Simple Minds

Celebrate


CD-Review

Reviewdatum: 28.03.2013
Jahr: 2013
Stil: Pop

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Redakteur(e):

Marc Langels


Simple Minds
Celebrate, Virgin Music, 2013
Jim KerrGesang
Charlie BurchillGitarre
Weitere Musiker
Mel GaynorSchlagzeug
Andy GillespieKeyboards
Ged GrimesBass
Malcolm FosterBass
John GiblinBass
Mark TaylorKeyboards
Mike OgletreeSchlagzeug
Eddie DuffyBass
Michael McNeillKeyboards
Derek ForbesBass
Produziert von: Simple Minds Länge: 216 Min 31 Sek Medium: CD
CD 1: 1979 - 1984
01. Life In A Day09. Theme For Great Cities
02. Chelsea Girl10. Promised YOu A Miracle
03. Changeling11. Glittering Prize
04. I Travel12. Someon Somewhere In Summertime
05. Celebrate13. New Gold Dream (81, 82, 83, 84)
06. The American14. Waterfront
07. Love Song15. Speed Your Love To Me
08. Sweat In Bullet16. Up On The Catwalk
CD 2: 1985 - 1991
01. Don't You (Forget About Me)09. Biko
02. Alive And Kicking10. This Is Your Land
03. Sanctify Yourself11. Kick It In
04. All the Things She Said12. Let It All Come Down
05. Ghost Dancing13. Let There Be Love
06. Promised You A Miracle (live)14. See The Lights
07. Belfast Child15. Stand By Love
08. Mandel Day16. Real Life
CD 3: 1995 - 2013
01. She's A River10. One Step Closer
02. Hyptnotised11. Home
03. Glitterball12. Stranger
04. War Babies13. Stay Visible
05. Space14. Rockets
06. Jeweller To The Stars15. Stars Will Lead The Way
07. Dancing Barefoot16. Stagefright (New Song)
08. Cry17. Blood Diamonds (New Song)
09. Spaceface18. Broken Glass Park (New Song)

35 Jahre sind eine lange Zeit in der Musikbranche und ein guter Grund zu feiern, auf englisch eben „celebrate“. Die SIMPLE MINDS haben in diesen 35 Jahren seit ihrer Bandgründung in Glasgow eine Menge mitgemacht. Sie haben sich stilistisch gewandelt, spielten die Musiker vor ihrer Firmierung als SIMPLE MINDS noch Punk, so wandelte sie sich schnell über den phasenweise noch recht naiv konstruierten New Wave der Anfangstage hin zu der erfolgreichen Pop-Band, die von Anfang der 1980er Jahre bis Mitte der 1990er ein Hit-Album an das nächste reihte und mit Ohrwürmern eine ganze Generation infizierte. Auf jeden Fall gehören die SIMPLE MINDS in die seltene Riege der Bands, die in ihrer Karriere mehr als 30 Millionen Alben abgesetzt haben. Na, wenn das alles kein Grund zum Feiern ist?

Und es gibt wohl kaum ein besseres „Geschenk“, das eine Band ihren Fans machen kann als dieses. Auf drei CDs und mit insgesamt 50 Liedern wird der musikalische Werdegang der Band fast schon akribisch nachgezeichnet. Die erste CD wird dabei den Anfangstagen gewidmet, von den ersten zarten Erfolgen – Hits kamen ja später – wie Life In A Day, Chelsea Girl oder Changeling bis zum Durchbruch Promised You A Miracle oder Waterfront. Hier ist alles vertreten, was die SIMPLE MINDS in der Frühphase ihrer Karriere ausmachte. Dabei kann man gut ihren langsamen Wandel von einer unterkühlt wirkenden, einfach strukturierten New Wave Band zu einer Gruppe nachvollziehen, die Experimente wagt, wie etwa das Instrumental Theme For Great Cities und ihren eigenen Sound an der Schnittstelle von Wave und Pop-Musik findet. Dabei kamen schon einige frühe Highlights ihres Schaffens heraus, wie die bereits erwähnten Promised You A Miracle, Waterfront oder aber auch Someone Somewhere In Summertime.

Die zweite Silberscheibe fasst dann auf knapp 75 Minuten all das zusammen, was man als den SIMPLE MINDS-Sound kennt. Über Songs wie Don’t You (Forget About Me), Alive And Kicking, Sanctify Yourself, All The Things She Said, Promised You A Miracle, Belfast Child, Mandela Day, Real Life oder das Peter Gabriel-Cover Biko noch Worte zu verlieren, ist müßig. Diese Lieder gehören quasi ins musikalische Gedächtnis der 80er Jahre, haben die DNA der damaligen Pop-Musik entscheidend mit-geprägt und der Band den Legende-Status beschert, der ihr heute auch noch zuteil wird. Auch die Lieder, die in der Auflistung fehlen stehen ihren prominenteren Genossen in so gut wie nichts nach.

Die dritte CD beleuchtet dann die letzten zwanzig Jahre und macht dabei deutlich, dass die Bedeutung der Band doch merklich nachgelassen hat. Dabei gehören die ersten beiden Songs She's A River und Hypnotized eigentlich noch zu der Hochphase der Gruppe. Sie zeigen noch mal die Klasse, die cleveren Strukturen und der Einsatz von Sounds und Instrumenten sowie die eingängigen Gesangs-Melodien, für die die SIMPLE MINDS bekannt und beliebt wurden. Doch danach fällt das Niveau der Kompositionen schon merklich ab. Es scheint so, als seien Jim Kerr und Charlie Burchill ein wenig die zwingenden Ideen ausgegangen. Dann bieten die SIMPLE MINDS eher simple Pop-Kunst. Immer noch unverkennbar (insbesondere durch Kerrs Stimme), aber eben nicht mehr so zwingend. Abgerundet wird das Paket durch drei neue Songs. Dabei kann keiner der Tracks an frühere Großtaten heranreichen. Stagefright wirkt mit seinen futuristischen Keyboard-Sounds und seinem hektischen Rhythmus etwas fahrig. Blood Diamonds fällt fast schon zu gefällig aus und bietet keine Abwechslung innerhalb des Songs. Und genau das gleiche gilt für Broken Glass Park. Da waren die SIMPLE MINDS früher einfach pfiffiger in ihren Kompositionen.

Trotz dieser Schwächen ist "Celebrate" eine wahre Feier für die dreißig Jahre, die die SIMPLE MINDS nun mehr schon im Geschäft sind. Und das Paket ruft noch einmal eindrucksvoll in Erinnerung, was für Perlen der Pop Musik die Gruppe (insbesondere in der mittleren Phase der Band-Geschichte) geschaffen hat. Entsprechend gebührt ihnen ein gehöriges Maß an Respekt, auch wenn viele Kritiker die Musiker heute und vor allen Dingen aus heutiger Sicht eher mitleidig bis amüsiert begutachten. Natürlich mögen die Texte aus jetziger Perspektive etwas einfältig oder simpel wirken. Und die Tiefe und Komplexität eines Peter Gabriel erreicht die Musik auch nicht. Aber das, was sie machen, das machen sie einfach gut - und in ihrer besten Phase machten sie es sogar phantastisch. Und das ist es wirklich Wert gefeiert zu werden. "Celebrate", eben.

Marc Langels, 25.03.2013

 

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