Spock's Beard

Brief Nocturnes And Dreamless Sleep


CD-Review

Reviewdatum: 21.03.2013
Jahr: 2013
Stil: Progressive Rock

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Redakteur(e):

Marc Langels


Spock's Beard
Brief Nocturnes And Dreamless Sleep, Inside Out, 2013
Ted LeonardGesang & Gitarre
Alan MorseGitarre & Gesang
Dave MerosBass, Keyboards & Gesang
Ryo OkumotoKeyboards & Gesang
Jimmy KeeganSchlagzeug
Produziert von: Spock's Beard Länge: 56 Min 10 Sek Medium: CD
01. Hiding Out05. Afterthoughts
02. I Know Your Secret06. Something very Strange
03. A Treasure Abandoned07. Waiting For Me
04. Submerged

Erst ging ihnen mit Neal Morse der Bandgründer und musikalische Visionär von Bord, dann hatten SPOCK'S BEARD Glück im Unglück und fanden in Schlagzeuger Nick D'Virgilio einen veritablen Ersatz, nur um diesen nach wenigen Jahren an den Cirque Du Soleil zu verlieren. Nun mussten sich die Proggies also erneut einen Frontmann und Taktgeber suchen. Der Job des Schlagzeugers ging wenig überraschend an Tour-Drummer Jimmy Keegan. Aber bei der Wahl des neuen Sängers fiel die Wahl überraschend auf Ted Leonard, der bisher als Frontmann von ENCHANT und THOUGHT CHAMBER schon von sich reden gemacht hatte.

Erstes Lebenszeichen dieser Konstellation war das leider wenig überzeugende "Live At High Voltage 2011"-Album gewesen. Aber nun liegt in "Brief Nocturnes And Dreamless Sleep" die Probe aufs Exempel vor. Und der Einstieg fällt mit Hiding Out auch direkt furios aus. Da dürfen sich nach einem kurzen, verspielten Klavier-Intro die Hammond- und Synthesizer-Sounds von Ryo Okumoto unheilvoll und bedrohlich auftürmen, um von messerscharfen Gitarren-Riffs von Alan Morse und Ted Leonard zerrissen und zugleich angestachelt zu werden, ehe das Ganze in sich zusammenfällt um sich dann langsam wieder aufzubauen. Dazu die bekannte und dennoch in diesem musikalischen Umfeld ungewohnte Stimme von Ted Leonard und fertig ist ein wahrlich spannender Opener. Selten hat man die Band in den letzten Jahren so inspiriert und mit so viel Freude gehört. Die Instrumentalisten zelebrieren ihre Kunst wie lange nicht mehr. Wo es gerade in den Prog-Parts auf den letzten Alben manchmal arg konstruiert und aufgesetzt wirkte, klingen SPOCK'S BEARD hier gleich einmal frisch und spontan und sehr, sehr vielversprechend.

Leider geht ihnen dieser Enthusiasmus anschließend recht schnell aber zum Glück nur kurzzeitig wieder verloren. Dann bieten SPOCK'S BEARD mit I Know Your Secret wieder mehr Prog mit Wohlfühl-Faktor. Die Melodiebögen werden weiter gespannt, die Abwechslung findet eher zwischen den einzelnen Songs als in ihnen statt. Teilweise bedienen sie sich recht ungeniert bei anderen Bands (so dürfte der Einstieg in A Treasure Abandoned manche Prog-Fans an GENESIS oder MARILLION erinnern). Bei dem wunderbaren Submerged muss ich unweigerlich an das Debüt der FLYING COLORS denken, denen es auch auf solch brillante Weise gelungen war, Prog mit Pop zu mischen.

Ihre verspielt-progressive Seite zeigen die Bärte dann bei Afterthoughts, bei dem sich die Mitglieder nicht nur instrumental die Bälle zuwerfen, sondern auch den Lead-Gesang aufteilen. Das erinnert auf sehr angenehme Weise an frühere Zeiten. Das folgende Something Very Strange dürfte den alten Fans dann die Tränen der Glückseligkeit in die Augen zaubern. Ein typischer Bärte-Groove, der maßgeblich von Meros Bass getragen wird, dazu eine herrlich aktive Hammond von Okumoto und einige verträumt ausgearbeitete Instrumental-Passagen lassen Erinnerungen an frühe Hoch-Zeiten wach werden. Und wahrlich muss sich dieses Stück davor nicht verstecken. Abgerundet wird es durch einen schönen Refrain, der schnell im Ohr hängen bleibt ohne cheesy zu sein oder zu einfältig. Ein wahres Highlight.

SPOCK'S BEARD ist mit "Brief Nocturnes And Dreamless Sleep" ein guter Start in die dritte Phase ihrer Bandkarriere gelungen. Die Gruppe klingt stellenweise wieder etwas engagierter und aufbruchsfreudiger als auf den beiden letzten Studiowerken. Ted Leonard beweist sich zudem als variabler Sänger, der zum Glück nicht versucht, seine Vorgänger zu kopieren, sondern seine eigene Persönlichkeit einbringt und damit der Band einen neuen Klang-Aspekt hinzufügt.

Marc Langels, 18.03.2013

 

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