Scorpions

Crazy World - Deluxe Edition


CD & DVD-Review

Reviewdatum: 15.10.2013
Jahr: 2013
Stil: Hard Rock

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Redakteur(e):

Marc Langels


Scorpions
Crazy World - Deluxe Edition, Universal Music, 2013
Klaus MeineGesang
Rudolf SchenkerGitarre
Matthias JabsGitarre
Francis BuchholzBass
Herman RarebellSchlagzeug
Gastmusiker
Koen Van BaalKeyboards (Wind Of Change)
Jim VallanceKeyboards (Send Me An Angel)
Produziert von: Keith Olsen Länge: 134 Min 55 Sek Medium: CD & DVD
CD:DVD:
01. Tease Me, Please Me01. Bad Boys Running Wild
02. Don't Believe Her02. Hit Between The Eyes
03. To Be With You In Heaven03. I Can't Explain
04. Wind Of Change04. The Zoo
05. Restless Nights05. Rhythm Of Love
06. Lust Or Love06. Crazy World
07. Kicks After Six07. Can't Live Without You
08. Money And Fame08. Blackout
09. Hit Between The Eyes09. Dynamite
10. Crazy World10. Lust Or Love
11. Send Me An Angel11. Big City Nights
12. Wind Of Change (Spanish Version)12. Rock You Like A Hurricane
13. Wind Of Change (Russion Version)13. Tease Me, Please Me (Music Video)
14. Big City Nights (Live)14. Don't Believe Her (Music Video)
15. Holiday (Live)15. Send Me An Angel (Music Video)
16. Hit Between The Eyes (Live)16. Wind Of Change (Music Video)

Für die deutsche Hard Rock-Institution SCORPIONS stellte ihr Album "Crazy World" gleich in zweifacher Bedeutung einen Scheidepunkt in ihrer Karriere dar. Denn zum einen war es nach 15 Jahren und acht Studio- und zwei Live-Alben in Folge das erste Werk, das nicht von ihrem angestammten Erfolgsproduzenten Dieter Dierks betreut wurde. Dieser hatte ihnen zu dem Status als erfolgreichste deutsche Rock-Band verholfen und galt quasi als sechster Skorpion. Und zum anderen wegen des Überhits Wind Of Change, der sich rückblickend aber auch als zweischneidiges Schwert erwies.

Aber der Reihe nach: nach der langen gemeinsamen Arbeit, die sich auf dem Vorgänger "Savage Amusement" schon merklich abgenutzt hatte, wollten die SCORPIONS etwas Neues versuchen und wandten sich nach Amerika, um mit solch etablierten Produzenten wie Keith Olsen (unter anderem WHITESNAKE, HEART, REO SPEEDWAGON) und externen Songwriterm wie Jim Vallance (zum Beispiel Bryan Adams) zu arbeiten. Letztgenannter bekam dann auch Credits bei sieben der insgesamt elf Stücke eingeräumt. Diese Entscheidung trug aber auch zu einer Amerikanisierung des Band-Sounds bei, der nun deutlich glatter daher kam als in den Zeiten von "Lovedrive", "Blackout" oder "Animal Magnetism". Aber auch das hatte sich bereits zuvor angedeutet und wurde hier nun nur konsequenter umgesetzt. Dadurch fielen leider einige etwas rauere Ecken und Kanten im Band-Sound weg.

Mit Wind Of Change hatte das Album aber einen Song zu bieten, der die Stimmung der damaligen Zeit exakt einfing und geprägt war von nahezu grenzenlosem Optimismus. Die Ballade wurde zur Hymmne des Aufbruchs und Wandels im ehemaligen Ost-Block und einem weltweiten Hit (Nummer 1 in sieben Ländern sowie hohe Chart-Platzierungen in den USA und Großbritannien). Aber durch ständige Wiederholungen im Radio und Fernsehen wurde man der Nummer aber auch schnell überdrüssig. Schließlich war sie eine Zeit lang omnipräsent. Sie verwandelte zudem das Bild der Band. Stand vorher ein Lied wie Rock You Like A Hurricane exemplarisch für die SCORPIONS, so war es danach in der landläufigen Meinung eben Wind Of Change. Kein wirklich vorteilhafter Wechsel, insbesondere wenn man eine Rock-Band ist. Denn dabei wird gerne übersehen, dass “Crazy World“ durchaus auch ein paar veritable Rocker zu bieten hatte. Als da wären der Opener Tease Me, Please Me, das Titelstück sowie Don’t Believe Her oder Lust Or Love stecken locker alles in die Tasche, was die SCORPIONS in ihrer Karriere danach noch so produziert haben.

Aber wirklich unverzichtbar wird das Werk für Hard Rock-Freunde durch die knapp einstündige Bonus-DVD. Diese enthält nämlich die Promo-Videos zu den Singles Tease Me, Please Me, Don’t Believe Her, Send Me An Angel und Wind Of Change. Aber darüber hinaus auch noch die Aufnahme eines Berlin-Konzerts der damaligen 1991er “Crazy World“-Tournee mit zehn Songs, wobei sich hier ganz Klassiker und Neulinge das Feld teilen: Bad Boys Running Wild, The Zoo, Blackout, Dynamite bilden den Rahmen für damals aktuellere Songs wie Hit Between The Eyes, Rhythm Of Love, Crazy World, Can’t Live Without You, Lust Or Love oder das THE WHO-Cover I Can’t Explain, das die Band für ein Greatest Hits-Album als Bonus und Single aufgenommen hatte. Dabei fällt auf, dass der große Hit Wind Of Change gar nicht vorhanden ist. Allerdings fehlen die auf der Hülle angekündigten Klassiker Big City Nights und Rock You Like A Hurricane . Ob dies nur bei meiner Version so ist, kann ich leider nicht sagen.

Die Konzert-Aufnahmen sind für damalige Verhältnisse wirklich guter Standard und das Bild natürlich im damaligen TV-Format 4:3 gehalten. Aber der Sound kommt gut rüber und transportiert die Stimmung gut ins heimische Wohnzimmer. Abgerundet wird das Paket durch ein Booklet mit Liner Notes von Malcom Dome, der darin auch zahlreiche offenbar aktuelle Zitate von Klaus Meine, Rudolf Schenker und Matthias Jabs über die Aufnahmen, das Songwriting und den Platz des Albums in der Band-Historie einbaut.

Und in letzterer Hinsicht sind sich die beiden Gitarristen einig: sie sehen “Crazy World“ als eines der stärksten SCORPIONS-Alben an. Jabs bezeichnet es gar als das drittbeste Werk der Band-Karriere. Das würde ich so sicherlich nicht stehen lassen, aber “Crazy World“ stellt das Ende des erfolgreichsten Karriere-Abschnitts der Band dar. In den folgenden Jahren wurden sie im Zuge des Grunge und einiger schwächerer Alben in den Hintergrund gedrängt und der Ruhm früherer Tage verblasste. Dennoch bleiben die SCORPIONS eine der wichtigsten Hard Rock-Bands, nicht nur Deutschlands, sondern weltweit.

Marc Langels, 12.10.2013

 

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