Steely Dan

Everything Must Go

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 21.06.2003
Jahr: 2003

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Redakteur(e):

Joachim Domrath


Steely Dan
Everything Must Go, Reprise Records, 2003
Donald Fagen Lead Vocals, Keyboards
Walter Becker Lead Vocals, Bass, Guitars
Jon Herington & Hugh McCracken Guitars
Ted Baker Keyboards
Keith Carlock Drums
Tony Kadleck & Michael Leonart Trumpet
Jim Pugh Trombone
Carlyn Leonhart, Cindy Mizelle, Catherine Russell, Michael Harvey Vocals
Produziert von: Walter Becker & Donald Fagen Länge: 42 Min 23 Sek Medium: CD
1. The Last Mall6. Green Book
2. Things I Miss The Most7. Pixeleen
3. Blues Beach8.Lunch With Gina
4. Godwhacker9.Everything Must Go
5. Slang Of Ages

"Everything Must Go". Das Literaturstudentenduo hat nach nur 3-jähriger Pause wieder zugeschlagen. Walter becker und Donald Fagen meinten, es sei Zeit eine neue CD unter die Leute zu bringen. Als STEELY DAN haben sie im Laufe der letzten Jahrzehnte Musikgeschichte geschrieben. Die Erwartungshaltung ist inzwischen bei jeder ihrer Neuveröffentlichungen enorm hoch.

Bevor ich die CD starte, studiere ich wie immer das Booklet. Und ich amüsiere mich wieder köstlich über die Texte der beiden introvertierten Notenartisten. In jeder Silbe schimmert ihre literarische Studentenvergangenheit durch. Texte wie:
PIXELEEN- BE GOOD MY THREE-TIMES PERFECT ULTRATEEN- PIXELEEN
BORN ON A FLOOR OF A NOODLE SHOP-DROPPED IN THE BOGS OF JERSEY...
muß man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen. Dagegen wirkt das allgegenwärtige Charts-Schnulzen-Gereime wie Analphabetentum.

Wie keine andere Band verstehen es STEELY DAN den hohen Anspruch ihrer Texte auch musikalisch entsprechend gerecht zu werden. "Everything Must Go" macht hier wieder keine Ausnahme. Fagen und Becker präsentieren mit ihrer Musiker-Crema auf's Neue Rock/Pop vom Allerfeinsten.

Allein Blues Beach rechtfertigt den Kauf der ganzen CD. Unglaublich wie relaxt und melodisch sie diesen mit vertrackten Hürden vollgestopften Song präsentieren. Meine gesamte Muskulatur zuckt beim groovenden Rhythmus diesen neuen Jahrhundertsongs der beiden. Jahrhundertsongs haben sie ja reichlich geschrieben. Doch immer wieder tauchen neue Nuancen in ihren Arrangements auf.
Die Gitarren klingen perlend sauber, wie aus einer anderen Welt. Die Drums müssen sich, STEELY DAN STANDARD, dem Gesamtkonzept beugen und klingen trotzdem faszinierend. Cindy Mizelle, Catherine Russell und Carolyn Leonard nur als Backgroundsängerinnen zu bezeichnen wird ihnen nicht im Entferntesten gerecht. Ihre faszinierenden Vocal-Arrangements klingen wie ein selbstständiges Instrumentarium.

Neben Blues Beach verwöhnen acht weitere Song-Delikatessen auch die anspruchsvollsten Ohren. Sei es der edle Pianosound von Ted Baker oder Donald. Oder der knuffige und funkige Bass von Walter. Hier stimmt alles.
Höhepunkt sind neben den überragenden Gesangspassagen sicherlich die drei herrlich sauber klingenden Gitarren von Walter, Jon Herington (siehe Review im HoR) und Hugh McCracken.

Würde Johann Sebastian Bach, für mich der beste Komponist aller Zeiten, heute leben, er wäre sicherlich Bandmitglied bei STEELY DAN.

Wie gesagt, es macht keinen Sinn die einzelnen Songs zu sezieren. Jeder für sich ist ein musikalisches Kleinod auf höchstem Niveau. Und trotz der teilweise wieder äußerst komplizierten Arrangements bringen Walter und Donald die Songs mit ihrer schon einzigartig zu nennenden Lockerheit rüber.
"Everything Must Go" ist ein weiterer Höhepunkt im Schaffen von STEELY DAN. Das Album strotz nur so von genialen musikalischen Einfällen und instrumentalen Höhepunkten. Klang und Produktion sind auch diesmal überragend. STEELY DAN's neues Album ist mal wieder geniale Musik gepaart mit genialem Klang.

Die Special Edition enthält neben der CD eine DVD. Dort werden die beiden auf einer halbstündigen Fahrt durch Las Vegas abgelichtet. Mit verschiedenen hübschen Ladies scherzen Walter und Donald um die Wette.

Hinweis: Wer auf STEELY DAN abfährt sollte sich die neue artverwandte CD von CAREY ZIEGLER'S EXPENSIVE HOBBY (siehe Review im HoR) keinesfalls entgehen lassen.

Joachim Domrath, 21.06.2003

Warum werde ich bloß so sentimental, wenn ich das aktuelle Steely Dan Album "Everything must go" höre?
Es kann doch wohl nicht nur am Titel liegen, der ein drohendes Ende des genialen Duos auf hintergründige Art und Weise impliziert. Sicher ist es schlicht und einfach die Gewissheit, dass das grandiose Gespann Becker/Fagen wohl nie mehr wieder ein ähnlich spannendes Werk wie "Aja", "Gaucho", "Royal Scam" oder "Katie lied" vorlegen wird. Fest steht, dass es zwischen 1972 und 1980 auf sieben Alben keinen Durchhänger gab.

Als Vierzehnjähriger kaufte ich mir damals, 1975, meine erste Dan-LP und zwar, "Katie lied".
Diese Ausgewogenheit, diese immense Ansammlung genialer Songs, diese unerbittlichen Hooklines, diese irren Texte, die ich nach mehr als fünfundzwanzig Jahren ohne zu holpern noch mitsingen kann... Das ist es, was mir in der Gegenwart ein wenig zu kurz kommt.

Fehlte auf dem 2000er Comeback "Two against nature", bis auf zwei, drei rühmliche Ausnahmen, jeglicher melodiöser Esprit, kehren unsere beiden Helden auf ihrem aktuellen Album fast zu alter Stärke zurück.
Grammy-beladen (natürlich mehr als zwanzig Jahre zu spät) präsentieren sie sich in exzellenter Verfassung. Bieten uns ihre etwas versponnenen Texte, die wie eh und je zu mehrmaligem Hinhören zwingen und hinterlassen den Hörer wahlweise mit einem Rest von Ungewissheit oder aber angefeuerter Interpretationslust.
Diese selbstverständliche Lockerheit im Umgang mit komplizierten und dennoch federleichten Hooklines und Harmonien taucht wieder häufiger auf als auf dem doch leicht unterkühlt und statisch groovenden Vorgänger von 2000.

Der neue Drummer Keith Carlock spielt zwar lange nicht so gefühlvoll und ideenreich wie weiland Bernhard Purdie, Steve Gadd oder Jeff Porcaro, aber gottlob sind die anderen Herrschaften in bestechender Form. Allen voran Walter Becker mit seinen ultralässigen Solo-Gitarren-Fills und filigranen Bass-Lines.
Und Walt Weiskopf mit seinem prächtigen Tenor-Sax-Solo im bluesigen Titelstück. Selbst Meister Fagen erlaubt sich zwei kurze waghalsige Synthie-Soli. Hört man auch nicht alle Tage!
Die Background-Chanteusen, zuvorderst Carolyn Leonhart bei Pixeleen, brillieren mit geschmeidig, sympathischer Eleganz und weil die komplette Band, zumindest zeitweise, live im Studio agierte, klingt alles ein Stück homogener als noch vor drei Jahren. Das analoge Feeling ist fast wieder da.

Man höre und staune, Walter Becker überrascht in Slang of ages erstmalig auf einem Dan-Album mit seinen mehr als respektablen Lead-Vocals im Randy Newman meets Paul Barrere Timbre und gelangt so locker in meine persönliche Steely Dan-Highlight-Songliste. In diesen erlauchten Kreis reihen sich ebenso noch Things I miss the most, Pixeleen und Blues Beach. Superbe Songs! Danke Walter, danke Donald.

Aber, wer weiß wie ich das in zwanzig Jahren sehe/höre. Am Ende singe ich vielleicht doch wieder:
I'll learn to work the saxaphone - I play just what I feel - Drink Scotch whiskey all night long - And die behind the wheel - They got a name for the winners in the world - And I want a name when I lose - They call Alabama the Crimson Tide - Call me Deacon Blues.

Frank Ipach, 27.06.2003

 

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