Stevie Nicks

Through The Looking Glass


DVD-Review

Reviewdatum: 30.04.2013
Jahr: 2013
Stil: Westcoast Pop

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Stevie Nicks
Through The Looking Glass, Chrome Dreams, 2013
Produziert von: Chrome Dreams Länge: 128 Min 00 Sek Medium: DVD

Wahrscheinlich waren es Heerscharen männlicher Teenager, die in den ausklingenden Siebziger Jahren den optischen Reizen der blonden Fee aus Arizona erlagen und FLEETWOOD MAC's "Rumours"-Album, das bis heute als eines der bestvervauften Alben aller Zeiten gilt, zu Multi-Platin-Ehren verhalf und die einstige Blues-Combo um Peter Green und Mick Fleetwood aus Großbrittanien in die Riege der globalen Superstars katapultierte.
Doch Stevie Nicks (Jahrgang 1948), die süße, kleine Blondine, die ihre formativen Jahre als singende Hippiebraut mit ihrem Darling Lindsey Buckingham verbrachte und mit ihrem von Keith Olsen produzierten Debut "Buckingham Nicks" für erste Aufmerksamkeit sorgte, hatte mehr zu bieten als erotisierende Kurven, Haselnussaugen und wallende Chiffonkleider nebst wehenden Tüllschals.

Ihr ausgesprochen eigenständiges Talent als Songautorin und markante Sängerin wird in der gut zweistündigen Dokumentation "Through The Looking Glass" von ehemaligen Wegbegleitern wie den Produzenten Keith Olsen und Ken Caillat, Mitmusikern wie Rick Vito, sowie einigen kritischen Köpfen aus der heimischen Musikpresse aufgeblättert. Nicks wird hier nicht nur als schillernde Pop-Ikone abgefeiert, sondern als zerbrechliche Künstlerin mit all ihren Höhen und Tiefen, sowohl auf der persönlichen als auch auf der musikalischen Seite, dargestellt. Der Wahnwitz der ausschweifenden Siebziger Jahre, mit all seinen drogenvernebelten Exzessen und immensen Budgets der florierenden Plattenfirmen, wird ebenso unter die Lupe genommen wie das allmählich verkümmernde Songwritertalent der Protagonistin, die sich in den Achtziger Jahren als Solokünstlerin mit Kollegen wie Tom Petty und Dave Stewart als Millionenseller etablierte, jedoch unter dem Einfluss zahlreicher Drogen in einem kreativen Teufelskreis umhertaumelte.

Stevie Nicks selbst kommt, verglichen mit dem Redeanteil der weiteren Beteiligten, gar nicht allzu häufig zu Wort. Der Regisseur greift hierzu auf ältere Fernsehinterviews zurück, wobei die aktuellsten Statements aus dem Jahre 2009 stammen. Die Dokumentation werkelt mit allerlei altem Archivmaterial, seien es nun FLEETWOOD MAC'sche Bühnenaktivitäten, Tonnen alter Fotos, Ausschnitten aus MTV-Videoclips und dergleichen. Die Anekdoten aus dem Munde des "Rumors"-Produzenten Caillat mögen dem einen oder anderen Insider bekannt vorkommen, verhandeln sie doch die pikanten und gleichermaßen kreativitätsfördernden Grabenkämpfe zwischen den einstigen Turteltauben Nicks/Buckingham und Christine und John McVie.

Die Neunziger und Zweitausender Jahre werden aufgrund mangelnder Produktivität der Protagonistin naturgemäß in aller Kürze durchkämmt, so dass sich der Fokus auf die prickelnden und künstlerisch nachhaltigen Jahre zwischen 1975 und 1992 beschränkt und das relativ klare Bild einer ehrgeizigen und talentierten Songwriterin nachzeichnet, die sich oft genug in der Unberechenbarkeit innerer und äußerer Umstände verfängt.

Diese DVD erscheint nur in englischer Sprache, leider ohne Untertitel.

Frank Ipach, 27.04.2013

 

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