Schlepzig, Gasthof Künzel, 27.05.2005

Als Nichtmitglied der Southern Rock Mailingliste kann ich leider nichts zum Rahmenprogramm berichten, das sicherlich wie man allgemein so vernimmt, wieder großartig, feucht und fröhlich war. Schon alleine dafür, insbesondere aber auch für den Part, auf den ich mich beschränken werde, nämlich das Konzert am Freitagabend des 27.05.2005 in Schlepzig, gebührt Torsten Starke und seinen helfenden Händen, dem Bewahrer der guten Musik im Reiche der Gurken und Fließe höchstes Lob und Anerkennung.
Die Gratwanderung zwischen familiärer Atmosphäre, einem geeigneten Umfeld, einer professionellen Organisation und einem absolut erstklassigen Line-up ist vollauf gelungen. Man merkt, dass hier echte Profis mit Leib und Seele und viel Herzblut bei der Sache sind. Bei letzterem fällt mir dann automatisch auch noch Ralf Rischke ein, der ebenfalls wesentlich zum Gelingen des Ganzen mit beigetragen hat.
Aber nun in medias res, wie ein Vorfahre der Southernrocker, Kaiser Nero, vielleicht gesagt hätte (immerhin musizierte er auch und hatte eine gewisse Affinität zum Element Feuer). Beim letztjährigen Listentreffen war die Idee entstanden, ein Southern-Rock-Projekt selbst auf die Beine zu stellen und so kam es dazu, dass sich bei den SOUTHERN ROCK JUNKIES unter anderem ein Listenmitglied und in der hooked-on-music-Redaktion umtriebiger Musiker mit dem typischen Southern-Rock-Nachnamen Schmidt auf der Bühne in Schlepzig einfinden sollte.

Southern Rock Junkies Die SOUTHERN ROCK JUNKIES rekrutierten sich aus Christian Haller, Gesang, Christian Schneider, Gitarre und Backing Vocals, der schon erwähnte Epi Schmidt, Gitarre und Gesang, Dieter Dressel, Gitarre und Gesang, Robert Hiemer, Initiator des Projekts, Bass und Gesang sowie Drummer Robert Scharz. Gelegentlich erhielten die Jungs noch Unterstützung von Maik Schorrat am, wie der Schwabe sagt "Goschahobel" (zu deutsch : Mundharmonika).
Los ging es, entsprechend dem hinter dem Schlagzeug prangenden, prächtigen Banner mit Ghost Riders In The Sky. In der Folgezeit wurde dann gecovert was Rang und Namen hat, sei es die Band mit den vielen Ypsilons, seien es die Gebrüder Allman, die Band die immer zuletzt im CD-Regal einsortiert wird (so man dies alphabetisch vornimmt) oder auch mal was von HATCHETs MOLLY.
Southern Rock Junkies Trotzdem die SOUTHERN ROCK JUNKIES nur zweimal im Vorfeld proben konnten, klang das alles ziemlich professionell (wenn man mal vom etwas schwachbrüstigen, nicht sonderlich transparenten Sound absieht, für den die Jungs ja nichts konnten) und die Stimmung stieg mit den Temperaturen merklich an. Deutlich merkte man, dass hier keine heurigen Hasen am Werk sind, sondern begeisterte Freizeitmucker, die allesamt in anderen Bands spielen. Beim Highway Song wurde die Musik dann endgültig zur Epi-demie (also hochgradig ansteckend), angesichts des im Epi-zentrum der Bühne befindlichen Musikers, optisch ein klein wenig an den (ganz) frühen Keith Richard erinnernd [Feigling! Zu sagen, er erinnert an den mittleren Keith, traut er sich nicht. Red.], wurde aus diesem Song mehr als nur eine Epi-sode und die Zuhörer mutierten endgültig zu Epi-kureern (für die Nichtphilosophen unter uns: das ist jemand, der die Freuden des Daseins relativ unbedenklich genießt). Kurz: klasse gemacht, Epi ! Aber auch die Slide-Guitar von Dieter Dressel und die kreischende Harmonika von Maik Schorrat sorgten mächtig für Laune, ein Rädchen griff prima ins andere, so dass letztendlich die Jungs nicht ohne ordentliche Zugabe von der Bühne durften. Das hat mächtig Spaß gemacht und verlangt eindeutig nach mehr.

Setlist Southern Rock Junkies: Ghost Riders In The Sky; Statesboro Blues; Gimme Three Steps; It's All Over Now; Highway Song; Let The Good Times Roll; Gator Country; Pickin' The Blues; Tube Snake Boogie; Dreams I'll Never See
Zugabe: Johnny B. Goode

Flatman Als nächstes sollten FLATMAN den Kessel noch etwas stärker zum Dampfen bringen. Die Drei-Gitarren-Armee aus Kulmbach (gegen Ende waren es dank Hans-Peter Mehnert sogar vier Klampfen) um die Kossmann-Brothers kann man wohl als ausgewiesen Liveabräumer bezeichnen und entsprechend gab es dann auch die gewisse Portion extra an Gitarrenbrett.
Die Herren Torsten Kossmann, Stefan Kossmann und Emil Renner ergänzen sich aufs Vorzüglichste, man merkt einfach, dass diese Band auf der Bühne zuhause ist. Die unzähligen Male, an denen man sich schon den A. abgerockt hat, machen sich einfach bezahlt. Noch dazu sind FLATMAN natürlich die absoluten Profiposer. Die Show ist sehenswert, hochgradig unterhaltsam, saft- und kraftvoll und musikalisch ist auch einiges dahinter. Das Timing und die Geschmeidigkeit der Übergänge war jedenfalls einwandfrei. Was will man also mehr? Vielleicht Untertitel bei Stefan Kossmanns Ansagen? Oder eine neue Frisur für den Frontmann? Naja, dafür gibt es ja den guten Stetson.

Flatman
Flatman

Das Programm bestand natürlich aus dem Besten was FLATMAN an eigenen Songs zu bieten hat (insbesondere von der aktuellen Scheibe "Hell-bent On Glory") plus einiger unverzichtbarer Covers wie Lonesome Boy From Dixie, T For Texas, Call Me The Breeze (die Jungs waren ja früher mal eine reine LYNYRD SKYNYRD-Coverband) und natürlich auch Danny Joe Browns Edge Of Sundown.
Flatman Inzwischen war, wie schon erwähnt, Hans-Peter Mehnert als vierter Gitarrero mit im Bunde um das Gitarren-Dauerfeuer noch zu intensivieren. Mit dem jeweiligen Sprung auf die Balustrade beim Solo gab es auch die dazugehörigen Schauwerte, kurzum, die fränkischen Südstaaten-Hochtourer ließen wieder einmal gehörig die Sau raus und keine Wünsche offen. Entsprechend aufgeheizt war das Gasthaus Künzel inzwischen, der Umsatz an Mineralwasser (oder wie heißt das gelbliche Zeug mit dem Schaum drauf?) dürfte allmählich die Ausmaße eines durchschnittlichen Männertags (ja, so heißt das im Osten) angenommen haben.

Flatman
Flatman

Setlist Flatman: That's All I Need; I Pray; Damn Good Band From Dixieland; Revenge; Hold My Heart; Mama Told Me; Sailor; Lonesome Boy From Dixie; Horse In Flames; Better You Hide; Shot Down; T For Texas; Bottle Of Booze; Edge Of Sundown
Zugaben: Hidden Man In The Mountains; Call Me The Breeze; Tuesday's Gone

Voodoo Lake
Voodoo Lake

Sehr gespannt war ich dann auf VOODOO LAKE, die ich noch nicht live gesehen hatte. Und was soll man sagen: meiner Meinung nach die absolute Krönung des Abends. Dampframmen-Gitarren raus und ein eher verspielter, versponnener, jamlastiger, mitunter gar psychedelischer und leicht jazziger Sound im Stile der frühen ALLMAN BROTHERS rein, war nun das Motto.
Großartig das solide Fundament des Bassisten Joe Ferrante. Phänomenal der Drummer Gianmaria Pepi. Mit seinen Fill-Ins und Sounds das Salz in der sehr wohlschmeckenden Suppe der Keyboarder Maurizio Spandre. Und allesamt noch regelrechte Jungspunde. Was darf man da noch erwarten. Dazu der Augen- und Ohrenschmaus, die charmante Julia Coluzzi. Die Gitarristen Simone Ubezio und der die musikalischen Fäden in der Hand haltende Max Arrigo, der oftmals an der Slide glänzte, ergänzten sich ohnehin auf das Wunderbarste.

Voodoo Lake
Voodoo Lake

Ganz besonders schön finde ich persönlich auch, dass die Turiner vorwiegend Eigenkompositionen im Programm haben, wenngleich natürlich auch das eine oder andere "Zitat" nicht fehlen durfte. Mit The Joker von der STEVE MILLER BAND hatte man auch einen nicht gerade reinrassigen Southern-Rock-Titel im Programm, der aber die ungeheuer relaxte, pointierte und sehr versierte und bedachte Art des Musikmachens von VOODOO LAKE ideal repräsentiert. Hoffentlich sind die bereits eingespielte Live CD und die DVD dieser phantastischen Band bald erhältlich.
Übrigens waren VOODOO LAKE auch vom Sound der Gewinner des Abends, die Abmischung war hier sehr ordentlich und transparent.
Als schließlich mit dem in Sweet Home Germany umformierten LYNYRD SKYNYRD Klassiker dieses einzigartige Festival ausklang, machte schon der eine oder andere Spreewaldhahn auf sich aufmerksam.
Als Fazit kann nur stehen: der Southern Rock lebt im Spreewald weiter und alle freuen sich schon jetzt auf 2006.

Setlist Voodoo Lake: Hellbound; Chain Of Fool; Daddy; Midnight Rider; Live With It; Son Of The Witch; Need To Leave; Manson; Fear Another; Lady Of The Rocks; Damn Light
Zugaben: The Joker; Sometimes; Sweet Home Alabama

Ralf Stierlen, 08.06.2005

Bilder: Norbert Neugebauer, 27.05.2005

 

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