Slow Ride

Join Together

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 19.01.2008
Jahr: 2008

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Slow Ride Homepage



Redakteur(e):

Jürgen Ruland


Join Together, Hiram Records, 2008
Tony Stevens Bass, Backing Vocals
Billy Livesay Lead Vocals, Guitar
Tommy Hall Guitar, Keyboards, Harmonica, Backing Vocals
Eddie Zyne Drums
Länge: 47 Min 32 Sek Medium: CD
1. Little Bit Of Hurt7. Magic Hat
2. Redemption8. Under The Heat Of A Full Moon
3. Join Together9. Over My Head
4. Hoochie Coochie Man10. Fool For The City
5. Subterranean Home Sick Blues11. Slow Ride
6. Looking For You

Wer an dieser Stelle SLOW RIDE mit der legendären Boogie-Institution FOGHAT verbindet, der liegt goldrichtig. Bassist Tony Stevens, der vor dem erstaunlich überzeugenden aktuellen Live-Album der Band den Platz für Craig MacGregor räumte, hat mit SLOW RIDE (s)eine neue Band an den Start gebracht.
Der stramm auf die Sechzig zugehende Stevens darf auf eine erlebnisreiche Karriere zurückblicken. Als Kind in einem Zirkus aufgewachsen, begann er seine wechselvolle Laufbahn als Musiker bereits im Swinging London der Sechziger, um zum Ende der Dekade hin gemeinsam mit einem gewissen "Lonesome" Dave Peverett (Vocals, Gitarre) und dem Drummer Roger Earl bei SAVOY BROWN mitzuwirken. Der Rest ist Geschichte... bis Stevens, der zuvor auch als Lead-Gitarrist fungierte, Mitte der siebziger Jahre, unmittelbar vor dem absoluten Durchbruch FOGHATs in den USA, die Band verließ. Nach diversen weiteren Stationen als Musiker und Schauspieler (!) ließ er FOGHAT zu Beginn der Neunziger zusammen mit Peverett, Earl und dem langjährigen zweiten Gitarristen Rod Price wieder aufleben. Nach Prices Ausstieg gegen Ende des alten Jahrtausends und Peveretts Tod (2000) hielt Stevens gemeinsam mit Roger Earl das FOGHAT-Banner hoch und veröffentlichte mit den neuen Mitgliedern Charlie Huhn (Vocals, Gitarre) und Bryan Bassett (Gitarre) das höchst durchschnittliche Album "Family Joules" (2003). Stevens wirkte dabei auch als Songwriter mit, ohne jemals in die qualitative Nähe der alten Peverett/Price-Klassiker zu gelangen. FOGHAT veröffentlichten nach Stevens Ausstieg im Vorjahr einen Live-Mitschnitt plus Bonus Studio-Tracks in einer nicht mehr erwarteten Qualität. Und Tony Stevens?

Der formierte im Jahre 2005 eine neue Band, wie auf der bandeigenen Homepage nachzulesen ist, in bester FOGHAT-Tradition.
Den Gesang und zusätzlich einen der beiden Gitarristen-Posten übernahm Billy Livesay, der zuvor u.a. als Songwriter und Tour-Musiker für diverse Künstler unterwegs war. Tommy Hall fungierte bis dato als Multi-Instrumentalist mit beachtlichen Fähigkeiten als Lead-Gitarrist. Sowohl er als auch Billy Livesay arbeiteten in der Vergangenheit mit dem Sänger Brian Howe (ex-BAD COMPANY) zusammen. Eddie Zyne ist im Dunstkreis von FOGHAT kein Unbekannter. Bereits 1990 wirkte er als Drummer in der Band von "Lonesome" Dave Peverett und Rod Price mit, bevor er diese drei Jahre später bei der Reunion FOGHATs zugunsten des Ur-Drummers Roger Earl verlassen musste. Gemeinsam mit Bill Livesay gründete er anschließend THE LIVESAYS, ohne große Spuren zu hinterlassen. Des weiteren gab es für ihn diverse Engagements bei Darryl Hall & John Oates, auf der MONKEES Jubiläums-Tour, im Lager von Rick Derringer und ebenfalls wie seine aktuellen Kollegen Livesay und Hall bei Brian Howe.

"Join Together" ist, das sei vorweg gesagt, kein schlechtes Album geworden. Die schwere Bürde, sich mit FOGHAT messen lassen zu müssen, kann ihm jedoch keiner nehmen. Die Meßlatte liegt, gemessen an Klassikern wie "Fool For The City" (1975) oder "Night Shift" (1976), nahezu unerreichbar hoch. Nicht ganz überraschend toppt es das lahme "Family Joules" (2003), an dem Tony Stevens bekanntlich seine Anteile hatte. Live mögen die aktuellen FOGHAT abräumen, die langjährige Erfahrung von Stevens neuen Mitstreitern trägt auf "Join Together" erstaunliche Früchte. Sieht man davon ab, dass es sich um ein anständiges Rock-Album und nicht um die vielleicht erhoffte Boogie-Granate handelt, kann Tony Stevens mit seiner neuen Gruppe sogar ein musikalischer Fortschritt attestiert werden.
Das sauber produzierte Album beginnt (für FOGHAT-Maniacs) enttäuschend mit zwei relativ harmlosen Midtempo-Rockern. Das WHO-Cover Join Together startet durch eine dezente Orgel verheißungsvoll, um sich anschließend durch die endlose Wiederholung des Refrains selber in den Durchschnitt herunterzureißen. Ein paar gemeinsam von Billy Livesay und Tommy Hall dargebotene Harmonien können da auch nichts mehr retten. Das im Juni 1972 veröffentlichte Original sollte seinerzeit die Verschmelzung von Musikern auf der Bühne und dem Publikum im Auditorium suggerieren. Die hier dargebotene blutarme Interpretation dürfte allerdings für ein gemeinschaftliches Dahindämmern sorgen.
Hoochie Coochie Man ist Blues der Marke "Standard". Tausend andere Bands machen so was, viele mit erheblich mehr Wumms und diversen Ecken & Kanten.
Richtig interessant (klar, für die FOGHAT-Fraktion) wird es mit Subterranean Home Sick Blues. Treibender Rock'n'Roll, Piano-Einsatz und was viel wichtiger erscheint: Slide-Gitarre!!! Endlich..., oder ist es nur eine Reminiszenz an den unvergessenen "Lonesome" Dave? Livesay erinnert stimmlich eher an seinen ehemaligen Arbeitgeber Brian Howe und versucht erst gar nicht, den legendären Frontmann zu imitieren.
Looking For You liegt beinahe auf dem Niveau des Materials von "Fool For The City". Der stampfende Up-Tempo-Rocker läßt einen das erste Drittel von "Join Together" auf Anhieb vergessen. In die gleiche Kerbe schlägt Magic Hat mit einem Groove vom Feinsten.
Die Erinnerung an Mr. Peverett wird auch bei Under The Heat Of A Full Moon wach. Hier kommt Billy Livesay ihm stimmlich in einigen Passagen recht nahe. Melodisch, bluesig, sentimental, aufwühlend, der Track bewegt. Leider hat das pop-rockige Over My Head außer einem gelungenen Intro mit der Blues-Harp nicht viel zu bieten.

Warum heißen SLOW RIDE eigentlich SLOW RIDE? Oder "Tony Steven's SLOW RIDE", so wie es auf den Seitenteilen des CD-Inlets steht? Und warum bringt man mit Fool For The City und Slow Ride ausgerechnet zwei Tracks von einem Album ("Fool For The City", 1975), an welchem Tony Stevens gar nicht mitwirkte? Wären es Rock And Roll Outlaw oder Chateau Laffite '59 Boogie gewesen, meinetwegen...
Warum verläßt Tony Stevens FOGHAT, um dann anschließend genau dort weiterzumachen? Ohne Kenntnisse von eventuell aufschlussreichen Internas bleibt trotz allem Wohlwollen eine gehörige Portion Unverständnis, die dem Rezensenten mehr als ein großes Kopfschütteln abnötigt.

Back to the music. Fool For The City wird in einer Blues-Version (!) dargeboten, was sich noch als originell bezeichnen läßt. Slow Ride geht als der kraftlose Versuch des Intonierens eines Klassikers durch. Als kurz vor Vollendung der sechsten Spielminute mitten im Solo ausgeblendet wird, ist das Kind zwar nicht endgültig in den Brunnen gefallen, doch der hoffnungsvolle Schreiberling um eine kleine Enttäuschung reicher geworden.

Jürgen Ruland, 19.01.2008

 

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