D-A-D

AC Angry
Simeon Soul Charger

Saarbrücken, Garage, 27.02.2012


Konzertbericht

Reviewdatum: 06.03.2012
Stil: Hard Rock

Links:

D-A-D Homepage



Redakteur(e):

Marc Langels


D.A.D., Simeon Soul Charger, AC Angry,
Saarbrücken, Garage, 27.02.2012

Kein gutes Zeichen kurz vor Konzert-Beginn. Minuten vor dem Öffnen der Tür stehen gerade mal 12 Leute vor der Garage. Hat hier im Saarland etwa keiner Lust auf eine Prise dänischen Spaß-Rock? Oder ist es einfach um 19 Uhr noch zu früh für die arbeitende Bevölkerung. Zum Glück zeigt der weitere Verlauf des Abends, dass die Lösung sich hinter Tür Nummer Zwei versteckt hielt. Aber kurzzeitig kommen beim Schreiber ernste Sorgen auf, ob das Konzert noch auf den letzten Drücker abgesagt wird.

Die erste Vorgruppe kann die anwesenden Besucher jedoch noch fast per Handschlag begrüßen, als es um 19 Uhr 30 losgeht. Schätzungsweise 60 Zuschauer halten zudem noch einen extrem großen Sicherheitsabstand zur Bühne. Den etwas undankbaren Slot als Opener haben AC ANGRY inne. Die Band hat unter dem Name TALTELLERS bereits zwei Alben veröffentlicht und sicherlich auch schon vor mehr Leuten als heute Abend gespielt. Aber die Jungs lassen sich vom Zuschauerzuspruch nicht runterziehen und sondern rocken sehr solide los. Die Stücke sind schön eingängig und stoßen dabei nicht einmal nur auf taube Ohren. Ihre Mischung aus AC/DC und SAXON-lastigem Material sorgt für erstes zustimmendes Kopfnicken und so ernten AC ANGRY nach den knapp 25 Minuten einen netten Abschiedsapplaus.

Als nächstes – und nach einer angenehm kurzen Umbaupause – stehen die Amerikaner SIMEON SOUL CHARGER auf der Bühne. Ich traue mich hier die Worte des Kollegen Schmidt im Karl-Theodor zu Guttenberg-patentierten Copy-and-paste-Verfahren (aber als wörtliches Zitat kenntlich gemacht) wiederzugeben: „Optisch ist vom rastalockigen Bassisten, über einen an Dickey Betts erinnernden Lead-Sänger/Rhythmusgitarristen, einem spätsechziger John Lennon - mit Bart und Nickelbrille, sowie einer bunten SG a la Clapton bei CREAM - bis zum wilden Alternativ-Drummer mit Spitzbart und wild-rudernden Armen wie Keith Moon alles vertreten. Und die Psychedelic kommt auch nicht zu kurz! Oft genug beginnen die Stücke als eingängige Blues- bis Folk-Rocknummern, um sich - fast - jedes Mal gegen Ende in eine wilde Jam- und Klangorgie zu steigern.“ Kurz ein Musiker-Kollektiv, das optisch nicht zusammen zu passen scheint, aber formidabel harmoniert und live einfach nur Spaß macht. Die Musik ist ein wahrer Schmelztiegel, der mich ein wenig an eine Mischung aus THE BLACK CROWES, GRATEFUL DEAD, FRANK ZAPPA und auch PRIMUS erinnert.

SIMEON SOUL CHARGER können sich auch über eine deutlich vollere Halle freuen. Es dürften mittlerweile so rund 150 bis 200 Leute den Weg in die Garage gefunden haben und die Band kommt auch deutlich besser an und erntet sehr freundlichen Applaus. Sogar erste wenn auch zaghafte „Zugabe“-Rufe werden nach den knapp 35 Minuten laut. Ein gelungener Auftritt.

Nach einer wieder angenehm kurzen Umbaupause von knapp 20 Minuten geht das Licht aus und die Dänen D.A.D. stürmen nach dem Motto: „We are red, we are white, we are danish dynamite“ ähnlich furios los wie Anno 1992 die dänische Fußball-Nationalmannschaft zum Titel des Europameisters. Mit ihrem extrem starken Werk “Dic.Nii.Lan.Daft.Erd.Ark“ betouren und erfreuen sie nun also sie Republik. Und jetzt hat sich die Garage auch mit 300 bis 350 Zuschauern gefüllt. New Age Movin’ eröffnet die knapp zweistündige Sause durch nahezu alle Schaffensphasen der Band. Und wer dann Jihad und Point Of View an Position 5 verballern kann, der hat einen reichen Fundus an Klasse-Songs in der Tasche.

Kein Wunder, dass D.A.D. die Fans sofort im Griff haben. Die Band liefert eine ordentliche Rock-Show, bei der die Anhänger sofort mitgehen und ihre Helden mächtig abfeiern. Jesper Binzer (Gesang & Gitarre) ist ein lässiger Rocker, der keinen großen Aktions-Radius benötigt um eine coole Show zu bieten. Sein Bruder Jacob beweist, dass es auch einen Gitarren-zaubernden Zylinder neben SLASH gibt und Basser Stig Pedersen ist für den Show-Anteil zuständig. Mit seinem beeindruckenden Arsenal an 2-saitigen Bässen ist der „heimliche Bruder“ von Duff McKagan der Aktiv-Posten auf der Bühne. Ständig in Bewegung, erklimmt er die Boxen bis kurz unter die Scheinwerfer-Traverse oder auch mal das Schlagzeug von Drummer Laust Sonne. Ein echter Showmann, der die Blicke der Leute quasi schon automatisch auf sich zieht.

Die Band groovt wie die Hölle und spielt sich in einen kleinen Rausch, der nur durch die kaum verständlichen dänisch-deutschen Ansprachen gebremst wird. Aber das kann die Begeisterung der Anwesenden für D.A.D. nicht brechen. Bereits nach 45 Minuten kommen erste lautstarke „D.A.D.“-Sprechchöre auf. Später hat der Set zwar ein paar Längen (so könnte das ein oder andere Solo etwas knackiger sein) und die ruhigen Stücke lassen die Euphorie etwas abflauen. Aber die Band hat ein feines Gespür und zieht dann sofort das Tempo wieder an. Die Single I Want What She’s Got reißt das Ruder wieder herum in Richtung Party-Tempel. Und das anschließende Bad Craziness treibt die Stimmung auf den Siedepunkt.

Wenn an dieser Stelle das Konzert nun schon zu Ende wäre, die wenigsten könnten sich ernsthaft beschweren. Aber so einfach kommen D.A.D. nicht davon. Gleich zwei Zugabenblöcke kommen noch und darin sind einige Preziosen enthalten. Laugh N A Half, Sleeping My Day Away oder Disneyland After Dark machen ein klasse Konzert erst so richtig rund. Gut, I Won’t Cut My Hair oder der Marlboro Man hätten sicherlich noch sein können, aber so ist nach 110 Minuten um kurz nach 23 Uhr Schluss mit lustig und mit der Dänen-Power. Ein rundum gelungener Abend geht zu Ende und die Leute gehen mehr als zufrieden zu Hause. Eine solche Granaten-Live-Band hätte einfach deutlich mehr Zuspruch verdient gehabt.

An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Heiko Renno von der Garage für die freundliche Akkreditierung.

Marc Langels, 27.02.2012

 

(C) 2008 - 2019 by Hooked on Music