Stratovarius

Dream Evil
Tracedawn

Saarbrücken, Garage, 02.02.2010


Konzertbericht

Reviewdatum: 06.02.2010
Stil: Heavy Metal, True Metal, Melodic Death Metal

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Redakteur(e):

Marc Langels


Stratovarius, Dream Evil, Tracedawn,
Saarbrücken, Garage, 02.02.2010

Das Saarland zeigte sich an diesem Tag von seiner skandinavischsten Seite, soll heißen: eiskalt, eine Mischung aus Schnee und Regen sowie ein Wind, der durch die dickste Jacke pfeift. Zudem waren zahlreiche Straßen wegen des starken Schneefalls der vergangenen Tage kaum passierbar. Demnach müsste sich das Trio an Bands aus dem hohen Norden sehr wohl gefühlt haben in der Landeshauptstadt Saarbrücken. Angeführt von STRATOVARIUS beehrten noch DREAM EVIL und TRACEDAWN die Garage. Leider wurde die Ehre von nicht all zu viel Besuchern in Anspruch genommen, was auch am sehr bescheidenen Wetter und den schlechten Straßenverhältnissen gelegen haben dürfte.

So verloren sich vielleicht knapp 150 Metal-Fans in der Garage als die Finnen TRACEDAWN um 19 Uhr ihren Set eröffneten. Wer wie ich vorher noch nie von der Band gehört hatte, würde bei ihrem Auftreten zuerst einmal nicht vermuten, dass die sechs Jungs melodischen Death Metal spielen, so trug der Bassist ein MÖTLEY CRÜE-Shirt und einer der Gitarristen kam in ein DEF LEPPARD-Shirt gewandet auf die Bühne. Angesichts des rosa Schriftzugs auf den Fan-Shirts war die Verwunderung umso größer, als TRACEDAWN dann sofort in ein infernalisches Gebolze ausbrachen. Trotz der eher zurückhaltenden Reaktionen des Publikums auf das sicherlich meist unbekannte Material, gaben die Jungs um Sänger Antti Lappalainen von der ersten Sekunde an Vollgas und lebten den Spaß auf der Bühne voll aus. Dabei tat sich insbesondere Bassist Pekko Heikkilä hervor, der ständig Grimassen zog und für die Fans und Fotografen poste, was das Zeug hält.

Knapp 25 Minuten standen der Band zur Verfügung und diese nutzten TRACEDAWN um so richtig Gas zu geben. Ruhige Momente waren eher die Ausnahme und so klang das Material doch mit der Zeit recht ähnlich, zumal sich insbesondere der Gesang von Antti Lappalainen nie sonderlich änderte. Er setzte nur selten eine klare Singstimme ein, sondern brüllte sich wie ein kleiner Schreiaffe durch die Songs. Der eher bescheidene Sound tat sein übriges, um eventuelle Feinheiten zu kaschieren. Dabei klingt das Material bei myspace gar nicht mal schlecht, zumal man dort im ausgewogeneren Sound auch das Keyboard besser hören kann. Aber auch von all diesen Widrigkeiten ließen sich TRACEDAWN nicht ihren Spaß nehmen und boten eine unterhaltsame Show, die auch mit höflichem Applaus bedacht wurde.

Nach einer angenehm kurzen Umbauphase enterten dann die Schweden DREAM EVIL mit schon deutlich verbessertem Sound die Bühne und von der ersten Sekunde konnte man spüren, dass diese Band wesentlich besser zum Headliner passte als noch TRACEDAWN. Das schlug sich auch in der Anzahl an Fans nieder, die mittlerweile die Garage bevölkerten. Aber auch die Dichte der DREAM EVIL-Shirts hatte deutlich zugenommen. Mit den ersten Tönen des Openers Immortal kam dann auch Bewegung in die ersten Reihen des Publikums, das mittlerweile auf knapp 200 bis 250 Personen angewachsen war. Für die nächsten 40 Minuten boten DREAM EVIL eine kurzweilige Metal-Show, die mit Titeln wie Made Of Metal, Heavy Metal In The Night, Bang Your Head und The Book Of Heavy Metal doch ganz im Sinne des True Metal à la MANOWAR gehalten war. Einzig der Gassenhauer Gold Medal In Metal fehlte, aber das wäre dann vielleicht doch ein wenig zu sehr Heavy Metal-Schlager gewesen.

So boten DREAM EVIL auch genau das, was sie am besten können: etwas schablonenhaften Heavy Metal mit sehr eingängigen Chören und manchmal sehr cheesigen Texten. Damit trafen sie aber genau den Geschmack eines Großteils der Zuschauer, denn in den ersten Reihen wurde ordentlich mitgewippt, geklatscht und stellenweise gebangt. Auch die Teufelshörner zuckten mehr als einmal reflexhaft in die Höhe und symbolisierten die Zustimmung zu der Leistung. DREAM EVIL werden an diesem Abend sicherlich den einen oder anderen Neufan hinzugewonnen haben.

Die Umbauphase zum Headliner dauerte dann auch etwas länger, aber als um kurz nach 21 Uhr das Licht ausging stieg die Vor-Freude au den Gig des finnisch-schwedisch-deutschen Fünfers STRATOVARIUS. Die Band legte mit Destiny denn auch los wie die Feuerwehr. Der viel und kontrovers diskutierte Wechsel an der Gitarre machte sich direkt positiv bemerkbar, denn STRATOVARIUS präsentierten sich an diesem Abend als eine echte Einheit auf der Bühne, was mit Timo Tolkki an den sechs Saiten nicht immer der Fall war. Sein Nachfolger Matias Kupianinen macht seinen Job mehr als souverän und kann auch immer wieder durch wunderbare technische Spielereien in Höchstgeschwindigkeit brillieren.

Musikalisch spielen STRATOVARIUS denn auch ihre Vorgruppen mehr als locker an die Wand, auch wenn man der Band die Strapazen der Tour an. Seit November haben die Jungs bereits 29 Konzerte in allen Ecken Europas gegeben und wirken manchmal bei allem Spaß, den sie verbreiten, auch etwas ausgelaugt. So entschuldigt sich Frontmann Timo Kotipelto denn auch für einige "fuck-ups". Seiner Stimme sind die Belastungen denn auch hin und wieder anzumerken, aber der kleine Frontmann mit der großen Ausstrahlung kämpft sich mehr als souverän durch den Best-Of-Set, der mit immerhin vier Stücken (Deep Unknown, Winter Skies, Forever Is Today, King Of Nothing) vom aktuellen Album "Polaris" (dem ersten mit Matias Kupiainen an der Gitarre) angereichert wurde.

Den Auftritt kann man insgesamt nur als routiniert bezeichnen, denn sowohl was die Setlist anbelangt (Hunting High And Low, The Kiss Of Judas, Eagleheart, Black Diamond) als auch im Bezug auf die gebotene Performance kann man kaum Kritik üben. Allerdings sind mir persönlich Solo-Spots für Gitarre, Bass und Keyboards einfach zu viel. Da bevorzuge ich weitere Songs, in die ja problemlos kurz Soli zusätzlich eingebaut werden können. Aber ich brauche wirklich kein Bass-Solo, egal wie talentiert Lauri Porra ist. Und wenn dann noch Jens Johansson bei seinem Keyboard-Solo PROCOL HARUMs A Whiter Shade Of Pale verhunzt, dann kann ihn auch seine anschließende Bach-Adaption nicht retten. Also liebe Musiker, bitte mehr Songs und etwas weniger Selbst-Darstellung. Erschwerend kommt dann noch hinzu, wenn das Konzert ohnehin nach insgesamt knapp 85 Minuten beendet wird.

Aber in diesen knapp eineinhalb Stunden boten STRATOVARIUS eine wirklich gute Show, untermalt von einer dezenten Licht-Show, die lediglich bei der Ballade Forever durch die an der gesamten Decke angebrachten Weihnachtskerzen ein wenig überzogen war. Aber das war auch schon beim QUEENSRYCHE-Gig bei Silent Lucidity so und könnte irgendwann ja zu einem Running Gag in der Garage werden. Ein besonderes Bonbon hatten STRATOVARIUS aber für ihre Fans im Gepäck, denn auf speziellen Wunsch einiger französischer Anhänger wurde das Stück Paradise in die Setlist aufgenommen und kam auch in Saarbrücken sehr gut an.

Alles in allem betrachtet, war es ein sehr gelungener Konzert-Abend, der trotz des schlechten Wetters mehr Besucher verdient gehabt hätte. Es bleibt zu hoffen, dass STRATOVARIUS sich auch beim nächsten Mal wieder ins Saarland verirren und dann auch etwas länger spielen.

Marc Langels, 02.02.2010

 

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