Shakra

Everest


CD-Review

Reviewdatum: 03.04.2009
Jahr: 2009
Stil: Melodic Hard Rock

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Redakteur(e):

Marc Langels


Shakra
Everest, AFM Records, 2009
Mark FoxGesang
Thom BlunierGitarre
Thomas MusterGitarre
Dominik PfisterBass
Roger TannerSchlagzeug
Produziert von: Länge: 51 Min 29 Sek Medium: CD
01. Ashes To Ashes07. Regressive Evolution
02. Love & Pain08. Anybody Out There
03. Let Me Lie My Life To You09. Right Between The Eyes
04. The Illusion Of Reality10. Dirty Money
05. Why11. Insanity
06. The Journey12. Hopeless

Dass sehr gelungener Hard Rock aus der Schweiz nicht immer von GOTTHARD oder KROKUS stammen muss beweisen SHAKRA nun mittlerweile seit sieben Alben. Dass sie damit noch nicht in ähnliche verkaufstechnische Regionen vorgedrungen sind wie die beiden anderen Schweiz-Exporte bleibt dabei jedoch nach wie vor unverständlich, könnte sich mit “Everest“ aber ändern.

Denn das neue Album der Band bietet feinsten Hard Rock traditioneller Prägung, sprich zwei verzerrte Gitarren, ein pumpendes Bass und ein treibendes Schlagzeug, dazu eingängiger Gesang und das war’s. Keine Keyboardteppiche kleistern hier die letzten Ecken zu, an denen die Musik sonst Zeit zum atmen hat. Das haben SHAKRA auch gar nicht nötig. Sie versprühen auf ihrer CD den ursprünglichen Geist des Rock’n’Roll.

Und in diesem Sinne starten sie auch direkt mit Ashes To Ashes gleich voll durch. Straight, direkt, roh und ohne Rücksicht auf Gefangene. Absolut positiv wirkt sich auch die etwas „dreckige“ (in einem vollkommen positiven Sinne) Stimme von Sänger Mark Fox aus. Er verleiht der Musik eine zusätzliche Wildheit. Kein Wunder also, dass Gitarrist Thomas Muster bereits angedeutet hat, dass dieser Track der Opener für kommende Konzerte sein wird. Hiermit kann die Rock’n’Roll-Party sofort beginnen. Wie es sich bei einem Boxer für eine gute Kombination gehört, legen SHAKRA mit Love & Pain sowie Let Me Lie My Life To You direkt nach und bringen die CD richtig zum dampfen. Ersterer Song überzeugt mit seinem Mitsing-Refrain, während das zweite Stück mit kompromissloser Doppel-Gitarren-Arbeit nach vorne drückt. Wobei man generell festhalten muss, dass Muster und sein Kompagnon Thom Blunier auf “Everest“ ein wahres Feuerwerk abbrennen.

Bei The Illusion Of Reality nehmen SHAKRA dann ein kleines wenig den Dampf raus und gönnen dem geplätteten Zuschauer eine winzige Verschnaufpause, denn auch dieser Song kommt nicht ohne herrlich verzerrte Gitarren und treibende Rhythmusfraktion aus. Darauf folgt dann die erste von zwei Balladen. Why ist eine klassische Ballade mit Power-Ende und E-Gitarren-Solo. Gerade hierbei bewährt sich auch wieder Sänger Mark Fox mit seiner Stimme, der solche Balladen davor bewahrt, in kitschige Gefilde abzurutschen.

Wen SHAKRA zu diesem Zeitpunkt noch nicht am Haken haben, der wird sicherlich spätestens von The Journey gepackt, denn der fast achtminütige Track vereint alle Qualitäten einer großen Rocknummer. Er nimmt den Zuhörer mit auf eine spannende und abwechslungsreiche Reise, ist dabei durchgängig melodisch und bleibt immer spannend zu hören. Großes Rock-Kino für die Ohren eben. Im Vergleich dazu geht Regressive Evolution wieder deutlich direkter und aggressiver ab und macht keine Kompromisse. Anschließend schmeichelt sich Anybody Out There wieder so galant in die Gehörgänge, dass es sicherlich ein Kandidat für eine künftige Single-Auskopplung ist.

Zwei Drittel des Albums sind zu diesem Zeitpunkt geschafft und noch keine Schwächephase der Schweizer auf dem Weg zum Gipfel. Und bei Right Between The Eyes lassen SHAKRA auch nicht nach, hier hauen sie wieder einen Rock-Hammer raus, von dem es auf dem Album nur so wimmelt. Viele Bands wären sicherlich froh auch nur die Hälfte solcher Bombentracks auf einem Album zu haben. Dirty Money und Insanity mögen anschließend ein wenig zu typisch für SHAKRA sein und wirken dadurch wie ein Hochplateau kurz vor dem Gipfel, auf dem die Reise ein wenig stagniert, zumal mit Hopeless ausgerechnet die zweite Ballade das Album beendet. Das lässt mich persönlich leider immer etwas unbefriedigt zurück. Ich möchte lieber zum Schluss noch einmal richtig umgehauen werden. Aber das mag anderen eben auch anders ergehen.

Mit “Everest“ haben SHAKRA die allerhöchste Spitze nur um einen Hauch verpasst, aber die Schweizer liefern ein extrem gelungenes Album ab, an dem sich ihre Landsmänner von GOTTHARD und die wiedervereinten KROKUS erst einmal messen müssen. Und ob SHAKRA mit “Everest“ auch die Spitzen der Charts erklimmen bleibt sicher fraglich, was aber nichts mit der Qualität der Scheibe zu tun hat, sondern vielmehr damit, dass es eine Band, die so kompromisslos rockt, selten in diese Höhenregionen schafft, wenn sie nicht gerade AC/DC heißt.

Marc Langels, 02.04.2009

 

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