Silent Memorial

Retrospective


CD-Review

Reviewdatum: 15.05.2009
Jahr: 2009
Stil: Progressive Metal

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Redakteur(e):

Marc Langels


Silent Memorial
Retrospective, Limb Music Products, 2009
Mike AnderssonGesang
Christoph BärtschiGitarre
Sugar BurnsBass
Chris HänggiKeyboards
Diego RapacchiettiSchlagzeug
Produziert von: Pontus Lindmark Länge: 54 Min 11 Sek Medium: CD
01. Human Mind05. The Darkest Hour
02. Differences06. TV World
03. Fear07. Lost
04. Retrospective

Im Bereich des Prog-Metal war die Schweiz bisher weitestgehend ein unbeschriebenes Land. Von den Eidgenossen kannte man musikalisch neben dem Total-Ausfall DJ Bobo vor allem knackigen Hardrock der Marke GOTTHARD, KROKUS und SHAKRA sowie düsteren Thrash- und Death-Metal von CELTIC FROST. Nun schicken sich also SILENT MEMORIAL mit ihrem zweiten Album an (das Debüt kam vor zehn Jahren lediglich in Japan heraus), den weißen Flecken auf der Landkarte zu tilgen.

Dabei schwimmen die Eidgenossen – wie fast nicht anders zu erwarten – weitestgehend im Fahrwasser der Götter und Überväter im Bereich des Prog-Metal: DREAM THEATER und mischen hier und da Zutaten anderer Bands wie etwa SYMPHONY X und FATE’S WARNING hinzu. Das ist keine neue Erscheinung im Prog-Metal-Bereich, lässt aber manchmal die Frage aufkommen: ist das dann noch Prog im Sinne von progressiv, wenn man auf den ausgelatschten Pfaden anderer Bands wandelt – egal wie gut?

Natürlich liegt das Problem auch etwas in der Natur der Sache bedingt, denn schließlich decken Bands DREAM THEATER, SYMHONY X und FATE’S WARNING ein sehr breites Sound-Spektrum bereits großräumig ab, so dass es neuen Bands verständlicherweise schwer fällt, sich eine eigene Nische zu schaffen. Zumal man auch SYMPHONY X in manchen Passagen vorwerfen könnte, eine gewisse Nähe zu DREAM THEATER aufzuweisen. Von daher sollen meine mahnenden Worte auch nicht als spezifische Kritik an SILENT MEMORIAL gemeint sein, sondern eine Aufforderung mehr eigene Persönlichkeit in die Musik einzubringen.

Denn an den musikalischen Fähigkeiten der Schweizer bestehen überhaupt keine Zweifel, alle beherrschen ihre Instrumente perfekt und auch das Songwriting auf “Restrospective“ weiß durchgehend zu überzeugen. Alle Songs sind stimmig, die Instrumental-Passagen schön frickelig aber nie zu lange oder kompliziert geraten, die Rhythmen sind sowohl vertrackt als auch treibend wenn es der Song verlangt, die Stimme klingt angenehm rau und tief aber nicht gepresst.

Musikalisch am stimmigsten und am meisten bei sich selbst wirken SILENT MEMORIAL aber auf mich, wenn sie sich eher in den speedigen Heavy Metal-Bereich wagen und diesen ein wenig länger durchhalten. Es macht manchmal den Eindruck, als wäre das der eigentliche Background der Band und das Progressive eher auf die Musik „draufgesetzt“. Dennoch sind auch die Prog-Anteile in sich sehr stimmig, die Dramatik stimmt, trotz aller Komplexität kann man den Songs sehr gut folgen und hin und wieder beweisen, SILENT MEMORIAL sogar, dass sie Scherzbolde sind – so lässt Gitarrist Christoph Bärtschi im 22-minütigen Titelstück schon mal ganz kurz die James Bond-Erkennungsmelodie erklingen. Aber auch die anderen Songs sollten alle Freunde sowohl des Heavy Metal als auch des Progressive Metal begeistern können. Sie sind alle sehr sehr stark.

Alles in allem gesehen sind SILENT MEMORIAL eine echte Bereicherung für die Schweizer und internationale Musikszene, denn die Band musiziert auf höchstem Niveau, schreibt sehr gute Songs, hat ein gutes Gespür für packende Melodien und verbindet die dennoch mit der nötigen Härte – einzig ein Stück mehr Eigenständigkeit fehlt um aus “Restrospective“ mehr als nur ein sehr gutes Prog-Metal-Album im Stile von DREAM THEATER zu machen.

Marc Langels, 15.05.2009

 

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