Steve Earle

Townes


CD-Review

Reviewdatum: 16.05.2009
Jahr: 2009
Stil: Singer-/Songwriter

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Steve Earle
Townes, Blue Rose Records, 2009
Steve EarleVocals, Guitars, Harmonica
Justin Townes EarleVocals, Guitar
Allison MoorerVocals
Tom MorelloGuitar
Dennis CrouchUpright Bass
John SpikerElectric Bass
Greg MorrowDrums
Tim O'BrienMandolin
Darrell ScottBanjo, Dobro
Shad CobbFiddle
Steven ChristensenPercussion
Produziert von: Steve Earle Länge: 54 Min 43 Sek Medium: CD
01. Pancho & Lefty09. Rake
02. White Freight Liner Blues10. Delta Momma Blues
03. Colorado Girl11. Marie
04. Where I Lead Me12. Don't Take It Too Bad
05. Lungs13. Mr. Mudd And Mr. Gold
06. No Place To Fall14. (Quicksilver Daydreams Of) Maria
07. Loretta15. To Live Is To Fly
08. Brand New Companion

Der eine hat's geschafft, der andere ist gescheitert. Die Rede ist von zwei drogenabhängigen Songschreibern, Sängern und Gitarristen: Townes van Zandt und Steve Earle. Van Zandt, Sohn eines texanischen Öl-Tycoons und leider, leider dem großen Publikum stets verborgen geblieben, verstarb nach langer Drogenabhängigkeit am 1.Januar 1997(Ausgangspunkt war letztlich eine Hüft-Op, deren Rekonvaleszenz durch jahrelange Alkoholabhängigkeit van Zandts massiv beeinträchtigt wurde). Earle erfreut sich nach gelungener Abkehr vom Drogenkarussell seit gut 14 Jahren bester Gesundheit und überrascht immer wieder mit emsigem Arbeitseifer und dem einen oder anderen politisch motivierten, wenn auch manchmal polarisierenden Ausspruch.

Nun hat sich also Steve Earle, der inzwischen weiter an seinem ersten Roman schreibt, vor einigen Monaten aufgemacht, seinem Jugendidol, Mentor und Freund Townes van Zandt, eine posthumes musikalisches Denkmal zu errichten. Ein Album voller van Zandt Songs, nicht nur die naheliegenden wie Lungs, Pancho & Lefty oder To live is to fly, sondern auch ein paar weniger bekannte Titel, die allerdings nicht minder schön sind als van Zandts sogenannte Trademark-Songs.

Für den Novizen, der Townes van Zandt bisher, wenn überhaupt, womöglich nur dem Namen nach kannte, bietet der weitaus bekanntere Steve Earle hier eine willkommene und gelungene Vorstellung und einen kleinen, aber feinen Querschnitt durch van Zandts songschreiberisches Schaffen. Natürlich verpasst Earle den van Zandt-Klassikern keine Radikalkur, das wäre wirklich zu vermessen gewesen und dafür liebt Steve wohl die pure Kraft und Reinheit der van Zandt-Songs zu sehr, als sie quasi ohne Not umzuinterpretieren oder gar zu dekonstruieren. Nein, nein, Mr.Earle geht zaghaft mit den Songs um, singt natürlich völlig anders als Townes selbst, zupft die Akustische anders und instrumentiert den einen oder anderen Track auf originelle Weise. Holt sich Gastmusiker wie Tom Morello (RAGE AGAINST THE MACHINE) als Gitarrist für das relativ außergewöhnliche Lungs ins Boot, frönt gelegentlich seinem Hang zum Bluegrass, was den van Zandt Songs durchaus gut steht, zergelt einen schmierigen, verzerrten Blues, lässt die Songs gelegentlich in einem Geigensee baden und vergnügt sich derweil gesanglich mit seiner herzallerliebsten Gattin Allison Moorer bzw. seinem Sohnemann Justin Townes, der mittlerweile eine eigene beachtliche Karriere gestartet hat und nicht von ungefähr van Zandts Vornamen trägt.

So ergibt sich ein kunterbunter Songreigen, der um nötige Kurzweil nicht verlegen ist und an vielen Stellen eine Menge Freude bereitet, jedoch nie und nimmer die eindringliche Klasse der Originale erreicht, sondern stets das bleibt, was Steve Earle mit dieser Platte wollte: seine Liebe und künstlerische Hochachtung zu van Zandt dokumentieren und den Namen van Zandt möglicherweise für ein nachwachsendes, neugieriges oder auch unwissendes Publikum interessant zu machen. Falls sich durch dieses Tribute-Album der eine oder die andere aufgefodert fühlt, die Original van Zandt Alben mal anzuchecken, haben sicherlich alle Beteiligten etwas dabei gewonnen.

Frank Ipach, 15.05.2009

 

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