Stimmkraft

Mehr als 1 Gesicht


CD-Review

Reviewdatum: 01.01.2000
Jahr: 2005

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Redakteur(e):

Ralf Stierlen


Stimmkraft
Mehr als 1 Gesicht, EMG, 2005
Andreas Buttler Bass, Keyboards, Percussion, Synthesizer, Vocals & Guitar
Produziert von: Andreas Buttler & Rudy Kronenberger Länge: 57 Min 13 Sek Medium: CD
1. Gott7. Mach's gut
2. Steh auf8. Sexy
3. Ewig9. Angst
4. Frei für immer10. Hörst du
5. Giganten11. Unter Wölfen
6. Was ist wenn12. Heim nach Eden

STIMMKRAFT ist das Projekt von Sänger und Schauspieler Andreas Buttler (in dieser Funktion sogar Grimme-Preisträger, aber ok, das ist Barbara Salesch auch), der auf "Mehr als 1 Gesicht" alles, mit Ausnahme von Sexy, selbst komponiert, eingespielt und aufgenommen hat. Live soll das Ganze mit Hilfe von Jens Frank (WARLOCK) und Dennis Grube an der Gitarre, Jörg Michael (u.a. STRATOVARIUS) und Anja Assmuth (MAMBO KURT) an den Drums und Katrin Ebbert (MAMBO KURT) am Bass umgesetzt werden.

Schon die Wahl dieser Musiker - zwischen STRATOVARIUS und MAMBO KURT - lässt einen stutzen, diese CD lässt einen abwechselnd staunen, den Kopf kratzen, selbigen schütteln oder unter einem Kissen verbergen. Denn selten war ein Titel für eine Veröffentlichung mehr Programm als hier: Nicht nur mehr als 1 Gesicht, unzählige Gesichter des Andreas Buttler offenbaren sich dem Hörer, und nicht immer ist das Ergebnis gelungen.

Die Bandbreite des sehr persönlich, stellenweise gar intim gehaltenen Werkes reicht von harten, düsteren Songs im Stile von OOMPH, RAMMSTEIN oder WITT (Gott, Ewig) bis hin zu richtiggehend schlagerhaftem Material (Frei für immer) und elektrolastigem Indiepop (Giganten). Buttler will dabei sämtlichen Facetten des Lebens und Seins gerecht werden, aber stellenweise verkommt das doch zum orientierungslosen Suchen nach dem roten Faden. Obwohl stilistischer Vielfalt immer aufgeschlossen, ist das selbst dem Autor zu viel Gemischtwarenladen.
Dazu kommt, dass schöne Ansätze in teilweise unsäglichen Arrangements verwässert werden (warum musste Buttler eigentlich alles selber machen? - manchmal ist eine hilfreiche Hand von außen ganz sinnvoll), der eigentlich schöne Song Was ist wenn ersäuft geradezu in seinem Streichermeer. Ganz witzig ist immerhin die Dance-/Electroclash-Version von Marius-Müller-Westernhagens Sexy (wobei man meiner Ansicht nach diesen Titel ohnehin nur verbessern kann), auch Angst und Heim nach Eden haben durchaus ihre Momente.

Textlich durchaus vielseitig und um Anspruch bemüht, bleibt musikalisch doch einiges an der Oberfläche, an der Grenze zur Beliebigkeit, trotz gelegentlichen Club-Hit-Ambitionen (Unter Wölfen) will sich auch nichts so unauslöschlich einprägen, vielleicht mit Ausnahme des wirklich gelungenen Steh auf.
Alles in allem sind da definitiv ein paar Gesichter zu viel, irgendwie drängt sich der Vergleich mit Ikarus auf, der, zu viel wollend, der Sonne zu nahe kam, sich die Flügel verbrannte und abstürzte. Weniger ist eben manchmal mehr.

Ralf Stierlen, 17.08.2005

 

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