Sodom

Genesis XIX

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 12.11.2020
Jahr: 2020
Stil: Thrash Metal
Spiellänge: 55:01
Produzent: Siggi Bemm

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Plattenfirma: SPV

Promotion: Oktober Promotion


Redakteur(e):

Marc Langels


s. weitere Künstler zum Review:

Black Sabbath

Kreator

Metallica

Slayer

Titel
01. Blind Superstition
02. Sodom & Gomorrah
03. Euthanasia
04. Genesis XIX
05. Nicht Mehr Mein Land
06. Glock N‘ Roll
 
07. The Harponeer
08. Dehumanized
09. Occult Perpetrator
10. Waldo & Pigpen
11. Indoctrination
12. Friendly Fire
Musiker Instrument
Tom Angelripper Gesang & Bass
Frank Blackfire Gitarre
Yorck Segatz Gitarre
Toni Merkel Schlagzeug

Die deutsche Thrash Metal-Veteranen SODOM haben sich seit ihrer bislang jüngsten Platte, “Decision Day“, einmal ordentlich durchgeschüttelt. Vorbei ist die Zeit des kultigen Trio-Formats mit Bernemann an der Gitarre und Makka am Schlagzeug. Band-Leader Tom Angelripper hat seine Band als Quartett neu erfunden und sich dazu mit Toni Merkel (Schlagzeug), Yorck Segatz (Gitarre) und Rückkehrer Frank Blackfire (ebenfalls Gitarre, zwischenzeitlich kurzzeitig auch bei KREATOR aktiv) eine neue Besetzung zusammengestellt. Die Motivation und Begründung für ausgerechnet diese Konstellation erklärt Angelripper so: „Ich will Jungs aus dem Pott, aus meinem Dunstkreis, mit denen man kontinuierlich proben und arbeiten kann“.

(Foto: Mumpi Kuenster)

Das Album beginnt gleich mal mit einer Überraschung, denn das Intro Blind Superstition kennen SODOM-Fans natürlich schon vom 1988er Live-Album “Mortal Way Of Life“. Anschließend geht das Quartett dann auch gleich mal in die Vollen Sodom & Gomorrah sowie Euthanasia sind zwei Nackenbrecher feinster Ruhrpott-Schule, zu denen Angelripper wieder in seiner typisch finsteren Art den Text vorträgt, manche würden sagen „er singt“, andere wohl eher meinen „er bellt die Worte heraus“. Aber es geht hier um Thrash Metal, da passt das natürlich schon ganz gut so.

Anschließend kommt der Titeltrack – und aus meiner Sicht das erste absolute Highlight der Scheibe. Denn Genesis XIX bietet genau die Abwechslung zwischen typischen Abgeh-Parts und eher getragenen Momenten. Sieben Minuten lang beste SODOM-Unterhaltung. Der Beginn zum folgenden Nicht Mehr Mein Land orientiert sich zunächst an Death und Black Metal, bevor es sich nach einem tollen Break zu einer groovigen Hymne entwickelt (die aber wieder in totaler Black Metal-Raserei endet), die sich bei den künftigen Live-Shows (zumindest mal im deutschsprachigen Raum) sicherlich zu einem der Höhepunkte entwickeln wird. In dem zum Nachdenken anregenden Text beklagt Angelripper unter anderem den Anstieg von Ignoranz, dem man sich gegenübersieht.

(Foto: Mumpi Kuenster)

Glock ‘N‘ Roll ist natürlich eine Verballhornung von Rock ‘n‘ Roll und spielt auf die Passion des Hobby-Schützen und Jägers Tom Angelripper an. Wieder eine typische und zudem noch richtig gute SODOM-Nummer. Bei The Harpooner wird es erst mal doomig und man meint hier eher gerade BLACK SABBATH zu hören, ehe sich SODOM nach etwa 80 Sekunden doch wieder durchsetzen und eine weitere siebenminütige Hymne präsentieren. Die Story transportiert den Hörer an Bord der Pecquod auf der Jagd nach Moby Dick, wobei sich Angelripper in die Position des Harpuniers versetzt, der an vorderster Front den Kampf gegen den Wal aufnimmt.

Auch das folgende Dehumanized beginnt wie eine musikalische Verbeugung vor Tony Iommi und Co., entwickelt sich aber dann zu einer typischen Thrash-Abrissbirne mit einer gewissen Boshaft im Gesang, der an mancher Stelle an SLAYER und deren Frontmann Tom Arraya sowie an typische Kerry King-Gitarrenarbeit erinnert. Sehr gelungen. Occult Perpetrator geht diese Sache wieder etwas zurückhaltender und grooviger an und bietet dadurch eine willkommene Verschnaufpause. Aber die Melodie verfolgt einen anschließend den ganzen Tag.

Beim akustischen Intro von Waldo & Pigpen werde wohl nicht nur ich zuerst einmal an METALLICA denken, die solche Hinführungen insbesondere in ihrer Anfangszeit ja gerne und häufig verwendet haben. Allerdings fehlt anschließend ein wenig die starke Melodie, die im Ohr hängen bleibt. Beileibe nicht schlecht, aber da haben SODOM auf diesem Album ganz andere Geschütze am Start. Etwa auch das folgende Indoctrination, das mit bei SODOM eher selten eingesetzten Gangshouts im Refrain ein echter Hinhörer ist. Und auch das finale Friendly Fire bietet wieder beste SODOM- und Ruhrpott-Thrash-Unterhaltung in Reinkultur.

Mit der Rückkehr von Blackfire verknüpfen natürlich viele Fans die Hoffnung auf eine Rückkehr zu den erfolgreichen “Agent Orange“-Zeiten. Und das ist der Band auch durchaus gelungen. Denn “Genesis XIX“ genau das geworden, worauf es die Beteiligten angelegt haben, laut Angelripper: „eine der härtesten und vielseitigsten Studioscheiben, die es von SODOM je gegeben hat“. Die Anhänger der Band dürfen sich wahrlich auf eine Sternstunde im Band-Katalog freuen, auch wenn die Stunde hier nur rund 55 Minuten lang ist. SODOM zeigen sich von ihrer besten Seite und überzeugen voll und ganz.

 

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