Blind Guardian

Infinight

Saarbrücken, Garage, 08.06.2012


Konzertbericht

Reviewdatum: 13.06.2012
Stil: Heavy Metal, Power Metal

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Redakteur(e):

Marc Langels


Blind Guardian, Infinight,
Saarbrücken, Garage, 08.06.2012

Es ist schon das zweite Mal binnen weniger Wochen, dass es zum direkten Vergleich zwischen Fußball und Heavy Metal in der Saarbrücker Garage kommt. Beim ersten Mal hieß das Duell Champions League-Rückspiel Real Madrid – Bayern München gegen MAD MAX und AXEL RUDI PELL. Damals endete das Duell knapp unentschieden. An diesem Abend nun heißt es EM-Eröffnung gegen BLIND GUARDIAN – ein Vergleich, den die Krefelder Metal-Institution locker für sich entscheiden wird. Dazu aber später mehr.

Den Anfang machen an diesem Abend die Lokalhelden INFINIGHT. Allerdings stehen da noch mehrere hundert Zuschauer vor der Türe, so auch der Rezensent, der es erst zum dritten Song der Band in die bereits halbvolle Halle schafft. Und da ist die Stimmung schon ganz gut. Sicherlich sind die meisten Anwesenden überfragt, wer da gerade auf der Bühne steht, aber die Zuschauer gehen ordentlich mit und einige Köpfe nicken ordentlich im Takt. Das ist Frontmann Martin Klein aber nicht genug und er versucht noch mehr Stimmung zu erzeugen. Ihre Mischung aus Power- und Heavy Metal kommt in den insgesamt 40 Minuten Spielzeit an diesem Abend gut an und es hätte nicht des IRON MAIDEN-Covers Aces High bedurft, um die sich rasch füllende Garage auf Betriebstemperatur zu bringen und die Fans für den Hauptact anzuheizen.

BLIND GUARDIAN haben sich schon einige Jahre nicht mehr in Saarbrücken blicken lassen und starten so, als wollten sie das alles an einem Abend vergessen machen. Die Krefelder legen gleich mit dem epischen Sacred Worlds toll los. Der Sound war von Anfang an gut: druckvoll und doch transparent. Wenn man an diesem Abend ein Haar in der Suppe suchen wollte, könnte man monieren, dass die Lead-Gitarre im Gesamtsound etwas zu dominant war. Dafür war Hansi Kürsch an diesem Abend toll bei Stimme. Mit seiner sympathischen Ausstrahlung (auch wenn er mich optisch immer ein wenig an Martin Rütter, den Hunde-Profi, erinnert) hat er die nun restlos volle Halle von der ersten Sekunde im Griff und nutzt die Gelegenheit, den vielstimmigen Chor zu integrieren und dirigieren.

Was dann folgt, ist nahezu eine Greatest Hits-Zusammenstellung, denn anschließend schleudern BLIND GUARDIAN mit Welcome To Dying und Nightfall zwei ihrer absoluten Klassiker ins Publikum, das es der Band mit frenetischem Jubel, lauten Gesängen und allgegenwärtigen „Pommesgabeln“ dankt. Schon nach 20 Minuten ist die Stimmung auf einem ersten Höhepunkt, den sie auch anschließend nur graduell unterschreiten wird. Ein Beleg dafür mag sein, dass es nach dem fünften Song Time Stands Still (At The Iron Hill)) bereits zum zweiten Mal anhaltende „Guardian, Guardian“-Sprechchöre gibt.

Man merkt der Band schon früh an, dass sie bereits ein paar Konzerte – überwiegend Festivals – gespielt hat und bereits gut aufeinander abgestimmt ist. Zudem sind BLIND GUARDIAN eine Band für alle Venues, egal ob kleiner Club, mittelgroße Halle, Multifunktions-Arena oder aber großes Festival, diese Band kommt einfach immer gut an und rüber. Und das ist an diesem Abend nicht anders, zumal die Fans nach dem patentierten Fantasy-Metal der Band dürsten.

Und BLIND GUARDIAN sind in Geberlaune, sie spielen auch Songs, die sonst nicht so oft zum Zuge kommen oder aber bisher gar nicht live gespielt wurden, so zum Beispiel Ride Into Obsession. Und für solche Aktionen lieben die Fans ihre Helden fast noch ein wenig mehr. Zumindest stehen in meiner direkten Umgebung mehrere euphorische Gesichter und immer wieder werden von den Lippen die Worte „wie geil ist das denn?“ geformt. Das kann man spätestens nach Valhalla schon wieder fragen: dieses Mal aber aus Sicht der Band, denn das Publikum übernimmt zum Ende hin einfach mal komplett den Gesang und das macht der Band offensichtlich so viel Spaß, als würde das Lied gerade bei ihrem Einzug in die Ruhmeshalle der alten Wikinger intoniert. Da bleibt Kürsch nur eine Reaktion: „Saarbrücken, das war megageil!“

Der überschwänglichen Stimmung tut es da auch keinen Abbruch, das nun mit A Past And Future Secret die erste Ballade des Abends folgt, denn diese getragenen Stücke kommen bei den BLIND GUARDIAN-Fans auch immer exzellent an. So auch in diesem Fall wird das Stück von vorne bis hinten „abgeklatscht“. Nach And The Story Ends verabschieden sich die Musiker bereits nach 70 Minuten das erste Mal von der Bühne, um aber bereits kurze Zeit später zu den Klängen des “Nightfall In Middle Earth“Doppels War Of Wrath/Into The Storm triumphal zurückzukehren.

Das bunt gemischte Publikum zwischen 16 und geschätzten 66 Jahren, vom Hobbit bis zur Elben-Schönheit ist alles vertreten. Und sie feiern die Band weiter durch den Lord Of The Rings mit andauernden Hüpfen und das wieder als letztes Stück angekündigte Imaginations From The Other Side. Die Fans lassen aber schon bei diesem Song keinen Zweifel daran aufkommen, dass die Band wiederkommen muss. Und das tun sie dann auch wieder recht flott, das Abschluss-Triple besteht an diesem Abend aus Wheel Of Time und den Klassikern The Bard’s Song und Mirror Mirror. Danach haben sowohl die Band als auch die Fans wirklich alles gegeben und dürfen die Garage beide hochzufrieden verlassen, sowohl mit der eigenen Leistung aber auch mit der des Anderen. Nach diesem Abend fällt es schwer sich vorzustellen, dass Saarbrücken nicht auf der kommenden BLIND GUARDIAN-Tour wieder vertreten sein wird. Dafür war das Konzert einfach zu gut, waren die Fans zu frenetisch, die Stimmung zu euphorisch. Kurz zusammengefasst: es war einfach ein magischer Abend. Oder wie es BLIND GUARDIAN kurz nach der Show auf ihrer Facebook-Seite treffend zusammenfassten: „SAAAAARBRÜÜÜÜCKEN!!! What a fateful night. Pure Insanity. Still sweating. All thumbs up!“

Vielen Dank an dieser Stelle an Heiko Renno von der Garage für die Akkreditierung.

Marc Langels, 08.06.2012

 

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