Seventh Wonder

Tiara


CD-Review

Reviewdatum: 08.12.2018
Jahr: 2018
Stil: Progressive Metal

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Redakteur(e):

Marc Langels


Seventh Wonder
Tiara, Frontiers, 2018
Tommy KarevikGesang
Johan LiefvendahlGitarre
Andreas BlomqvistBass
Andreas SöderinKeyboards
Stefan NorgrenSchlagzeug & Percussion
Produziert von: Andreas Blomqvist & Tommy Karevik Länge: 70 Min 01 Sek Medium: CD
01. Arrival08. Beyond Today (Farewell Pt. 3)
02. The Everones09. The Truth
03. Dream Machines10. By The Light Of The Funeral Pyres
04. Against The Grain11. Damnation Below
05. Victorious12. Procession
06. Tiara's Song (Farewell Pt. 1)13. Exhale
07. Goodnight (Farewell Pt. 2)

Da drohte aber eine Band etwas in Vergessenheit zu geraten: SEVENTH WONDER haben sich mit ihrem neuen Album, “Tiara“, wirklich einiges an Zeit gelassen. Acht Jahre ist es her, dass die Band mit “The Great Escape“ zuletzt eine Studio-Scheibe vorgelegt hatte (dazwischen gab es noch den Mitschnitt “Welcome To Atlanta – Live 2014“ vom ProgPower Festival in der US-Metropole aus dem Jahr 2014), Das ist nicht viel, zumal Frontmann Tommy Karevik, der seit 2012 als Sänger von KAMELOT zweigleisig fährt und in dieser Zeit mit seiner neuen Band gleich drei Alben auf den Markt geworfen hat. Nun gut ein wenig ist ja auch die Plattenfirma schuld, denn eigentlich sollte “Tiara“ ja bereits vor einem Jahr erscheinen, aber angesichts einer zeitnah anstehenden KAMELOT-Veröffentlichung, entschied sich Frontiers, den Release des neuen SEVENTH WONDER-Werks noch einige Monate zu verschieben. Sei es drum, nun ist das Werk ja da.

Wie man es von den Schweden fast schon nicht anders gewohnt ist, handelt es sich auch bei dem neuesten Streich um ein Konzept-Album, das von außerirdischen Wesen (die “Everones“ aus dem ersten Song) handelt, die die Menschheit für ihre Sünden büßen lassen sollen und einzig das junge Mädchen Tiara kann dieses drohende Schicksal dadurch abwenden, dass sie die Menschen eines Besseren belehrt und wieder auf den richtigen Weg bringt. Dabei muss man aber auch direkt klarmachen, dass die zwölf enthaltenen Lieder (der Einstieg mit Arrival ist ein Intro) auch jeweils für sich betrachtet funktionieren, ohne dass man sich über den thematischen Überbau Gedanken macht. Zumal die Texte das Konzept auch nicht zu dick auftragen.

Musikalisch bieten SEVENTH WONDER dabei wieder den von ihnen gewohnten progressiv ausgerichteten Metal, der spielerisch und rhythmisch vertrackt ist, klanglich aber gewisse Parallelen zu Kareviks anderer „Spielwiese“ erkennen lässt, aber dennoch mehr als genügend Eigenständigkeit aufweist. Insofern dürfte das Material auch dieses Mal für KAMELOT-Fans von Interesse sein. Die dürften sich denn auch gleich bei The Everones heimisch fühlen, wenn die Double-Bass von Schlagzeuger Stefan Norgren losballert. Der Song bedient denn auch eher die Power- als die Prog-Elemente, die man sonst verstärkt von SEVENTH WONDER und auf die Fans ein wenig länger als gewohnt warten müssen, denn “Tiara“ arbeitet sich über das schon etwas typischere Dream Machines hin zum ersten Highlight Against The Grain. Hier liefern SEVENTH WONDER wieder die ganze Bandbreite ihrer Fähigkeiten, von balladesk über eine abwechslungsreiche, emotionale Steigerung hin zu einem hymnischen Gänsehaut-Refrain, der den Song abrundet. Mit Victorious schielen mir die Schweden dann manches Mal etwas zu sehr auf Eingängigkeit - was ihnen zweifelsohne sehr gut gelingt -, aber insbesondere in der Bridge und dem Refrain zu süßlich klingt.

Die folgende “Farewell“-Trilogie stellt dann so ein wenig das Herzstück des Albums dar, Tiara‘s Song zeigt die Band wieder von ihrer musikalisch stärksten Seite und gleichzeitig sehr eingängig. Es war einer der Songs, die mir direkt beim ersten Durchgang im Ohr blieben. Anschließend geht es bei Goodnight zwar vorwiegend in ruhigere aber sehr proggige Gefilde, die dadurch umso mehr wirken und stellenweise an DREAM THEATER in deren “Awake“-Phase erinnern. Damit leiten sie zu Beyond Today hinüber, einem weiteren Höhepunkt dieser Scheibe. Insbesondere der emotionale Vortrag von Karevik macht aus einem guten ein überragendes Lied. Dieser Melodie kann sich auch ein beinharter Metal-Fan kaum bis gar nicht entziehen. Dass anschließend mit The Truth ein weiterer ruhiger Song ist dann – zumindest mal an dieser Stelle – einfach einer zu viel. Das hat sicherlich mehr mit der Geschichte zu tun, als dass es musikalisch geboten wäre. Zum Glück geht mit By The Light Of The Funeral Pyres die Fahrt dann wieder richtig ab. Eine Nummer, wie sie auch von KAMELOT stammen könnte (und das ist bitte ausschließlich als Lob zu verstehen). Über das gute Damnation Below und das kurze Procession kommen SEVENTH WONDER dann zum großen Finale in Exhale. Hier werden die musikalischen Fäden wieder im typischen Band-Stil aufgenommen und zu einem absolut passenden Ende zusammengeführt.

SEVENTH WONDER haben ihre Fans ganz schön darben lassen. Man kann nun nicht wirklich sagen, dass sich die lange Wartezeit voll und ganz gelohnt hätte, denn ein paar durchschnittliche Momente sind eben auch auf der neuen Scheibe dabei. Was ebenso auffällt ist, dass die Produktion ein Stück weit gewöhnlicher ausgefallen ist. Da, wo früher der sehr agile und melodiös gespielte Bass von Andreas Blomqvist im Band-Sound ein wenig das zweite akustische Standbein und immer richtig gut hörbar war, da ist er jetzt eher eines der fünf Instrumente (wenn man den Gesang mitzählt), das gleichberechtigt im klang existiert, aber eben nicht mehr so deutlich die Akzente setzt. Das hat früher den Klang der Scheiben geprägt und direkt deutlich gemacht: das hier sind SEVENTH WONDER. Insofern ist “Tiara“ wohl nicht die bisher beste Platte (wie es o gerne im Musikersprech heißt), aber eine weitere sehr gute, die sich aber zumindest einmal hinter “The Great Escape“ und insbesondere “Mercy Falls“ einreihen muss. Aber zum Glück haben SEVENTH WONDER hier trotz der Kritik doch ein sehr gelungenes Argument gegen das Vergessen-werden geliefert.

Marc Langels, 05.12.2018

 

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