Siddhartha

Trip To Innerself


CD-Review

Reviewdatum: 10.06.2009
Jahr: 2009
Stil: Progressive Rock

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Redakteur(e):

Marc Langels


Siddhartha
Trip To Innerself, Trail Records, 1998/2009
Özgür KurcanGesang & Gitarre
Ege MadraGitarre
Ulas AkinBass
Volkan YildirimKeyboards
Orkun ÖkerKeyboards
Kaan SezginSchlagzeug
Gastmusiker
Nil KaraibrahimgilGesang (Black)
Kerem ÖzyegenGesang (The Explorer)
Neslihan EnginKeyboards (Baroque, Beyond Destiny & Distant Cry)
Berke ÖzcanPercussions (The Explorer)
Produziert von: Siddhartha & George Dugan Länge: 60 Min 03 Sek Medium: CD
01. A Trip To Innerself05. Nervous Breakdown
02. The Explorer06. Beyond Destiny
03. Desert07. Distant Cry
04. Baroque08. Black

Bei SIDDHARTHA handelt es sich um eine Prog-Rock-Band aus Istanbul, die sich in den 1990er Jahren gründete und sich um die Jahrtausendwende auflöste. Zehn Jahre nach der ersten Veröffentlichung, erscheint “Trip To Innerself“ erneut, dieses Mal überarbeitet (sowohl was den Sound als was auch die Reihenfolge der Lieder angeht) unter dem Banner der amerikanischen Plattenfirma Trail Records. Derweil arbeiten einige der Musiker von SIDDHARTHA momentan unter dem Namen SAINT-ETHIQUE an neuem Material.

Die Vorfreude war sehr groß – Prog-Rock aus der Türkei. Da schießen einem gleich viele Fragen durch den Kopf: wie wird wohl der Orient die typische Musik des Okzident bereichern? Welche Einflüsse, Rhythmen oder Skalen werden das Ohr bezaubern? Nun, vor allem leider bekannte. Denn SIDDHARTHA belassen es weitestgehend dabei, die Pfade von PINK FLOYD, PORCUPINE TREE und RPWL weiter auszuloten. Dem fügen sie noch einige Elemente des Psychedelischen Rock (hier vor allem THE DOORS-Passagen) hinzu, so dass die Gesamtmixtur doch manchmal wie ein ausgedehnter „Trip“ klingt. Aber dann fällt ein Blick auf das Datum der Aufnahme, da steht 1998, damit waren SIDDHARTHA zumindest vor RPWL unterwegs, so dass dieser Vergleich eher dem Umstand geschuldet ist, dass es von der Türkei bis nach Deutschland manchmal doch mehr als zehn Jahre dauert.

Nach der ersten Ernüchterung über das weitgehend von eigenem kulturellen Einfluss befreite Werk, klingt die CD bei den folgenden Durchläufen durchaus gelungen, wenn auch nicht wirklich originell, denn zu häufig hat man den Eindruck, einer PINK FLOYD- und THE DOORS-Cover-Band zu lauschen, die einfach beide Stile vermischen. Dabei gelingt es SIDDHARTA durchaus sehr phantasievolle und emotional berührende Klangwelten zu kreieren.

Dies ist schon direkt beim Titelstück und Opener der Fall, der zunächst hypnotisch-repetitiv-perkussiv daher kommt, ehe eine cleane E-Gitarre-Struktur das Ganze über sphärischen Keyboard-Sounds aufbricht, die zielsicher den Pfad zwischen David Gilmour (PINK FLOYD) und Robby Krieger (THE DOORS) beschreitet. Dazu bewegt sich die Bass-Linie aufgeregt im Hintergrund und verleiht dem Stück schon eine gehetzte Stimmung, bevor der Rest der Band an Fahrt aufnimmt. Aber wehe, wenn sie losgelassen! Denn dann entfachen die Türken mit dem Faible für Hermann Hesse eine spannungsgeladene Melange aus Spielfreude und Verträumtheit. Etwas anstrengend wird es dann jedoch, wenn beide Gitarristen meinen, gleichzeitig solieren zu müssen. Dass sie es alleine viel besser können beweisen sie um Ausklang von A Trip To Innerself.

Und so geht es auch bei den folgenden Stücken weiter. Die Musik ist sehr professionell, wobei den Gitarristen auch das ein oder andere Effektgerät gut zu Gesicht stünde, denn der Sound ist manches Mal – vor allen bei den cleanen Akkorden – doch arg schwach und blechern. Ein weiterer Schwachpunkt der CD ist der Gesang. Einmal ganz abgesehen von dem etwas wirren Englisch (was noch zu verschmerzen wäre), zeigen sowohl die männliche Lead- als auch die weibliche Gast-Stimme überwiegend schwache Leistungen. Es scheint ihnen auch an dem nötigen Selbstvertrauen zu fehlen, so zaghaft, wie sie ihre Stimmen einsetzen. Zum Glück spielt der Gesang bei SIDDHARTHA auch eine sehr untergeordnete Rolle. Die Musik lebt von den Instrumental-Passagen und die sind ja durchaus als gelungen zu bezeichnen. Klar, nicht jedes Solo ist der „Bringer“ und manches Mal ist es einfach zu ermüdend repetitiv, was insbesondere die Gitarristen da an mancher Stelle liefern. Aber es gibt eben auch lichte Momente und die erstrahlen dafür umso heller. Schön wäre es aber auch, wenn bei “Trip To Innerself“ nicht alles so einzig und alleine auf die Gitarren ausgerichtet wäre. Die restlichen Instrumente tragen leider viel zu wenig dazu bei, die Songideen weiterzuentwickeln.

Insgesamt gesehen bleibt eine sehr solide, wenn auch nicht wirklich spektakuläre CD. Denn es gelingt der Band bei aller Professionalität und Spielfreude viel zu selten, eigene und neue Akzente zu setzen, etwas Ungewöhnliches zu schaffen und aus der Masse an ebenfalls talentierten Prog-Rock-Bands herauszustechen. Alleine die Herkunft reicht eben nicht aus, denn der Exoten-Status bringt nur kurzfristige Aufmerksamkeit, die man dann aber mit außergewöhnlicher und origineller Musik am Leben halten muss. Dazu wäre eine Besinnung auf die eigene Herkunft sicher hilfreich gewesen. Und das gelingt SIDDHARTHA bei “Trip To Innerself“ leider viel zu selten.

Marc Langels, 08.06.2009

 

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