Avantasia

Saarbrücken, Saarlandhalle, 09.04.2019


Konzertbericht

Reviewdatum: 12.04.2019
Stil: Symphonic Metal

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Venue: Saarlandhalle


Redakteur(e):

Marc Langels


Man muss es ganz klar – und vollkommen neidlos – anerkennen: Tobias Sammet ist mit seinem All-Star-Dauer-Projekt AVANTASIA ganz oben angekommen. Nach dem Headliner-Auftritt beim Wacken Open Air im Jahr 2017 (immerhin auch schon die dritte Einladung zum weltgrößten Metal-Festival für Sammet & Co) erreichte er mit dem jüngsten Album, “Moonglow“, endlich auch die Spitze der deutschen Album-Charts. Die beiden vorherigen Werke, “Ghostlight“ sowie “The Mystery Of Time“, hatten diesen ultimativen Erfolg jeweils knapp verpasst. Nun also grüßten AVANTASIA von der Spitze – und das schlägt sich natürlich auch in der Größe der Hallen nieder, in denen Sammet und seine exzellente Band auf dieser Konzertreise gastieren, an diesem Abend war das die Saarlandhalle, in der immerhin auch schon andere Größen wie AC/DC, METALLICA, PINK FLOYD, Sting oder DEPECHE MODE in der Vergangenheit auftraten. Die SCORPIONS filmten hier sogar eine ihrer Live-DVDs.

Und auch wenn die Hallen nicht immer alle komplett ausverkauft sind, so sind die Zuschauerströme im Vergleich zur den vergangenen Tourneen doch noch einmal angeschwollen. So auch an diesem Abend, denn die für knapp 5.500 Zuschauer ausgelegte Halle ist mit geschätzten 3.000 Metal-Fans (sehr) gut gefüllt, als um 20:10 Uhr die Lichter erlischen, zunächst AC/DC und deren Shoot To Thrill sowie anschließend als Einleitung die Ode an die Freude erklingen und den Auftakt der Show einläuten. Nachdem das Banner fällt, gibt es den Blick auf die geschmackvoll gestaltete Bühne mit einer Empore, zwei Aufgängen, Geländer sowie „verwunschenen“ Bäumen und einer alten ebensolchen Hütte als Dekorationen frei.

Die Band legt mit dem Opener der neuen Scheibe, Ghost In The Moon, zunächst einmal noch ohne Gäste los. Schon vor den ersten Tönen begeistern Sammet, die Gitarristen Sascha Paeth und Oliver Hartmann, Bassist Andre Neygenfind, Keyboarder Miro Rodenberg sowie Schlagzeuger Felix Bohnke das Publikum. Hinzu gesellen sich von Anfang an drei Background-Sänger/Innen Adrienne Cowan (unter anderem LIGHT & SHADE), Herbie Langhans (VOODOO CIRCLE, BEYOND THE BRIDGE) und Ina Morgan, die teilweise später dann auch den Lead-Gesang übernehmen dürfen. Mitten im folgenden Starlight darf dann als erster Gast Ronnie Atkins (PRETTY MAIDS) zur Band stoßen und beweisen, dass er immer noch eine fesselnde Stimme hat.

Leider konnten auch dieses Mal nicht alle Gast-Sänger von “Moonglow“ mit auf Tournee kommen. So müssen AVANTASIA auf so prägende Stimmen wie die von Hansi Kürsch und Mille Petrozza verzichten. Und auch der langjährige Duett-Partner Michael Kiske ist dieses Mal leider verhindert – für ihn springt Multi-Talent Oliver Hartmann bei Reach Out For The Light ein. Aber überraschenderweise fällt das live nicht übermäßig ins Gewichst, weil dafür die anderen hochkarätigen Gäste wie eben Atkins, Eric Martin (MR. BIG), Geoff Tate (OPERATION: MINDCRIME, Ex-QUEENSRYCHE) und Jorn Lande „in die Bresche springen“. Und Adrienne Cowan übernimmt bei Moonglow dann die Rolle, die auf der Scheibe noch Candice Knight inne hatte. Ihre Flexibilität hatte sie bereits zuvor bewiesen, als sie in Book Of Shallows die Growl-Vocals von Petrozza mit fast noch mehr Gift und Galle ins Publikum feuerte. Neben dieser Power wirkt dann der Auftritt von Bob Catley (MAGNUM) in seinem blauen Blazer zumindest erstmal ein wenig handzahm, wie ein Auftritt von Chris Norman bei Carmen Nebel.

Die musikalische Reise an diesem Abend führt mit 25 Etappen durch fast alle Scheiben der Band. Dabei steht das aktuelle Album mit gleich acht Songs natürlich im Mittelpunkt. Die Band präsentiert das Material sehr druckvoll und tight, wobei sich die Musiker an ihre zugewiesenen Positionen halten und den Mittelpunkt der Bühne für Sammet und die übrigen Sänger freilassen. Diese singen allesamt furios und gefühlvoll,wobei man an mancher Stelle bei fast allen Vokalisten das Gefühl hat, die Strapazen einer solchen Tournee schon etwas zu hören. Das Ganze wird dabei aber mit so viel guter Laune und Spielfreude garniert, dass es fast unmöglich erscheint, dass selbst ein überkritischer Zuschauer hieran keinen Spaß haben kann.

Klar, das Klassenclown-Gehabe von Tobias Sammet kann manches Mal schon ein wenig übertrieben wirken. Aber es ist anscheinend eher der Ausdruck von Sammets Persönlichkeit als aufgesetztes Gehabe. Und die Spielchen mit dem Publikum tragen auch eher zur allgemeinen Erheiterung bei, als dass sie die Zuschauer nerven würden. Die goutieren den Auftritt auf jeden Fall mit einer ganzen Menge Applaus und Enthusiasmus, worauf die Band und Sänger mit einem Füllhorn von Lob für die Fans reagieren. Als dann nach drei Stunden und 20 Minuten das Hallenlicht wieder angeht, blickt man rundum in glückliche Gesichter – sowohl auf als auch vor der Bühne. Tobias Sammet und seine Band haben hier ein Show abgeliefert, die man ohne Übertreibung nur als ganz großes Metal-Kino bezeichnen kann. AVANTASIA sind live das Äquivalent eines Blockbusters à la Star Wars oder Herr Der Ringe und bieten eine Show, die man nur mit Superlativen überhäufen kann. Insofern klingt es am Ende schon verheißungsvoll, wenn Sammet ankündigt, mit AVANTASIA noch mal nach Saarbrücken zu kommen. Das sollte man sich definitiv nicht entgehen lassen.

Einige Bilder der Show findet ihr in unserer Gallerie.

An dieser Stelle geht noch der Dank an Mark Dehler von Netinfect für die freundliche Akkreditierung.

 

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