Shovels & Rope

Little Seeds

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 08.01.2017
Jahr: 2016
Stil: Americana

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Redakteur(e):

Holger Müller


Shovels & Rope
Little Seeds, New West Records, 2016
Carrie Ann Hearstvocals, guitars, bass, mandoline
Michael Trentdrums, vocals, harmonica
Produziert von: Michael Trent Länge: 46 Min 19 Sek Medium: CD
01. I Know07. Invisible Man
02. Botched Execution08. Johnny Come Outside
03. St. Anne's Parade09. Missionary Ridge
04. The Last Hawk10. San Andreas Fault Line Blues
05. Buffalo Nickel11. BWYR
06. Mourning Song12. Eric's Birthday
13. This Ride

Duos sind die neuen Trios. Galten früher Formationen wie CREAM oder Jimi Hendrix Experience als das Nonplusultra der experimentierfreudigen Rockmusik, ist diese Rolle spätestens mit den WHITE STRIPES auf die Zweier-Band übergewandert. BLACK KEYS, THE KILLS – oder eben auch SHOVELS & ROPE, die Paarbeziehung traut sich gerne einen grenzensprengenden Stilmix, den eine große Band im Bemühen, einen eigenen Band-Sound zu pflegen, meist nicht schafft.

Für Carrie Ann Hearst und Michael Trenton heißt das: Southern Roots mit Anleihen aus Blues, Garage-Rock und Punk munter den Mississippi rauf- und wieder runter zu jagen. Verstärker abwechselnd auf „overdrive“ und dann wieder auf leise stellen. Drums dahinter, die wie aus dem Waschkeller klingen. Und düstere „Southern gothic lyrics“ von entflohenen Zum-Tode-Verurteilten, Trauerstunden am Morgen oder dem San Andreas Fault Line Blues. Plus der auf dem Cover abgebildeten Schrecksekunde, wenn das Pärchen im Auto das frontal auf sie zukommende Fahrzeug bemerkt – mit Crash-Bildern innen im Booklet.

Leider hat dem Ehepaar bei der Produktion in deren eigenem Studio niemand zugerufen, dass verzerrter, auf Garage getrimmter Gesang anno 2017 vielleicht noch einen Song lang spannend ist, aber nicht für die Dauer eines halben Albums. Lo-Fi ist cool, wenn junge Spunde nicht viel Geld haben, aber nicht, wenn sich ein etabliertes Americana-Paar, das längst auch bei den großen Künstlern in Austin und Nashville einen Namen hat und beim renommiertern New West-Label gelandet ist, auf Kellergewölbe trimmt.

Deshalb bleiben am Ende von „Little Seeds“ auch nur ein paar Songs wirklich hängen – aber die haben es in sich. The Last Hawk ist die Art von Freiheits-Hymne, die nur Amerikaner mit Innbrunst singen können, ohne dabei peinlich zu wirken: „I am the last hawk, flying over Woodstock, this is my last stop, 'fore I'm on the way...“. Johnny Come Outside beschreibt mit bitterer Ironie und lässiger Harmonica die Leiden eines mit Medikamenten voll gestopften und übertherapierten Kindes. BWYR ist ein düsterer Sprechgesang, der die Rassendiskriminierung und den Hass anklagt.

Am schönsten aber klingt das Ehepaar Hearst/Trent, wenn es die Verstärker und Fuzz-Geräte mal beiseite stellt und sich auf den puren Southern Folk besinnt. Missionary Ridge ist von jener klassischen Zeitlosigkeit, dass der Song auch aus den Tagen des Civil Wars stammen könnte. „Don't go whisteling Dixie on Missionary Ridge, don't call to arms these Poltergeists to open up the casket lids“, dazu perlt eine Mandoline wie ein Herbsttag in den Appalachen. Und von Ferne glaubt man einen Trupp müder Yankees heranmarschieren zu sehen, die von einem Typen angeführt werden, der verdammt wie Steve Earle aussieht...

Holger Müller, 05.01.2017

 

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