine der großen Ungerechtigkeiten im Musik-Geschäft. Denn was die Herren Franck, Ihlenfeld, Loncaric, Ieva und Bernert da auf die Bretter zaubern, das ist schon aller Ehren wert. Und es wird an diesem Abend auch entsprechend vom Publikum goutiert, das mittlerweile wohl so auf etwas mehr als 600 Personen angewachsen ist. BRAINSTORM nutzen ihre knapp über 60 Minuten aus, um sich nachdrücklich noch einmal als potenzieller Headliner für einen Auftritt in der Garage zu empfehlen.

Dann ist es Zeit für das Zugpferd der Tournee: PRIMAL FEAR. Man muss wohl nicht mehr viele Worte um die Band verlieren, die seit den 1990er Jahren bereits zu den festen Größen in der deutschen aber auch internationalen Metal-Szene gehört. Bassist/Produzent/Songwriter Mat Sinner und Frontmann Ralf Scheepers bilden dabei das Grundgerüst der Anfangstage, zu dem Gründungsmitglied Tom Naumann nach langjähriger Abstinenz wieder zurückgekehrt ist. Ganz neu an Bord ist Schlagzeuger Francesco Jovino (Ex-U.D.O.), der auf dem aktuellen Album “Rulebreaker“ seinen Einstand feierte. Eine besondere Rückkehr feiert an diesem Abend Alex Beyrodt, denn der Gitarrist ist in Saarbrücken geboren worden. Daher darf er auch als Erster die Bühne betreten und sich den Fans präsentieren. Eine besondere Ehre, die der dunkel-gelockte 51-Jährige sichtlich genießt – übrigens genauso wie die folgenden knapp 100 Minuten.

Denn die haben es in sich. Hit auf Hit feuert die blendend aufgelegte Metal-Institution in die hungrige Meute. 19 Tracks sind es am Ende der Show, die kaum Wünsche bei den Fans offen lassen. Natürlich wird das aktuelle Opus mit den fünf Songs Angels Of Mercy, In Metal We Trust, Rulebreaker, The Sky Is Burning, The End Is Near entsprechend gewürdigt, aber es sind auch nahezu alle Hits der daran ja nicht gerade armen Band-Historie vertreten. Und jedem Headbanger wird bei den Titeln Angel In Black, Chainbreaker, Fighting The Darkness, Nuclear Fire, Running In The Dust, Sign Of Fear oder aber auch Metal Is Forever sicherlich feuchte Augen bekommen. Auf der anderen Seite dürften wohl zahlreiche der Anwesenden trotz der mittlerweile mollig-warmen Luft eine zentimeterdicke Gänsehaut bekommen, als die Band die eindrucksvolle Power-Ballade The Sky Is Burning intoniert.

Dabei merkt man den Musiker jederzeit an, dass sie eine Mords-Freude daran haben, diese Nummern Abend für Abend wieder präsentieren zu dürfen. Das Gitarren-Doppel Beyrodt/Neumann pfeffert die Riffs nur so raus - wobei insbesondere Beyrodt immer noch Zeit für ein paar kleine Gitarren-Tricks bleibt. Sinner ist von seiner Ausstrahlung her so etwas wie der Ruhepol der Band während die Zuschauer wohl nicht so genau wissen, wovon sie mehr beeindruckt sein sollen: von Scheepers kraftvoller Stimme oder seinen muskelbepackten Armen? Hatten BRAINSTORM die Latte mit ihrem Auftritt ziemlich hoch gehängt, so können PRIMAL FEAR sich sicher sein, dass sie locker mithalten können. Die Band hat an ihrem Auftritt sogar dermaßen viel Spaß, dass sie die eigentlich gültige 23 Uhr Deadline mal eben verstreichen lässt und noch einmal knapp zehn Minuten oben drauf legt. Daran haben natürlich auch die Fans ihre Freude – und sogar die Musiker von STRIKER, die am Merchandising-Stand stehen und die Zeilen der Zugaben lauthals mitsingen.

Mit den letzten Tönen von Running In The Dust geht ein Metal-Abend wie er im Buche steht zu Ende. Nur schade, dass dies nicht deutlich mehr als die knapp 650 Fans mitbekommen haben. Denn sowohl das Line-Up der Tournee als auch die individuelle Leistung der Bands an diesem Abend hätten deutlich mehr Zuspruch verdient gehabt. Und es ist ja nicht oft so, dass man gleich drei starke Bands an einem Abend für einen Preis zu sehen bekommt. Es mag an den ungemütlichen Wetterumständen oder auch dem unliebsamen Termin mitten in der Woche gelegen haben, aber wer diese Tour verpasst hat, der hat wirklich etwas verpasst. Und trotz des mittelprächtigen Zuspruchs lassen sich PRIMAL FEAR – denen Beyrodt offenbar die saarländische Landesküche (den Schwenker) und einen Brocken Muttersprache (das nahezu obligatorische „Unn?“) nahegebracht hat – ebenso wie BRAINSTORM zuvor, zu dem Versprechen hinreißen, die saarländische Landeshauptstadt künftig häufiger mal aufzusuchen. Und dann hoffentlich vor richtig voller Halle!

Vielen Dank an dieser Stelle an Marco Götz von CMM für die Akkreditierung.

Marc Langels, 17.02.2016

 

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