Schandmaul

Artus


CD-Review

Reviewdatum: 29.05.2019
Jahr: 2019
Stil: Folk Rock
Spiellänge: 75:10
Produzent: Fabio Trentini

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Plattenfirma: Vertigo/Universal

Promotion: Promotion Werft


Redakteur(e):

Martin Schneider

Titel
01. Der Meisterdieb
02. Der Totengräber
03. Vagabunden
04. Froschkönig
05. Auf und davon
06. Der Kapitän
07. Die Oboe
08. Chevaliers
 
09. Die Tafelrunde
10. Der Gral
11. Die Insel - Ynys Yr Afallon
12. Der weiße Wal
Camelot - Die Artus-Trilogie in orchestralem Gewand
13. Die Tafelrunde
14. Der Gral
15. Die Insel - Ynys Yr Afallon
Musiker Instrument
Thomas Lindner Gesang, Akuszikgitarre, Akkordeon, Klavier
Martin Duckstein Gitarren
Mathias Richter Bass
Stefan Brunner Schlagzeug
Saskia Forkert Geige, Drehleier
Birgit Muggenthaler-Schmack Flöten, Schalmeien, Dudelsäcke, Akkordeon
Gäste:
Jutta Simon-Alt Oboe
Ally The Fiddle Geige, Drehleier
Stephan Groth Drehleier
Simon Michael Percussions, Programming, Cembalo
Fabio Trentini Gitarre, Bass, Dulzimer
Dominik Morgenroth Camelot Orchesterarrangements

Zwanzig Jahre nach dem Debüt "Wahre Helden" beglücken uns SCHANDMAUL mit ihrem zehnten Studioalbum "Artus". ...und jetzt könnte ich es mir einfach machen und aus den Reviews der letzten Alben die Kernaussagen herausziehen, etwas neu anordnen und müsste dabei nicht einmal ein allzu schlechtes Gewissen haben, dem aktuellen Werk nicht gerecht zu werden.

Die Fans wird es freuen: SCHANDMAUL ziehen einfach unbeirrt ihr Ding durch. Das Schöne dabei: Man hat trotzdem nie das Gefühl der Band würden langsam die Ideen ausgehen. Auch Gleichförmigkeit oder gar Langeweile muss man nicht fürchten, schließlich bietet der typische Sound der Formation genug unterschiedliche Facetten und Ausdrucksmöglichkeiten.

Keine große Überraschungen, also freuen wir uns über ein weiteres starkes Album das den hohen Erwartungen stand hält und... Nein! Wir gehen nicht zur Tagesordnung über!

Ist es jetzt die langjährige Routine oder einfach nur ein extrem glückliches Händchen bei der Songauswahl? So überzeugend die Vorgänger waren, an einigen Stellen wirkten sie um Anspruch, aber auch um Leichtigkeit bemüht. "Artus" dagegen wirkt bei den ersten Hördurchgängen natürlicher, entspannter und spontaner. Große Songs hatten auch die letzen Alben zu bieten, aber hier reiht sich vor allem in der ersten Hälfte ein starker Song an den Nächsten. Vagabunden, mein persönlicher Favorit, ist hitverdächtig, radiotauglich und trotzdem zupackend. Das archetypische Der Meisterdieb ist eine stilistische Rückbesinnung auf die Anfangstage, nur weitaus fesselnder als vergleichbare Kompositionen der jüngeren Vergangenheit mit der gleichen Intention. Der Totengräber und Froschkönig sind typisch beschwingte Folknummern. Zwar nichts wirklich Neues, aber solche Songs sind bei den Schandmäulern schon wesentlich beliebiger ausgefallen. Nicht zu vergessen das gelungene Instrumental Chevaliers und selbst Der Kapitän hat was, wenngleich man von maritimen Themen in Zeiten von SANTIANO besser Abstand nimmt.

Dann die "Artus"-Trilogie, das namensgebende Herzstück des Albums... eine bittere Enttäuschung. Drei allenfalls durchschnittliche Kompositionen, die den positiven Gesamteindruck deutlich schmälern. Keine Ahnung, was da schief gelaufen ist. Angst vor der eigenen Courage? Vielleicht hätte man klotzen statt kleckern sollen. Die Bonus-CD "Camelot" bietet mitreißende, orchestrale Instrumentalversionen, die belegen, dass da weitaus mehr drin war. Warum es nicht auf die Spitze treiben, beides miteinander verbinden und eine opulente, orchestrale Folkrock-Oper erschaffen? So finden sich auf dem Album drei eher überflüssige Stücke und auf der zweiten CD ein überzeugendes, neoklassisches Epos mit Soundtrack-Charakter, dem bei aller Klasse irgendwo der SCHANDMAUL-Bezug fehlt.

Insgesamt ist "Artus" das erwartet gute, allerdings nicht perfekte Album.

 

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