Ghost

Dead Soul

Saarbrücken, Garage, 18.02.2016

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 27.02.2016
Stil: Hard Rock

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Redakteur(e):

Marc Langels


Ghost, Dead Soul,
Saarbrücken, Garage, 18.02.2016



Da ist der Garage in Saarbrücken ja ein wahrer Glücksgriff gelungen – hat sie es doch geschafft einen aktuellen Grammy-Gewinner für einen Auftritt in der saarländischen Landeshauptstadt zu gewinnen. Der Grammy gilt gemeinhin als die höchste Auszeichnung in der Musikbranche und die Schweden von GHOST haben ihn erst wenige Tage zuvor bei der Zeremonie in Los Angeles in der Kategorie „Best Metal Performance“ für ihren Song Cirice erhalten. Und nun finden sie sich auf Tournee wieder und dürfen ihren Erfolg mit den Fans teilen.

Doch davor steht erst einmal eine Vorband, DEAD SOUL. Sie stammen – wie der Haupt-Act des Abends - aus Schweden und der Bühnen-Aufbau lässt erst einmal nichts allzu rockiges erwarten. Zwei Keyboards sowie ein Mikrofonständer sind die kargen Bühnendekorationen. Aber groß ist die Erleichterung als zwei Musiker dann mit Gitarren „bekleidet“ zusammen mit Sänger Anders Landelius die Bühne entern. Das Trio bietet einen düsteren, elektronischen Rock-Sound, der an die späten SISTERS OF MERCY oder THE MISSION erinnert, dabei beweisen sie ein gutes Gespür für eingängige Melodien. Dabei kommen die Keyboard-Sounds, der Bass sowie das Schlagzeug (wie bei den SISTERS ja auch) vom Computer.

Eigentlich besteht die Band ja nur aus zwei Musikern, aber sie wird auf dieser Tournee von einem weiteren Gitarristen namens Jocke begleitet. Und obwohl das Ganze optisch und zumeist auch akustisch ganz anders angelegt ist, kommen DEAD SOUL an diesem Abend – und wenn man den Reaktionen im Internet glauben darf auch bei den anderen Konzerten – überwiegend gut an. Dabei kann ihre Musik auch manches Mal etwas sphärisch-getragen daherkommen, aber überwiegend geht es recht rockig zur Sache. Nach rund 35 Minuten wird die Band mit dem wohlwollenden Applaus der bisher bereits knapp 700 Zuschauer verabschiedet.

Die Umbauphase dauert recht kurz – allerdings bedeutet das nicht, dass das Konzert schnell weitergeht. Um fünf Minuten vor 21 Uhr beginnt eine sakrale Musik, die das baldige Erscheinen der Headliner verheißt – dabei aber wie sich herausstellt trügerisch ist. Denn GHOST lassen ihre Fans warten, keine fünf, keine zehn, auch keine 15 Minuten. Damit den Fans nicht zu langweilig wird, initiiert gegen Ende der Wartezeit ein Mann von der Security Klatsch- und La Ola-Spielchen. Denn erst nach fast 20 Minuten betreten die namen- und gesichtslosen Ghouls uniform gewandet in schwarzen Soutanen die Bühne.

Die Band steigt mit Spirit dem Opener der aktuellen CD, in ihr Set ein. Dabei gibt es natürlich Szenen-Applaus, als Papa Emeritus – wie immer gekleidet in einer düsteren Robe und mit der dunklen Mitra auf. Von der ersten Minute an ist der Sound druckvoll und sehr Bass-betont – ohne aber damit die anderen Instrumente allzu sehr in den Hintergrund zu drängen. Die Band ist extrem gut eingespielt und verströmt trotz ihrer Masken große Spielfreude. Aber über allem thront der düstere Papst, der mit seiner Kleidung und seiner Maskerade wahrlich furchteinflößend wirken kann.

Der GHOST-Auftritt erinnert ein wenig an frühe KISS-Shows, die neben der Musik ja auch zweifelsohne von der Theatralik getragen wurden. Die Schweden verzichten im Gegensatz zu den amerikanischen Hard Rock-Großvätern zwar auf Flammen und Kunstblut, wirken aber deswegen nicht minder beeindruckend. Hier ergänzen sich der visuelle und der akustische Teil der Darbietung wirklich hervorragend und versetzen den Zuschauer in einen Zustand freudiger Erwartung auf das, was noch kommen mag.

Und das ist an diesem Abend eine ganze Menge. Die Band liefert einen bunten Querschnitt durch ihre bisher erschienen Alben und EPs. Zudem zeigen sie die komplette Bandbreite ihrer musikalischen Möglichkeiten: von groovigem Metal à la From The Pinnacle To The Pit über eher dem klassischen Hard Rock zugewandte Songs wie Stand By Him und Up-Tempo-Nummern der Marke Con Clavi Con Dio hin zu Hits wie Year Zero und natürlich Cirice sowie der Hymne schlechthin, He Is, ist alles dabei. Aber ein besonderer Höhepunkt ist dabei doch die akustisch gehaltene Cover-Version von If You Have Ghosts, bei dem das Publikum genauso andächtig lauschen wie bei den launigen Ansagen des Papa, der ab Mitte des Konzerts seine Papst-Ordinanz gegen eine schicke Art „Ausgeh-Uniform“ eingetauscht hat und nun auch ohne Kopfbedeckung auftritt.

Bei der Songlist-Auswahl wurde natürlich ein besonderer Schwerpunkt auf das Album “Meliora“ gelegt, von dem gleich acht Nummern, inklusive des kleinen Instrumentals Spöksonat, dargeboten werden. Aber auch das Debüt mit drei Songs und “Infestissumam“ mit vier Nummern kommen hier nicht zu kurz und beweisen, wie stark die bisherigen Veröffentlichungen allesamt waren. Und dennoch kann man nicht umhin, am Ende des Konzerts zu monieren, dass solch klasse Nummern wie Elizabeth, Death Knell, Secular Haze, La Mantra Mori oder das göttliche Deus In Absentia auf der Setlist fehlen.

Aber dennoch verlassen am Ende die knapp 800 bis 900 Zuschauer die Garage in der Gewissheit, ein großartiges Konzert genossen zu haben. Da hat es dann von den Anwesenden auch niemanden gestört, dass die Chorgesänge vom Band kommen und nicht von der Band gesungen werden (das ist wegen der Masken natürlich auch irgendwo logisch). Irgendwie ist es nur schade, dass diesen Auftritt nicht noch mehr Menschen verfolgt haben, denn es hätten sicherlich noch gut 300 Menschen in die Garage gepasst. Aber vielleicht lag das daran, dass die Band am Vorabend in der Frankfurter Batschkapp gespielt hat und zwischen den beiden Spiel-Orten liegen ja nur knapp 200 Kilometer, so dass sich ein Teil der Fans entscheiden musste, wohin sie geht. Aber die Anwesenden haben ein Spektakel erlebt, von dem sie noch ihren Enkeln erzählen können.

An dieser Stelle noch ein herzlicher Dank an Niels von Oktober Promotion für die freundliche Akkreditierung.

Marc Langels, 18.02.2016

 

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