Slipknot

We Are Not Your Kind


CD-Review

Reviewdatum: 11.08.2019
Jahr: 2019
Stil: Nu Metal
Spiellänge: 63:51
Produzent: Greg Fidelman

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Plattenfirma: Roadrunner Records

Promotion: Oktober Promotion


Redakteur(e):

Marc Langels


s. weitere Künstler zum Review:

Machine Head

Titel
01. Insert Coin
02. Unsainted
03. Birth Of The Cruel
04. Death Because Of Death
05. Nero Forte
06. Critical Darling
07. Liar‘s Funeral
 
08. Red Flag
09. What‘s Next
10. Spiders
11. Orphan
12. My Pain
13. Not Long For This World
14. Solway Firth
Musiker Instrument
Corey Taylor Gesang
Shawn Crahan Percussion
Jim Root Gitarre
Mick Thomson Gitarre
Sid Wilson DJ
Chris Fehn Percussion
Craig Jones Sampling
Alex Venturella Bass
Jay Weinberg Schlagzeug

Fünf Jahre haben SLIPKNOT gebraucht, um nach der bislang jüngsten Scheibe, “.5: The Gray Chapter“, und folgender Tour sowie der nötigen regenerativen Pause, das neue und mittlerweile sechste Album der Bandgeschichte einzuspielen. Dabei sind sie wieder (wie ja eigentlich immer) konsequent ihre eigenen Wege gegangen und proklamieren auch entsprechend selbstbewusst wie immer im Titel “We Are Not Your Kind“. Und musikalisch sowie optisch gibt es derzeit tatsächlich wohl keine andere Band wie sie.

(Foto: Alexandria Crahan Conway)

Das machen sie auch hier gleich mit dem ersten Lied und Single Unsainted (der Opener Insert Coin ist nur ein akustisches Intro) wieder klar. Eine SLIPKNOT-Nummer wie sie typischer und atypischer fast nicht sein könnte. Zunächst sphärisch mit Kinderchören im Hintergrund und dann aggressiv, peitschend, aufwühlend und dennoch auf ihre ureigene Art und Weise mit einer geradezu hypnotischen Eingängigkeit ausgestattet ist der Track die perfekte Eröffnung für das folgende Werk. Dabei hört man auch wieder die SLIPKNOT-eigene Mischung aus Schlagzeug und Percussion-Elementen.

Der zweite Song, der ebenfalls schon als Video vorab zu hören war, Birth Of The Cruel zeigt die Band aus Iowa dann von ihrer Groove-betonten Seite, die auch den Einfluss von Industrial-Metal auf die Musiker ein wenig deutlicher zeigt als dies sonst der Fall ist. Nero Forte hingegen knallt mit einem schweren und dabei recht straighten Gitarren-Riff in die Gehörgänge und der aggressive Gesang von Corey Taylor wird mit sehr eingängigen Hintergrund-Chören kontrastiert. Das anschließende Critical Darling wird die Band wohl auch nicht zu einem solchen machen. Aber die Fans der Band werden es dafür umso mehr lieben, denn die Nummer bietet wieder einen eingängigen Refrain zusammen mit der nötigen Härte.

Dabei sprechen wir aber konsequent nicht von der Härte, die vor 20 Jahren das Debüt und zwei Jahre später “Iowa“ zu Metal-Meilensteinen machte. Diese - stellenweise auch mal als stumpfsinnig empfundene – Brutalität haben SLIPKNOT schon auf dem vergangenen Album hinter sich gelassen und bewegen sich jetzt eher in einer, für ihre Verhältnisse, mittleren Härte, die in etwa vergleichbar ist mit der von MACHINE HEAD, etwa beim treibenden Red Flag. Eher ungewöhnlich und experimentell fällt hingegen Spiders aus, das man so auch auf einer NINE INCH NAILS-Scheibe hätte finden können.

Mit dem typischen SLIPKNOT-Kracher Orphan geht es ins Schlussrunde. Hier dominieren extralange Nummern das Bild, denn auch My Pain und Not Long For This World überschreiten die Sechs-Minuten-Marke. Dabei ist My Pain wieder eine elektronische und sehr ruhige Nummer, die einige Anhänger der Band sicher überraschen dürfte. Diesen Ansatz verknüpfen sie mit metallischen und hymnischen Elementen in Not Long For This World und nutzen die Möglichkeiten, die ein langer Song (und eine lange Songwriting-Phase) zur Entwicklung von Ideen auch bietet.

In dieser Hinsicht merkt auch Gitarrist Jim Root merkt an: „Wir hatten noch nie so viel Zeit, ein Album zu schreiben und gemeinsam an Sachen zu arbeiten. Eine meiner Inspirationen waren dieses Mal Künstler, die komplette Alben aufnehmen – und nicht einfach nur Songs. Während die gesamte Branche sich in Richtung Singles entwickelt, wollten Slipknot von vorn bis hinten ein Album-Erlebnis erschaffen.“ Shawn Crahan fügt hinzu: „Noch nie hat die von uns gemachte Kunst ein so erfüllendes Gefühl verschafft, ganz einfach, weil so viel Zeit darin steckt. Fast vier Jahre, um diese Emotion und Temperatur entstehen zu lassen und der Lohn ist nicht weniger als Erlösung.“

Den Abschluss der Scheibe bildet mit Solway Firth ein weiterer Song, den die Band auch schon vorab als Single/Video veröffentlicht hatte. Ruhiger Einstieg und dann nach einer Minute geht die Sause dann in typischer SLIPKNOT-Manier los. Ein starkes Finale für das sechste Werk. “We Are Not Your Kind“ ist genau das geworden, was sich die Fans der Maskenmänner als Nachfolger von “.5: The Gray Chapter“ erwarten durften. Die Band setzt ihren Weg konsequent fort, der sich voraussichtlich weiter in den metallischen Mainstream – im Sinne von Verkaufszahlen und Fanmasse - führen wird. Denn zum einen bieten sie immer noch genügend Härte für die Fans der Anfangsphase aber eben auch zahlreiche sehr ruhige und melodiöse Stücke, die sicherlich auch etliche neue Anhänger generieren werden, die bisher vielleicht von den überwiegend harten Stücken und dem „Brutalo-Image“ abgeschreckt wurden. Aber vorhersehbar waren SLIPKNOT noch nie und das bleiben sie auch auf “We Are Not Your Kind“ - zum Glück.

 

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