Spliff

85555 / Herzlichen Glückwunsch!

( English translation by Google Translation by Google )

LP-Review

Reviewdatum: 07.05.2019
Jahr: 2019
Stil: Deutsch Rock
Spiellänge: 79:14
Produzent: Spliff

Links:

Plattenfirma: Sony Music


Redakteur(e):

Epi Schmidt


s. weitere Künstler zum Review:

Herwig Mitteregger

Titel
“85555“:
Seite A:
01. Deja Vu
02. Heut‘ Nacht
03. Notausgang
04. Carbonara
05. Computer sind doof
Seite B:
01. Kill!
02. Duett Komplett
03. Jerusalem
04. Damals
 
“Herzlichen Glückwunsch!“:
Seite A:
01. Herzlichen Glückwunsch!
02. Augen zu
03. Tag für Tag
04. Das Blech
05. Wohin? Wohin?
Seite B:
01. Es ist soweit
02. Herr Kennedy
03. Die Maurer
04. S.O.S.
05. Glaspalast
Musiker Instrument
Manfred Praeker Bass, Gesang
Herwig Mitteregger Schlagzeug, Gesang
Reinhold Heil Keyboards, Gesang
Bernhard Potschka Gitarre

Wenn es um deutschsprachige Rock- und Popmusik geht, gibt es ja nicht allzu viel, mit dem wir international wuchern können. Meistens wurde musikalisch ohnehin von über dem großen Teich, oder zumindest von über dem Kanal, abgekupfert. Da braucht man andernorts nicht auf erhobene Augenbrauen zu hoffen.

Letztlich beschränkt sich das auf eine sehr überschaubare Zahl. Dazu gehören mit Sicherheit KRAFTWERK, TON STEINE SCHERBEN und auf jeden Fall auch SPLIFF. Die konnten den Scherben wohl politisch nicht das Wasser reichen, aber die Ideen und die Innovationen, die Herwig Mitteregger, Reinhold Heil, Bernhard Potschka und Manfred Praeker der Musik gaben hallen noch heute nach.

Der Anfang der Band reicht bis in die frühen 1970er Jahre zurück, aber erst mit der Ankunft von Nina Hagen im Westen und der NINA HAGEN BAND nahm die Karriere der vier Jungs die entscheidende Wendung.

In Sonys neuer “Original Vinyl“-Reihe wurden eben nicht nur die beiden NINA HAGEN BAND-Alben – als Doppel-LP zusammengefasst – wiederveröffentlicht, sondern eben auch die beiden SPLIFF-Klassiker “85555“ und “Herzlichen Glückwunsch“, beide aus dem Jahr 1982.

Die Ausstattung ist nicht gerade üppig, es gibt keine Texte oder Sonstiges, nur schlichte Papierinnenhüllen und auch keine Download-Codes. Braucht's auch nicht. So eine LP in der Hand zu halten ist für Leute meiner Generation irgendwie immer noch ein besonderes Gefühl.

Und meine Generation hat mindestens die erste Seite von “85555“ in der DNA abgespeichert. Anfang der 80er drehte sich dieses Scheibe auf jeder Party, die etwas auf sich hielt. Deja Vu  mit seinen einzigartigen Sounds und seiner faszinierenden Grundstimmung. Der “Anbagger-Song“ Heut' Nacht, das punkige Notausgang, die frühe Feststellung Computer sind doof und natürlich der Song, dessen Refrain wie ein Schlachtruf durch Partykeller und Discotheken hallte: “Carbonara, e una Coca-Cola!!!“

Die erste Seite konnte man immer durchlaufen lassen. Aber auch die B-Seite bestand aus tollen Songs. Denn Arm des Plattenspielers da mühsam weiter heben? “Keine Zeit!“ (aus Jerusalem).

Dass das so gut funktionierte, lag zu nicht geringen Maße daran, dass SPLIFF sich neuen Sounds und Techniken nicht verschlossen, sondern diese besser als andere zu nutzen wussten. Seien es neue Keyboard-Möglichkeiten oder elektronische Drum-Sounds.

Im gleichen Jahr erschien das Album “Herzlichen Glückwunsch!“, welches mit Das Blech einen weiteren Hit  (wohl einen der ersten deutschen Songs mit Rap-Gesang) verbuchen konnte. Im Zuge der ganzen Veröffentlichungen der Neuen Deutschen Welle – zu denen man SPLIFF fälschlicher Weise rechnete – ging der Rest des Albums etwas unter, aber der punkrockige Titelsong und das fast mainstream-rockige Es ist soweit, der Reggae Die Maurer, das experimentelle S.O.S. und das nachdenkliche Glaspalast sind allesamt wert, wiedergehört zu werden.

Zwei Scheiben die zurecht in Erinnerung gebracht werden. Einfluss auch für viele internationale Bands.

 

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