Status Quo

Backbone


CD-Review

Reviewdatum: 09.09.2019
Jahr: 2019
Stil: Rock
Spiellänge: 40:55
Produzent: Francis Rossi

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Plattenfirma: ear music


Redakteur(e):

Epi Schmidt


s. weitere Künstler zum Review:

Rick Parfitt

Andy Bown

Titel
01. Waiting For A Woman
02. Cut Me Some Slack
03. Liberty Lane
04. I See You're In Some Trouble
05. Backing Off
06. I Wanna Run Away With You
 
07. Backbone
08. Better Take Care
09. Falling Of The World
10. Get Out Of My Head
11. Running Out Of Time
Musiker Instrument
Francis Rossi Guitars, Vocals
Andrew Bown Guitars, Keys, Vocals
John 'Rhino' Edwards Basses, Guitars, Vocals
Leon Cave Drums, Guitars, Vocals
Richie Malone Guitars, Vocals

Engagierter kann man kaum für sein neues Album werben, als das Francis Rossi, inzwischen alleiniger Vorstandsvorsitzender der STATUS QUO GmbH & Co. KG, das seit Monaten tut. Zwischenzeitlich hat er auch noch ein Buch herausgebracht und ein weiteres Soloalbum, namens... äh... naja, nicht so wichtig jetzt.

Ein gewisses Maß an Bockigkeit legt er dabei natürlich auch an den Tag. Gern lässt er sich zum neuen QUO-Album zitieren mit: “Ich könnte auf “Backbone“ nicht stolzer sein. Ich hoffe die Fans lieben es. Aber man kann nicht jeden zufriedenstellen und ich werde jetzt auch nicht mehr anfangen, das zu versuchen“.

Hört, hört. Dabei spalten die Boogie-Meister die Fangemeinschaft seit der Abwesenheit von Lancaster und Coghlan. Also zuerst Anfang der 80er Jahre und noch massiver seit der viel gepriesenen 'Frantic Four'-Tour. Herr Rossi sucht sein Glück in der Flucht nach Vorne, was er im Prinzip schon immer getan hat. Dass im mittlerweile auch der fast lebenslange Weggefährte Rick Parifft nicht zur Seite stehen kann, empfindet er ja eher als Befreiung. Wohlweislich hütet man sich davor Parfitts nicht zu erwähnen. Sein Nachfolger darf sich im Booklet äußern: “I think Rick would be proud of thes songs“. Auf der Rückseite des Booklets wird das Album denn auch dem verstorbenen Parfitt gewidmet. Rossis Idee?

Nun, das Booklet ist jedenfalls schön gemacht (mal so als Hinweis an die, die lieber “streamen“ oder “downloaden“). Die Texte abgedruckt , Bilder, weitere Infos, Statements, dickes Papier. Vorbildlich.

Zur Musik. Unverkennbar. Liegt natürlich an der kaum gealterten Stimmte von Francis Rossi, die so viele Klassiker der Band geprägt hat. Zu den Songs hat die komplette Mannschaft beigetragen und bei ein paar – wie dem Opening-Track Waiting For A Woman – auch der alte Quo-Spetzl Bob Young. Klingt mir trotzdem etwas zu konstruiert und wer die Band noch nie gemocht hat, für den ist die Nummer Wasser auf die Mühlen. Schon bisschen lahm und arg monoton.

Das ändert sich im folgenden Cut Me Some Slack wohltuend. Bassist 'Rhino' Edwards hat hier mitgeschrieben und begännen die Lyrics mit “Railroad...“, würde man sich nahezu wie in den 70er Jahren fühlen. Gut abgehangener QUO-Boogie, wie er die Massen seit Jahr und Tag zum Hüpfen bringt. Die Produktion vielleicht etwas zu glatt, aber jetzt wollen wir mal nicht das implantierte Haar auf Rossis Kopf suchen.

Auch die Liberty Lane wurde von 'Rhino' mit verfasst. Ja, der Bassist ist immerhin schon über 30 Jahre in der Band und weiß, wie man den Kopf zum Gleichtakt-NIcken bringt. Rossi kann endlich ein paar STONES-Riffs in einem QUO-Song unterbringen und insgesamt geht das Teil gut und flott ab. Kein Killer, aber auch kein Füller.

I See You're In Some Trouble, erneut mit Bob Young geschrieben, gehört für mich in die gleiche Kategorie, wie der Eröffnungssong. Durschnitts-Material der späten Phase der Band und diese auf Modern gemachten Bridge, finde ich gar nicht “so funny“.

Backing Off plätschert mir zu sehr dahin und hat wieder dieses “Bemühte“. Mit I Wanna Run Away With You hat dann auch Bob Young zum Boogie ursprünglicher Machart zurück gefunden. Schön auch Andy Bowns Honky Tonk-Piano. Zudem erinnert Rossis Solo an alte Zeiten. Wenn jetzt noch RP Gesang  beigesteuert und Rossi dazu getrieben hätte, mal richtig an der Gitarre zu zünden, dann... ja, dann.

Der Titelsong gehört zu den schwächsten Songs auf diesem Album. Hätte wohl maximal ein “Musikladen“-Publikum zum Mitklatschen gebracht. (Und das vielleicht auch eher wegen der Go-Go-Grils)

Also die Melodie von Better Take Care ist irgendwoher geklaut. Ja, das trifft in der Musik auf das Meiste zu, aber das kommt mir doch sehr vertraut zu. Ich komm schon noch drauf. Hat was von BACHMAN-TURNER-OVERDRIVE. Auch hier hätte Rick vielleicht das Zünglein an der Waage ausgemacht. Nun, wollen wir nicht zu sehr am “hätte“, “könnte“, festhängen. Heutzutage schreibt der Drummer die QUO-Songs im Alleingang, wie bei Falling Of The World geschehen. Leon Cave spielt auf dem Album ja sogar Gitarre, wie alle Beteiligten auch. Nicht übel, aber auch das zu schematisch. Richie Malone darf das selbstgeschriebene Get Out Off My Head auch singen. Leider ist seine Stimme so durchschnittlich, wie der Song, der noch dazu zu glatt produziert ist. Ich will dem Knaben jetzt nichts Schlechtes, er kann ja auch nix dafür, aber letztlich muss man auch nix beschönigen.

Ich bin ja wahrlich kein Balladenfan, aber einen Song, der mal eine “andere Farbe“ in das Album gebracht hätte, wäre sicher nicht verkehrt gewesen. Dafür eine Pseudo-QUO-Nummer, wie Running Out Of Time weniger. Denn auch der tut zwar niemand weh, aber zu viel mehr reicht's dann auch nicht.

“Backbone“ ist zwar besser als ich erwartet hätte, doch im Verlauf des Albums wird es dann doch zu beliebig. Wie sagt Francis Rossi im Booklet: “This is the sound of QUO in 2019. Whilst to us it sounds fresh and vital, we'll never lose that signature QUO sound.“ Da soll bloß kein Fan einer anderen Meinung sein!

 

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